Anmerkung: Ich rezensiere hier das AF-S Nikkor 18-200 *VR-II* und nicht das alte 18-200 *VR* Objektiv (im Gegensatz zu meinem Vorrezensenten). Das 18-200 VR-II ist der Nachfolger vom 18-200 VR.
Vor knapp einem Jahr (Juni 2009) habe ich mir eine Nikon D90 gekauft und war anfangs mit dem Kit-Objektiv 18-105 VR ganz zufrieden, aber schon nach ca. 2 bis 3 Monaten wurde mir klar dass ich nach oben etwas mehr Brennweite (Tele) benötigte. Ich war am Anfang skeptisch, denn im Internet gibt es ein paar negative Stimmen zu diesem Nikkor 18-200 VR-II, es habe angeblich keine gute Bildqualität etc. Diese negativen Bewertungen im Internet waren mit ein wichtiger Grund für mein langes Zögern.
Daher war ich sehr gespannt und habe, sofort nach Erhalt, dieses Nikkor Zoom ausgiebig ausprobiert und getestet, ca. 1500 Fotos in 3 Wochen gemacht, in verschiedenen Situationen und Brennweiten. Ich war extrem gespannt wie sich das Objektiv an meiner Nikon D90 machen würde. Ferner konnte ich dieses Nikkor mit einem Sigma 18-200 Objektiv vergleichen, welches ich 3 Wochen in meinem Besitz gehabt habe.
Insgesamt muss dieses Nikkor Objektiv in meinem Fall gegen folgende Vergleichsobjektive bestehen:
- Ein Nikkor 18-105 VR an meiner Nikon D90
- Ein Sigma 18-200 DC OS an meiner Nikon D90
- Ein Pentax DA 18-55 AL II an meiner Pentax K20D
- Ein Sigma 18-200 an meiner Pentax K20D
- Ein Sigma 70-300 an meiner Pentax K20D
Und, im Vergleich zu den o.g. Objektiven, muss ich sagen, dieses Nikkor 18-200 VR-II hat mich überzeugt. Ich wurde angenehm überrascht. Die negativen Äusserungen in diversen Internet-Foren sind für mich nicht nachvollziehbar. Ich bin mit diesem Nikkor sehr zufrieden, auch und gerade was die Bildqualität anbelangt.
Bildqualität:
Insgesamt sehr gut für ein Zoom-Objektiv. Dieses Nikkor 18-200 VR-II ist in allen Belangen etwas besser als das Standardobjektiv 18-105 VR (welches nicht schlecht ist). Es hat nicht nur eine grössere Versatility mit 18-200, sondern es weist in allen Brennweitenbereichen etwas bessere Leistungen auf als das 18-105 Objektiv. Also z.B.: Bei 18 mm zeigt es etwas *weniger* Tonnen-Verzeichnung als das 18-105, bei 105 mm zeigt es eine bessere Schärfe und Kontrastleistung als das 18-105 bei 105mm etc. etc.
Die sehr gute Kontrastleistung auch am langen Ende, 200mm, und die geringe Vignettierung in allen Brennweitenbereichen haben mich am meisten positiv überrascht bei diesem 18-200 VR-II. Auch die Randunschärfe ist in allen Brennweiten gering und akzeptabel.
PLUS:
++ Das Objektiv ist grösser und schwerer als das Nikkor 18-105 VR, aber etwas kleiner (kompakter) und leichter als das vergleichbare Sigma 18-200, dadurch weniger klobig und die Kamera-Objektiv-Kombi liegt besser in der Hand.
++ Wertige, edle Verarbeitung. Sieht gut aus und fühlt sich gut an in der Hand.
++ Bessere Lichtstärke (5.6 am langen Ende anstatt 6.3 beim Sigma, das ist nur eine halbe Blende, macht aber viel aus).
++ Aufgrund der besseren Lichtstärke funktioniert u.a. der AF viel besser.
++ Schneller, präziser, leiser Ultraschall-Autofocus. Der AF ist einfach ein Genuss.
++ Verzeichnungen etwas geringer als bei meinen anderen Objektiven (siehe oben).
++ Die tonnenförmige Verzeichnung im WW-Bereich ist vorhanden aber für ein 18-200-Zoom fast gering, sehr akzeptabel. Die kissenförmige Verzeichnung am langen Ende ebenfalls gering und für ein Zoom dieser Stärke absolut akzeptabel. Absolut in Ordnung.
++ Die Vignettierung im WW-Bereich ist ebenfalls gering, dies hat mich am meisten positiv überrascht. Denn in Sachen Vignettierung bin ich sehr pingelig und empfindlich. Ich hasse diese dunklen Ecken ganz einfach.
++ Kontrast über dem gesamten Brennweitenbereich sehr gut, auch am langen Ende.
