In deutschsprachigen Radiosendern habe ich Nikki Yanofsky noch nie gehört. Nein, dazu ist unsere Musikszene zu verschlafen. Irgendwann im Januar 2010 lief nach Mitternacht in ARTE eine Reportage über die Geschichte des Montreal-Jazz-Festival. Dort bin ich über diese ungewöhnliche Jazz-Interpretin aus Kanada gestolpert. Trotz der bescheidenen Qualität des Fernsehtons, war nicht zu überhören, dass hier ganz außergewöhnliches geboten wurde.
Wie ich später herausfand, war Nikki Yanofsky zum Zeitpunkt der Aufnahmen 12, bzw. 13 Jahre alt.
Ehrlich gesagt, als die CD im Mai bei mir eintraf, hatte ich ein mulmiges Gefühl: Produzent Phil Ramone tummelt sich doch normalerweise in eher seichten Jazz-Gefilden (Norah Jones etc.). Meine Befürchtungen erwiesen sich jedoch als unbegründet. Offensichtlich hat sich doch die Qualität von Rob Fahie, Ron Sexsmith, Jesse Harris und Leslie Feist durchgesetzt.
Ella Fitzgerald, Billie Holiday, Cassandra Wilson und Rachelle Ferrell sind die einzigen Jazz-Sängerinnen, die auf dem Niveau von Nikki Yanofsky singen bzw. sangen. Unglaublich? In Stücken wie "I got rythm", Take the A train", oder "You'll have to swing it" bleibt einem die Luft weg. Nikki Yanofsky hat die CD im Alter von 15 Jahren aufgenommen, keine Frage, Sie singt jetzt schon sensationell. Scatgesang?, kein Problem, Sie hat's jetzt schon drauf, wenn's sein muss schneller als Ella Fitzgerald. Wer's nicht glaubt, der höre mal in Ihr explosives "Airmail special", veröffentlich auf VERVE rein (übrigens ist Sie der jüngste Künstler der jemals für VERVE-Records ein Stück eingespielt hat). Sicher, Ihre Stimme hat noch nicht die Kraft einer Rachelle Ferrell, aber die ist auch schon ein paar Tage älter. Trotzdem putzt Sie auch jetzt schon stimmlich das Gros der Konkurrenz weg.
Ein paar Pop-Stücke sind auch auf der CD (der Kommerz lässt grüßen), aber Leslie Feist und Ron Sexsmith bürgen hier für ordentliche Qualität (Tipp: "Never make it on time" und "Try, try, try").
Wie schneidet die CD klanglich ab? Werfen Sie ihre audiophilen CD's auf den Müll! Hier habe Sie Klang und Musik!!! in Perfektion, ohne audiophile Gimmik's und Hallsoße. Die Klarheit ihrer Stimme ist unglaublich. Der pure Hochgenuss. (die Japan-Import CD klingt noch einen Tick besser)
Wenn Nikki Yanofsky dem Jazz treu bleibt, steht demselben eine goldene Zeit bevor.