Nach der Erweiterung meiner Ausrüstung um eine Vollformat-DSLR (der D700) kamen ein paar VF-Objektive hinzu. Darunter das AF-S 24-70/2,8 G ED.
LIEFERUMFANG:
Das Objektiv wird in einer Art Soft-Shell-Aufbewahrungstasche geliefert, die wahrscheinlich die wenigsten in ihrer Fototasche verstauen können, weil das Ganze einfach zu voluminös wird. Sollte man das Objektiv aber mal zuhause lassen (*schmunzelt* was angesichts des universellen Brennweitenbereichs eher nicht der Fall sein wird), so hat man eine gute Aufbewahrungsmöglichkeit.
Standardmäßig dabei Front- und Rückdeckel (Letzterer bereits die "neue" Version, die etwas griffiger ausgefallen ist, wie der Vorgänger), Beschreibung, Garantiekarte und nicht zuletzt eine wuchtige, grundsolide Gegenlichtblende mit Schnappverschluss. Zum Lösen der Gegenlichtblende wird ein kleiner Knopf gedrückt.
KONSTRUKTION:
Mit einem Gewicht von 900 g, einer Baulänge von 133 mm und einem Durchmesser von 83 mm (Filterdurchmesser 77 mm) wahrlich kein Leichtgewicht oder Winzling. Wer - so wie ich - gerne "etwas in der Hand hat" wird dieses Objektiv lieben. Robust und für den intensiven Einsatz konzipiert, erweckt diese Linse den Eindruck, dass sie viele Jahre treue Dienste leisten wird.
15 Linsen in 11 Gruppen, darunter 3 ED-Gläser, 3 asphärische Linsen und eine mit Nanokristallvergütung führen zu einer Spitenabbildungsleistung - vorausgesetzt man hat die entsprechende Kamera, um diese auch nützen zu können.
Zwei griffige Einstellringe für Brennweite und Fokus ohne Spiel, sowie ein Wahlschalter für AF/M (A/M und M).
Das Objektiv besitzt keine Stativschelle. Diese ist auch nicht nötig. Eine Kopflastigkeit der Kamera-Linsen-Kombination lässt sich nur mit sehr leichten Kameramodellen erreichen - und für die Einsteigermodelle ist dieses Objektiv ja nicht in erster Linie konstruiert worden.
Auch vertrete ich die Ansicht, dass ein Stativ inklusive dem Stativkopf eine gewisse Robustheit/Stabilität aufweisen und auf Kamera/Linsen abgestimmt sein sollte.
Auf meinem knapp 3 Kilo schweren Manfrotto 055B (Modell Anfang der 90er Jahre, das heutige ist - soweit ich weiß - ein wenig leichter) in Verbindung mit dem nahezu 1 Kilo schweren Kugelkopf von Manfrotto, liegen Kamera und Objektiv sicher auf und es ist keinerlei Kopflastigkeit festzustellen.
ABBILDUNGSLEISTUNG:
Imho über jeden Zweifel erhaben! Bitte eines niemals zu vergessen (da in anderen Rezensionen Vergleiche angestellt werden, die meiner Meinung nach relativ zu betrachten sind): Ein Zoom bleibt ein Zoom.
Auch wenn man für das 24-70/2,8er einiges hinblättern muss, so kauft man sich trotzdem ein Zoom-Objektiv und keine Festbrennweite.
Wäre man in der Lage Zoomobjektive ebenso gut korrigieren zu können, wie Festbrennweiten, spräche eigentlich nichts mehr für die Konstruktion von solchen (abgesehen von diversen Spezialobjektiven).
Mir ist zum Beispiel kein Carl-Zeiss-Zoom-Objektiv bekannt. Was nicht heißen soll, dass es ein solches nicht gibt. Aber es wird gute Gründe dafür geben, dass die Carl-Zeiss-Objektive, die seit Jahren unverändert gebaut werden, als Festbrennweite konzipiert worden sind und nicht als Zoom-Objektiv.