++ Arretierungstaste bei 18mm vorhanden (gegen das selbständige Ausfahren, Zoom Creep).
++ Optische Bildstabilisierung VR-II ist sehr leistungsfähig, bis zu +4 LW Verbesserung kann ich in der Praxis bestätigen und sind also nicht nur eine theoretische Werbeversprechung. Ich kann bei 200mm bis zu 1/15s scharfe Bilder machen. Bei 18mm bis zu 1/5s.
++ Beim Fokussieren dreht nichts am Objektiv, der Entfernungs-Ring ist versenkt und nur durch ein kleines "Fenster" sichtbar. Elegante und aufwendige technische Lösung. Auch der Frontbereich (Filterhalterung) dreht nicht, bleibt fest: Dadurch kann man z.B. problemlos Filter, auch Polfilter, einsetzen.
++ Die geniale kamera-interne Bildbearbeitung meiner D90 funktioniert sehr gut mit diesem Objektiv (mit "fremden" Objektiven von Sigma, Tamron, etc. ist diese Funktion an der D90 nicht vorhanden, schwerer Nachteil für mich). Dies mag bei anderen Nikons wie D60, D80 etc. belanglos sein. Z.B. kann ich die WW-Verzeichnung direkt in meiner D90 korrigieren, diese und andere Funktionen stehen mit Fremdfabrikaten (Sigma, Tamron) und mit alten Nikon-Objektiven die keine CPU haben, nicht zur Verfügung.
++ Quick Shift bzw. "Manual AF Override" der Entfernungseinstellung ist vorhanden, d.h., man kann den *automatischen* AutoFocus *manuell* korrigieren. Eine sehr gute Sache die allerdings in dieser Preiskategorie fast selbstverständlich ist. Mein Sigma 18-200 für Pentax hat diese Möglichkeit aber zum Beispiel nicht.
Nichts auf der Welt ist perfekt, auch dieses Nikkor Objektiv nicht, daher gibt es auch eine Mängelliste:
MINUS:
-- Zoom Creep vorhanden (Zoom verstellt sich von alleine wenn man es nicht festhält und/oder die Kamera nach oben oder unten hält). Es gibt dafür zwar eine Arretierungstaste, die aber nur am kurzen Ende bei 18mm funktioniert. Ideal wäre es gewesen, wenn die Arretierung bei jeder wählbaren Brennweite, z. B. auch bei 50mm, funktionieren würde, ist aber wohl technisch kaum zu machen denke ich mal. Nun ja, immerhin kann man bei 18mm fest arretieren, das hilft schon etwas.
-- Die Bildstabilisierung (VR-II) macht ein etwas lautes "Klack" wenn sie sich ein- oder ausschaltet. Mittlerweile höre ich dieses Klacken überhaupt nicht mehr, meine Ohren bzw. mein Gehirn filtern es weg. Dieses Klacken entsteht immer wenn man den Auslöseknopf bis zum ersten Druckpunkt drückt um scharf zu stellen, da schaltet sich die VR ein. 2 Sekunden nach Loslassen des Knopfes schaltet sie sich aus -> wieder "Klack". Am Anfang hat mich diese Sache sehr irritiert, denn mein Nikkor 18-105 hat auch VR und da "klackt" absolut NICHTS. In Internet-Foren konnte ich aber lesen, dass sowohl das 18-200 VR als auch das VR-II dieses Klacken aufweisen und dass es normal ist.
-- Der Zoomring ist je nach Stellung der Kamera etwas schwergängig. Wenn man z.B. die Kamera nach oben hält (weil man z.B. einen Vogel auf einem Baumzweig mit dem Tele fotografieren will) und man will von 18 mm auf 200 mm "hochfahren", so geht das etwas schwer. Hält man die Kamera nach unten, geht es sehr leicht. Umgekehrt wenn man von 200 auf 18 mm "zurückfahren" will, das geht nur dann leicht wenn man die Kamera nach oben hält.
Fazit: 5 Sterne. Der Umstieg vom 18-105 VR auf dieses 18-200 VR-II lohnt sich. Insgesamt bin ich von diesem Objektiv absolut begeistert.
Daher: Klare Kaufempfehlung. Die o.g. Nachteile (siehe meine Minus-Liste) geben mir keinen Anlass einen Stern abzuziehen, sie sind für mich nicht gravierend genug, zumal es typische Zoom-Nachteile sind die andere Fabrikate auch haben.
Update September 2011: Nach über einem Jahr und 10.000 Auslösungen funktioniert das 18-200 VR-II Objektiv tadellos wie am ersten Tag. Es sind nie Probleme oder Funktionsausfälle aufgetreten. Bin von diesem Objektiv immer noch so begeistert wie damals als ich die Rezension schrieb.
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