Jahrelanges Schielen zum AF-S 50/1,4 G ... oder doch lieber das "alte" AF 50/1,4 D, das punkto AF schneller sein soll? Um die Qual der Wahl zu erschweren, gibt's jetzt auch noch das neue AF-S 50/1,8 G, das ein gutes Stück weniger kostet, als das 50er mit 1,4.
Letztlich hat mich die höhere Lichtstärke (2 Drittel-Blenden sind im Fall der Fälle nicht zu unterschätzen) und das höhere Gewicht (ich hab gern was in der Hand) dazu bewogen, das AF-S 50/1,4 G zu kaufen.
Ein Kauf, den ich absolut nicht bereue. Näheres zu den einzelnen Aspekten:
HERSTELLUNG:
"Made in China". Warum Nikon ein Objektiv, von dem man annehmen möchte, das es zu den "Besseren" (bitte nicht falsch verstehen) gehören sollte, in China produzieren lässt, wo doch alle "hochwertigen" Linsen bis vor kurzem noch in Japan hergestellt worden sind, weiß ich nicht. Möglicherweise lassen sich dadurch die höchst konträren Rezensionen erklären. Nach dem Erdbeben sind die Produktionsstätten für Kameras und Objektive nach Malaysien ausgelagert worden. Doch das nur am Rande, schließlich geht's hier um das 50er.
LIEFERUMFANG:
Goldener Nikon-Karton in - für so ein Objektiv - beachtlicher Größe, Garantiekarte, Gebrauchsanleitung, Gegenlichtblende, Aufbewahrungsbeutel, Front- und Rückdeckel, das für Nikon übliche Zubehör.
HAPTIK/FERTIGUNGSQUALITÄT:
Da gibt es von meiner Seite nichts zu meckern. Das Objektiv liegt angenehm und "satt" in der Hand. Da wackelt nichts, da klappert nichts, die Gegenlichtblende rastet sauber ein und lässt sich ebenso mühelos entfernen. Für den Transport kann man diese ohne Probleme verkehrt aufgesetzt am Objektiv anbringen und mitsamt selbiger im Beutel aufbewahren.
Wenn man sich das Innere des Objektivs genauer ansieht, sollte man nicht erschrecken. Die Blendenlamellen bei den neueren Nikon-Objektiven sehen so aus, als ob etwas kaputt wäre. Im Ernst - als ich das erste Mal mein AF-S 35/1,8 G genauer inspiziert habe, dachte ich, es läge ein Fertigungsfehler vor. Die Lamellen "stellen" sich bei geschlossener Blende gewissermaßen "auf" und überlappen sich. Bei älteren Nikkoren war dies nicht der Fall. Offenbar konstruktionsbedingt, um die "kreisrunden" Blendenöffnungen zu erhalten.
Ungewöhnlich, dass dieses Nikon-Objektiv einen Filterdurchmesser von 58 mm aufweist (ebenso das neue AF-S 50/1,8 G und das ältere AF-S VR DX 55-300/4,5-5,6 ED). Für alteingessene Nikonfotografen bedeutet dies unter Umständen neue Filter oder Filterreduktionsringe kaufen.
AUTOFOKUS:
Der Autofokus ist weder an meiner D300, noch an meiner D700 als extrem langsam zu bezeichnen. Korrekt ist, dass er in punkto Geschwindigkeit mit dem AF-S 24-70/2,8, dem AF-S 70-200/2,8 aber auch zB meinem älteren AF 85/1,8 D, das noch über einen Stangenautofokusantrieb verfügt, nicht mithalten kann. Aber zum Fotografieren reicht es allemal und schneller als beim manuellen Fokussieren bin ich damit auch.
Auch denke ich, dass sich die Einsatzbereiche in Grenzen halten werden, wo sich dieses kleine Manko des Objektivs als K.O.-Kriterium heraus stellen werden.
Wenn die AF-Geschwindigkeit oberste Priorität einnimmt, dann bitte die Finger von diesem Objektiv zu lassen.
