1975, nach zwei wohlwollend aufgenommenen Platten und mit einem sich vergrößernden Bekanntheitsgrad im Rücken, macht Tom sein erstes Life-Album. Aber er singt sich nicht einfach durch sein vorhandenes Repertoir, wie es sich für ein normales Life-Album gehört.
Nein, er versammelt ein paar Leute, hockt sich mit der Band vor sie hin und erzählt den Anwesenden über eine Stunde lang Geschichten aus Bars, runtergekommenen Apartments und von der Einsamkeit der Landstraßen. Klar erkennbare Songstrukturen gibt es nur manchmal. Oft vermischen sich die Intros mit den Songs, die in den allermeisten Fällen von Toms typischen Sprechgesang getragen werden. Zu all dem croont die Band herum, das Klavier klimpert, der Bazz brummt, hüpft und maunzt wie ein alter Kater, das Schlagzeug scheppert.
Die Geschichten sind dann meistenteils sehr komisch, getragen von Toms Wortwitz. "Warmes Bier und kalte Frauen", "Kaffee, stark genug, um sich selbstverteidigen zu können". Solche Sachen. Tom ist ein guter Unterhalter, mitunter verschwimmen die Grenzen zur Comedy. So jemand hat jeder gerne auf seiner Party.
Heraus ragen für mich zwei Stücke: "Eggs and Sausage" und "Big Joe and Phantom 309". Letzteres ist eine Gespenstergeschichte in der Einsamkeit der nächtlichen Highways, die atmosphärisch ist bis dort hinaus.
Eine Platte zum Hören, während man seinen Sonntag im Bett vertrödelt. Gute Englischkenntnisse voraus gesetzt.
--------------------------------------------------------
Dies ist der dritte Teil meines Annäherungsversuches an den Waitsschen Kanon. Zum Vorgänger gelangen Sie hier: "
The Heart of Saturday Night". Weiter geht es bei "
Small Change".