Jack Skellington, der knochige Herrscher über Halloween Town, hält sich für ein Genie. Nicht ganz zu Unrecht, schliesslich ist es seinen bizarren Ideen zu verdanken, dass jedes Jahr ein gar fürchterliches Halloween die Welt in Angst und Schrecken versetzt. Doch wie jedes Genie, so ist auch Jack zutiefst von Zweifeln geplagt, die in einer regelrechten Sinnkrise gipfeln: Gibt es nicht mehr auf der Welt? Können Spuk und Geschrei wirklich alles sein?
Die vermeintliche Antwort auf diese Frage findet Jack eher zufällig, als er eines Tages in Gedanken versunken durch den Wald spaziert und dabei an einen rätselhaften Ort gerät, wo sich alle Feiertage und Festlichkeiten als magische Türen ein fröhliches Stelldichein geben. Ganz besonders eine Tür in Form eines bunt geschmückten Tannenbaums hat es Jack angetan, und ehe er sich's versieht, landet er in der kunterbunten Weihnachtswelt. Was er dort erlebt, entzückt sein totes Herz so sehr, dass er spontan beschliesst, das kommende Weihnachtsfest in die eigenen dürren Finger zu nehmen.
Charmant und wortgewandt hat er schnell die Vampire, Werwölfe, Mumien, Hexen, Monster, Dämonen, Kobolde und Geister mit seiner Begeisterung angesteckt, und schon bald befindet sich ganz Halloween Town im regelrechten Weihnachtstaumel. Wie besessen wird gesägt, geschnitzt, gebastelt, genäht und gemalt, um die benötigten Geschenke herzustellen und den Schlitten vorzubereiten, mit dem sich Jack am Heiligen Abend in die Lüfte erheben will. Fest davon überzeugt, der beste Weihnachtsmann aller Zeiten zu sein, lässt Jack sogar den echten Santa Claus kidnappen, um ihm eine wohlverdiente Pause zu gönnen. Dummerweise sind die Halloweenies, allen voran Jack selbst, naturgemäss auf die Verbreitung von Schock und Schauer spezialisiert und nicht auf das Fest der Liebe, und entsprechend drastisch fallen die Ergebnisse ihrer gutgemeinten Bemühungen aus.
Nur die Lumpenpuppe Sally, Jack in geheimer Liebe zugetan, ahnt, dass das nicht gutgehen kann und lässt nichts unversucht, um das Schlimmste zu verhindern – leider ohne Erfolg. Am Weihnachtsabend begibt sich "Santa Jack" wie geplant auf seine lange Reise und löst damit ungewollt auf Erden das totale Chaos und einen wahren Albtraum aus...
1993 liess Tim Burton die Gestalten seiner abstrusen Fantasie in Form eines (unter der Regie von Henry Selick perfekt animierten) Puppentrickfilms auf das ahnungslose Kinopublikum los – und erntete stürmische Begeisterung. Schon bald avancierte "Nightmare Before Christmas" zum Kultfilm, und das aus gutem Grund, denn an diesem Streifen stimmt einfach alles, von der irrwitzigen Story über die skurillen Charaktere bis hin zur liebevoll detailierten Ausstattung und dem genialen Soundtrack aus der Feder von Burtons Hauskomponisten Danny Elfman. Ein Film zum Wieder-und-immer-wieder-sehen, bei dem man jedes Mal durch neue Entdeckungen belohnt wird. Berstend vor grandiosen Einfällen, herrlich abartig und humorvoll, verrückt und romantisch zugleich, ist "Nightmare Before Christmas" ein Kinovergnügen der allerbesten Sorte, gespickt mit unzähligen Zitaten aus Klassikern der Filmgeschichte (bestes Beispiel: Dr. Finklestein, jene hanebüchene Verschmelzung aus Frankensteins Monster, dessen Schöpfer sowie Dr. Strangelove und Donald Duck).
Besonderes Lob gilt der deutschen Synchronisation, denn sämtliche Dialoge und Songs wurden bemerkenswert genau übersetzt, ohne dabei holperig zu klingen. Auch die Wahl der deutschen Sprecher kann man nur als Glücksfall bezeichnen, allen voran Nina Hagen, die sich als "Sally" von ihrer sanften und zärtlichen Seite zeigt, und Ron Williams, der Jacks Gegenspieler "Oogie Boogie" einen rabenschwarzen Slang verpasst (und daran seine helle Freude hat).
Zugegeben: Zur Einstimmung auf Christstollen und Glühwein ist dieser Film nur bedingt geeignet, dafür ist er zu morbid und düster in seinem Humor. Wer jedoch nach einem Kontrastprogramm zum jährlichen Weihnachtskitsch sucht, ist mit "Nightmare Before Christmas" bestens bedient. Und zu Halloween hat man an Jacks Abenteuern natürlich ebenso seinen Spass wie an allen anderen Tagen im Jahr... HO! HO! HO!