Superzooms sind für Spiegelreflexkameras schon lange erhältlich. Ihre typischen Schwächen wie Verzeichnungen in den Endbrennweiten, geringe Lichtstärke und Vignettierung (Abschattung der Randbereiche) führten jedoch dazu, dass die früheren Vertreter dieser Gattung kaum überzeugen konnten. Nikons 18-200er aber hat es geschafft, mich zu überzeugen, wenn nicht gar zu begeistern.
Der Brennweitenbereich entspricht einem moderaten Weitwinkel (auf Kleinbild umgerechnet 27 mm) bis zum schon recht kräftigen Tele, das 300 mm nach "alter Rechnung" umfasst. Ein Objektivwechsel (bei digitalen SLRs immer ein Risiko, weil man sich dabei leicht Staub auf dem Sensor einhandelt) wird nur noch sehr selten erforderlich. Die Lichtstärke des Objektivs ist mit 3,5 im Weitwinkel- und 5,6 im Telebereich nicht rekordverdächtig, aber angemessen und brauchbar.
Wie jedes Zoomobjektiv neigt auch das 18-200er Nikon zu deutlichen kissenförmigen Verzerrungen im Weitwinkelbereich und zu nicht ganz so auffälligen tonnenförmigen Verzerrungen bei Annäherung an die 200 mm. Wer Lust hat, einfach einmal eine weiße Wand direkt von vorn zu fotografieren, wird feststellen, dass die Ecken des Bildes bedenklich dunkel werden: das ist die Vignettierung, die auch ohne aufgesetzte Filter u.ä. nicht zu übersehen ist. Auffällig werden alle diese Fehler jedoch erst in eher seltenen besonderen Aufnahmen, und im Alltagsbetrieb stören diese Fehler in der Regel kaum.
Ich verwende dieses Objektiv an einer Nikon D70, ich fotografiere ausschließlich im NEF-Format (Nikons RAW) und konvertiere meine Bilder mit DxO Optics Pro. Diese Software eliminiert die beschriebenen Bildfehler (und noch einige andere wie Farbsäume u.ä.), so dass die Qualität des resultierenden Fotos zuverlässig erstklassig ist. Diese Korrekturen sind auch mit Photoshop und anderen Softwareprodukten möglich, wenn auch nicht so komfortabel. Damit werden die beschriebenen Fehler dieses Zooms praktisch bedeutungslos.
Noch nicht erwähnt habe ich den eingebauten Bildstabilisator (Nikon nennt das "VR" wie Vibration Reduction). Mit ihm gewinnt man tatsächlich, wie in der Werbung versprochen, so um die vier Zeitstufen. Ist also ohne VR 1/250 Sekunde erforderlich, um eine unverwackelte Aufnahme zu machen, genügt mit diesem Objektiv und eingeschaltetem VR 1/15 Sekunde. Die auf Verwacklungen beruhende Ausschussquote wird damit sehr deutlich gesenkt. Zaubern kann der VR aber natürlich auch nicht, ein Mindestmaß an Sorgfalt bleibt erforderlich.
Kurzum: außer für sehr spezielle Aufnahmengebiete hat man mit diesem Objektiv stets die richtige Brennweite an der Kamera, der VR sorgt dafür, dass man kaum noch Verwacklungsunschärfen produziert, und die üblichen Abbildungsfehler lassen sich mit minimaler digitaler Nachbearbeitung entfernen. Was übrig bleibt, sind technisch erstklassige Aufnahmen. Noch dazu ist das 18-200er recht kompakt und nicht zu schwer. Für mich ist es der ideale Begleiter, wie ich ihn in meinem bisherigen langen Fotografenleben noch nicht kannte.