Seit einigen Wochen befasste ich mich mit dem Gedanken, ein Ultraweitwinkelobjektiv für meine Nikon D7000 anzuschaffen. Lange habe ich überlegt: Brauche ich das wirklich? Bringt mir das tatsächlich etwas? Lohnt sich diese teure Anschaffung?
Was am meisten schreckt, ist der Preis. Deshalb habe ich mich natürlich nach Alternativen von Sigma, Tamron und Tokina umgesehen. Doch auch diese sind nicht billig, wenn auch um einiges günstiger. Außerdem sind die Meinungen der Nutzer sehr breit gefächert.
Fast hätte ich mir das Tokina 12-24 gekauft. Ausschlaggebend für meine Entscheidung, das Nikkor zu nehmen, war die um 2 mm kürzere Brennweite. Und der Unterschied zwischen 10 oder 12 mm ist viel größer, als man meint. Hierzu empfehle ich den Objektivsimulator auf der Nikon Homepage zu nutzen, das hilft ungemein bei der Entscheidung.
Nun, seit einigen Tagen bin ich im Besitz des neuen Objektivs und es möchte gar nicht mehr runter von der D7000! Mit dem extremen Bildwinkel, welcher weit über dem menschlichen Gesichtsfeld liegt, sind Perspektiven möglich, die ungeheuer faszinierend sind!
Natürlich will die kurze Brennweite überlegt und gezielt eingesetzt werden. Hier ist man seitens Bildgestaltung mehr gefordert, als bei anderen Brennweiten. Wenige Millimeter in die eine oder andere Richtung entscheiden, ob viel oder wenig Verzerrung im Randbereich auftritt. Je nach Motiv können diese Verzerrungen aber auch eine Bereicherung darstellen und eine dramatische Bildwirkung erzielen. Also kurz gesagt, für kreative und ungewöhnliche Bildkompositionen eine absolut lohnenswerte Anschaffung!
Wie ist es um die technische Bildqualität bestellt? Hier bin ich äußerst positiv überrascht! Selbst in der kritischen kürzesten Brennweite und offener Blende ist die Schärfe bereits sehr gut! Allerdings treten hier sichtbare Vignettierungen auf, die aber nachträglich leicht korrigierbar sind. Abgeblendet auf F5,6 - F8 spielt das Objektiv seine Stärken am besten aus. Knackscharf bis in die Ecken! Abgeblendet auch weniger Vignettierung.
Die Verzeichnung ist weniger schlimm, als ich befürchtet hatte. Außerdem rechnet die D7000 diese bereits heraus. Doch hier ist Vorsicht geboten! Je nach Motiv verstärkt die Verzeichnungskorrektur die Verzerrungen im Randbereich derartig, dass es besser ist, diese nicht anzuwenden. Da ich grundsätzlich im RAW-Format fotografiere, entscheide ich dann individuell, ob ich die Verzeichnung korrigiere oder nicht.
Formal und haptisch ähnelt das Nikkor 10-24 sehr den Nikkoren 16-85 bzw. 18-200. Die Bedienung und Ergonomie ist gut, hier bleiben kaum Wünsche offen. Der Autofokus arbeitet schnell, leise und vor allem präzise. Ebenfalls positiv: Der Ring zum manuellen Scharfstellen dreht sich bei der automatischen Fokussierung nicht mit.
Gibt es auch Negatives? Leider ja! Das Fehlen eines Bildstabilisators! Es mag ja sein, dass er bei diesem Brennweitenbereich verzichtbar ist, aber ich hatte bereits einige Situationen, wo ich dankbar für seine Unterstützung gewesen wäre. Das ist allerdings das einzige, was ich bemängeln kann. Da es meines Wissens auch von anderen Anbietern keine stabilisierten Objektive in diesem Brennweitenbereich gibt, verzichte ich auf einen Punktabzug.
Fazit: Das Nikkor 10-24 ist eine enorme Bereicherung hinsichtlich Brennweitenbereich und verschafft dem Fotografen völlig neue Möglichkeiten. Auch technisch überzeugt das Objektiv auf ganzer Linie. Allerdings muss man es sich leisten können und wollen. In meinem Fall, für den rein privaten Gebrauch, ist es einfach nur purer Luxus. Schließlich hätte ich für das Geld auch einen neuen Computer, einen D-SLR Zweitbody oder einen schönen Städtetrip finanzieren können ;-)
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Nachtrag: Zum Schutz der Frontlinse habe ich den Hoya UV-Filter HD 77 mm gekauft. Er ist erstklassig verarbeitet und beeinträchtigt die optische Qualität des Objektivs weder durch Vignettierung, noch durch Schärfeverlust.