Niki Lauda ist eine Art Nationalheld, dreifacher Formel 1-Weltmeister und erfolgreicher Flugunternehmer, dem es mehr als einmal gelang (die Lauda Air für die er selbst auch als Pilot ins Cockpit stieg musste er 2002 an Austrian Airlines verkaufen) im bürokratischen Dschungel Österreichs seine eigene Fluggesellschaft zu gründen und nun mit der Billigairline "Niki" wieder in der Luft ist. Dabei ist ihm mit seiner Lauda Motion der neueste Streich gelungen. Doch nicht als erfolgreicher Unternehmer hat Niki Lauda seinen Ruf begründet, sondern aufgrund seiner Zähigkeit und Zielstrebigkeit, als er nach dem schweren Unfall am Nürnburgring 1976, quasi von den Toten auferstand und nach nur 42 Tagen wieder im Cockpit eines Rennwagens saß um Vierter zu werden.
Dieser Niki Lauda ist zudem ein Medienstar und im deutschsprachigen Raum auch aufgrund der obligatorischen Kappe und stets legerer Kleidung bestens bekannt, nicht ganz ohne Kalkül, wie die Autoren der vorliegenden Biografie anmerken und Lauda selbst zugibt. Die Zeit die er mit seiner Kappe als Werbeträger im Rampenlicht stehen "muss" ist von knallhart berechnet und vertraglich festgelegt. Doch genau dieser Niki Lauda, der scheinbar emotionslose Analytiker, der genau weiß wovon er spricht, gesteht in Wirklichkeit ein Gefühlsmensch zu sein. "Niki Lauda - Alles unter einer Kappe" gelingt es zu erklären wieso. Hinter der scheinbar rauen Fassade des höchst begehrten Analysten, der von Printmedien zu so gut wie allem um eine Stellungnahme gefragt und für seine prägnanten Kommentare hohe Wertschätzung erfährt, verbirgt sich ein verletztbarer Mensch, der als Sohn einer vermögenden Wiener Industriellenfamilie geboren wurde und entgegen den ausdrücklichen Wunsch des Familienoberhaupts und Großvaters eine Motorsport-Karriere einschlug.
Mit ihrer Biografie gelingt es Heike Kossdorff, Thomas Mudri und Daniel Winkler mehr zu bieten, als eine überlange Lobesrede auf den "King". Sie zeigen auch Laudas weniger helle Seiten auf, wie sein finanzielles Interesse an Steueroasen, die Kontrolle der österreichischen Medien, welche zu einer Hofberichterstattung reduziert sind oder auch die Distanz zu seinem unehelichen Sohn Christoph. Freilich, eine voyeuristische Darstellung sollte man nicht erwarten, die negativen Saiten seiner Persönlichkeit sind gut dosiert und bleiben das Hintergrundrauschen, denn der Fokus der Biografie liegt eben auf dem Biografischen und das ist gut getroffen. Zwischendrin wird das ganze mit einigen Anekdoten garniert (wer hätte schon gewusst dass Andreas Nikolaus "Niki" Laudas Urgroßvater noch 1916 vom Kaiser in den Ritterstand erhoben wurde) und aufgelockert. Am Ende hat man je nach Lesart wirklich das Gefühl zu erkennen, wer dieser Mann unter der Kappe ist und somit hat die Biografie ihr Ziel hervorragend erfüllt.
Fazit:
Neben Arnold Schwarzenegger ist Niki Lauda wohl "der" weltberühmte Österreicher, die vorliegende Biografie hilft nicht zu verstehen warum, sondern führt einem vor Augen, wer dieser Mann wirklich ist.