Mein Exemplar weist einen Frontfokus-Fehler in der Naheinstellung auf. Die Schärfe liegt bei Offenblende ein paar mm vor dem Punkt, auf den scharfgestellt worden ist und der im Sucher scharf erscheint. Dies ist allerdings nichts Ungewöhnliches und kann sowohl bei der D300, als auch bei der D700 (wie auch bei vielen anderen Nikon-DSLR's) eingestellt und für das jeweilige Objektiv abgespeichert werden.
Die Thematik des Back- oder Front-Focusing ist insofern nicht zu unterschätzen, als dass gerade bei lichtstarken Objektiven, wie dem 50er mit Blende 1,4 die Schärfentiefe bei Offenblende im Naheinstellungsbereich nur wenige mm beträgt. Wenn dann bei einem Porträt das Auge des Fotografierten unscharf ist und die Schärfe im Schläfenbereich beginnt und beim Haaransatz endet (überspitzt) ausgedrückt, sollte man nicht gleich dem Objektiv den schwarzen Peter zuschieben, sondern auch den genannten FF- oder BF-Fehler in Erwägung ziehen.
ABBILDUNGSLEISTUNG:
Es ist ja nun schon eine ganze Menge über die Abbildungsleistung dieses Objektivs geschrieben worden. Von "knackiger Schärfe und hohem Kontrast" kann bei Blende 1,4 keine Rede sein. Einerseits eigenartig, denn mein zuvor erwähntes AF 85/1,8 D hat bei Offenblende schärfere und kontrastreichere Aufnahmen zu bieten.
Andererseits sind Schärfe und Kontrast ausreichend und steigen beim Abblenden kräftig und auf durchaus zufriedenstellende Werte an.
An meiner D700, die den vollen Bildkreis des Objektivs nutzt, fallen bei Fotografieren im Offenblendbereich im Randbereich leichte Komma-Fehler auf, die beim Abblenden auf Blende 4 verschwinden. An der D300 ist dies nicht der Fall, was an dem Umstand liegt, dass beim APS-C-Sensor ein wesentlich geringerer Bereich des Bildkreises, das Zentrum gewissermaßen genutzt wird.
Diese Kommafehler sind bei lichtstarken Objektiven nichts Ungewöhnliches und fallen den meisten tatsächlich auch nur dann auf, wenn man explizit danach sucht oder entsprechende Testaufnahmen erstellt. (Treten hauptsächlich bei lichtstarken Weitwinkel- und Normal-Objektiven auf).
Die Chromatische Abberation ist bei Offenblende - wenn man danach sucht - zu sehen, stört aber nicht. Natürlich hätte hier der Verbau eines ED-Linsen-Elements zu besserer Abbildungsleistung geführt, allerdings läge dann der Preis (siehe 24/1,4; 35/1,4 und 85/1,4) weit über tausend Euro und das Objektiv wäre weiterhin ein Wunschkandidat von mir geblieben.
Was meiner Meinung nach nicht sein hätte müssen, ist die deutlich sichtbare tonnenförmige Verzeichnung. Natürlich kann man das softwaremäßig beheben, aber ich vertrete die konservative Ansicht, dass Verzeichnung bei einer Festbrennweite im Normal- bis Telebereich nicht sein muss.
FAZIT:
Für den Preis ein absolutes Traumobjektiv mit einer Schwachstelle punkto Verzeichnung und verhältnismäßig weichen Aufnahmeergebnissen bei Fotografieren mit Offenblende. Zum Freistellen des Motivs - vor allem an Vollformatkameras - hervorragend geeignet, an Kameras mit Halbformatsensoren ein herrliches, lichtstarkes Porträtobjektiv.
Viereinhalb Sterne gibt es nicht und da die Verzeichnung - in meinem Fall - bei fünf Sternen nicht hätte sein dürfen, gibt's wohlverdiente vier Sterne.