Auch erachte ich es nicht als Zeichen mangelnder Qualität, wenn Nikon seine Objektivreihen im Laufe der Zeit überarbeitet und verbessert/verändert.
Auf einen Bildstabilisator kann ich getrost verzichten. Dieser ist angesichts des Brennweitenbereichs und der konstanten, hohen Lichtstärke nicht nötig.
Vergleiche mit etwa dem 16-85er, das in einer ganz anderen Objektivklasse angesiedelt ist, mögen für eine Kamera mit APS-C-Sensor sinnvoll sein, wenn man sich überlegt, ob der Aufpreis sinnvoll ist, oder nicht. Schließlich kompensiert der Bildstabilisator bei genanntem Objektiv die geringere Lichtstärke bis zu einem gewissen Teil und auch mit Blende 2,8 wird man an einer Kamera mit APS-C-Sensor niemals dieselbe "Freistellung" vom Hintergrund erreichen, wie das bei der Kombination mit einer Vollformat-Sensor-Kamera der Fall ist.
Gerade an einer solchen wird die hohe optische Qualität dieses Objektivs aber erst richtig ersichtlich.
Mit dem 24-70er fällt die technische Qualität der Aufnahmen, die ich in Verbindung mit der D300 mache, nochmal eine Klasse höher aus, aber kein Vergleich zu den Aufnahmen an der D700.
Dann bemerkt man aber auch sehr wohl eine - wenn auch nur geringe - aber dennoch vorhandene Vignettierung (außer man hat - so wie bei der D700 möglich - die Vignettierungskorrektur aktiviert) bei Offenblende, die ab Blende 5,6 nahezu zur Gänze verschwindet.
Chromatische Abberation mit freiem Auge nicht sichtbar. Knackscharfe Fotos bereits bei Offenblende, wobei die Abbildungsleistung abgeblendet auf 4,0/5,6 nochmals deutlich sichtbar zulegt.
Verzeichnung:
In allen Brennweitenbereichen vorhanden, am stärksten im Weitwinkelbereich. Gut, möglicherweise wäre hier ein besseres Ergebnis erzielbar gewesen, aber die Verzeichnung bleibt immer im Bereich des noch gut Akzeptablen.
Die Verzeichnung kann per Software korrigiert werden und für Aufnahmen wo explizit das maximal mögliche Minium an Verzeichnung nötig ist, oder besser noch gar keine Verzeichnung auftreten soll, kommt ohnehin ein anderes Objektiv zum Einsatz.
Flares:
Sehr schwer zu erzwingen. Man muss schon gegen eine Halogenschreibtischleuchte fotografieren, um dezente Flares zu bekommen. Hier leistet die Nanokristallvergütung sehr gute Dienste.
AUTOFOKUS:
Super! Extrem schnell, leise und zuverlässig - gerade an der D700! (wenn gleich bei Sportaufnahmen die D300 gewisse Vorzüge hat, die aber bei dieser Rezension nichts verloren haben)
FAZIT:
Meiner Meinung nach ein Objektiv der Spitzenklasse, das seinen Preis wert ist. Für die Verwendung an Vollformat-Sensor-Kameras eine uneingeschränkte Empfehlung meinerseits!
Wer eine APS-C-Sensor-Kamera besitzt, sollte sich die Anschaffung dieses Objektivs gut überlegen, wenn er ausschließen kann jemals auf Vollformat umzusteigen. Bedingt durch den Cropfaktor entspricht der Bildwinkel des Objektivs an Kameras mit APS-C-Sensor dem eines 36-105ers ... büßt also im Weitwinkelbereich praktisch alle Vorzüge ein.
Darüber hinaus sind die aktuellen Nikon-APS-C-Sensor-Kameras nicht in der Lage dieses Objektiv in punkto Auflösung voll auszureizen - somit Geld für etwas bezahlt, das man nicht nutzen kann.