Die Geschichte des jungen Nicolaus Nickleby, der durch den Todesfall seines Vaters unversehens mit den Schurkereien seines kauzigen Onkels konfrontiert wird und viele Abenteuer zu bestehen hat, bis seiner Familie wieder das Glück zulächelt, wird von dem berühmten englischen Schriftsteller Charles Dickens mit viel Schwung und Ironie erzählt. Es handelt sich um eine eher leichtere Erzählung im Vergleich zu den düster spannenden Meisterwerken wie "Bleak House" oder "Unser gemeinsamer Freund" und ist trotz des stolzen Umfanges von etwa 1000 gedruckten Seiten flüssig zu lesen.
Schwere Geldsorgen lasten auf Vater Nickleby als er sich von seiner Frau überreden lässt, ein gewagtes Spekulationsgeschäft zu tätigen. Als der erwünschte Erfolg ausbleibt und der vollständige Ruin über die Familie hereinbricht, hört das Herz des treusorgenden Ernährers auf zu schlagen und Mutter Nickleby mit ihren Kindern, Nicolaus und Kätchen suchen bei dem einzig noch lebenden Verwandten des Verblichenen um Rat und Hilfe an. Ralph Nickleby ist nun einmal ein Geizhals und Unmensch von der übelsten Sorte und sucht aus dem Unglück der armen Verwandtschaft seinen eigenen Vorteil zu ziehen. Seinen Neffen schickt er als Hilfslehrer an eine schreckliche Jungenschule in Yorkshire, damit er dort am Leben verzweifeln und scheitern solle und seine hübsche Nichte sucht er an seine Geschäftsfreunde zu verschachern. Der gerissene Schurke hat jedoch nicht mit dem Mut der Jugend gerechnet. Nicolaus lehnt sich gegen die unmenschlichen Methoden des Schuldirektors Sqeers und seiner Frau auf und befreit den Knecht Smike von dem Joch der Sklaverei. Durch ein Engagement bei einer originellen Theatertruppe verdient Nicolaus etwas Geld um sodann zur Rettung seiner Schwester nach London zu eilen und einen vollkommenen Bruch des reichen Herrn Nickleby mit seiner kleinen Familie herbeizuführen. Obwohl Onkel Ralph nach Kräften versucht den Glückspilz Nicolaus zu Fall zu bringen, erlangt der Idealist Nickleby das Vertrauen guter neuer Freunde und kann die Versorgung von Mutter und Schwester übernehmen. Als er sich jedoch unsterblich verliebt, muss er entsetzt feststellen, das gegen seine Liebste ein neues Komplott seines Onkels geschmiedet wurde. Wird es Nicolaus auch diesmal gelingen, den miesen Plan zu vereiteln?
Auf gewohnt überspitzte Weise werden die Figuren seiner kleinen Welt von dem Autor porträtiert. Die herrlich egoistische und einfältige Mutter Nickleby muss hier genauso erwähnt werden wie der widerliche Jungenschinder Wackford Sqeers oder auch das herrlich kuriose Paar Mandalani, welches durch den exzentrischen Lebensstil des Künstlergatten in finanzielle Not gerät. Späte Liebe kann zu großem Glück oder Unglück führen. So tritt ein ehrwürdiger Steuereinnehmer im Alter von 60 Jahren zum ersten Mal in den Ehestand mit einer hübschen Schauspielerin, die jedoch unglücklicherweise einem auswärtigen Flirt nicht abgeneigt ist. Dafür lacht dem Kaufmann Timotheus das Glück zu als er mit der alten Jungfer und Künstlerin, Madame La Greevy, verbindet. Gerade diese Nebengeschichten verleihen der dickenschen Erzählung den besonderen Reiz, auch wenn natürlich die hauptsächliche Handlung allein fast nicht an Dramatik zu überbieten ist. Am Schluss werden jedoch wie üblich all die verbittert gehüteten Geheimnisse gelüftet und die Schurken der gerechten Strafe übergeben, während die treuliebenden Seelen ein gutes Ende finden. Denn wenn auch das Gesetz im 19. Jahrhundert sehr selten auf Seiten des Gerechten war, verhilft Charles Dickens den liebgewordenen Helden mit Mut und guten Freunden zu ihrem Recht. Der Leser nimmt es mit Genugtuung zur Kenntnis und freut sich auf ein neues Wiedersehen mit der Welt von Dickens.