War "Going to Pieces" schon eine erstklassige Dokumentation über den Slasherfilm, so dreht sich "Nightmares in Red, White & Blue" ganz allgemein um den amerikanischen Horrorfilm und geht dabei bis zur allerersten Verfilmung der Frankenstein-Thematik in das Jahr 1910 zurück. Regie-Legenden wie beispielsweise John Carpenter, George A. Romero, Roger Corman und viele andere geben sich hier die Klinke in die Hand und besprechen-und analysieren Horrorfilme aus allen Dekaden, die für das Genre absolut prägend waren. Dabei ist es vollkommen egal, ob es sich um die klassischen Monsterfilme, Slasher oder Splatterfilme handelt, hier ist wirklich für jeden etwas dabei.
Selbst der europäische Horrorfilm und dessen Einfluss auf das Genre bleibt nicht unerwähnt, so werden zum Beispiel auch deutsche Beiträge aus der Frühzeit des Horrorfilms lobend erwähnt. Doch was mich persönlich am meisten beeindruckt hat ist die Tatsache, das die Filme hier nicht einfach als gut oder schlecht beurteilt werden, sondern das auch auf deren Zeitgeist und die Wirkung auf den Zuschauer eingegangen wird. Zudem äussern die Regisseure auch die verschiedensten Sichtweisen und bringen die Filme mit den jeweiligen politischen Situationen in Zusammenhang, die zur dementsprechenden Dekade in Amerika vorgeherrscht hat. Dadurch ergeben sich auch für den Betrachter diverse Sichtweisen, die man eventuell bei der Sichtung gewisser Filme in dieser Art noch nie gehabt hat. Es kann also durchaus vorkommen, das man bei der nächsten Sichtung eines Horrorfilmes die erzählte Geschichte einmal mit ganz anderen Augen sieht, was als äusserst interessanter Aspekt angesehen werden kann.
Die 90-minütige Reise, auf die man hier entführt wird, bietet einen äusserst interessanten und spannenden Querschnitt durch die Welt des Grauens, beginnt die Geschichte mit der ersten Frankenstein-Verfilmung im Jahre 1910, so endet sie beim 2008 erschienenen "Der Nebel" von Stephen King und bearbeitet mittendrin jedes Sub-Genre, was das Szenario noch faszinierender erscheinen lässt. Die Einblicke, Informationen und Hintergründe, die sich einem dabei offenbaren, sind absolut faszinierend und extrem informativ und sorgen dafür, das man so manchen Horrorfilm auf einmal mit ganz anderen Augen sieht. Letztendlich ist "Nightmares in Red, White & Blue" eine aussergewöhnlich gute und auch spannende Dokumentation, an der man als echter Fan des Horror-Genres einfach nicht vorbeikommt.
Fazit:
Auch wenn ich persönlich im Normalfall nicht unbedingt ein bekennender Fan von Dokumentationen bin, so kann ich diese nur jedem wärmsten empfehlen. Informativ, spannend und absolut faszinierend offenbart sich dem Zuschauer hier ein Streifzug durch die Evolution des amerikanischen Horrorfilms, in der aber auch der europäische Einfluss keineswegs vernachlässigt wird. Interessante Unterhaltung, die man vollkommen bedenkenlos weiterempfehlen kann.