Das Album ist mitnichten so schlecht, wie manche behaupten. Es ist sicherlich a n d e r s. Es fehlen überwiegend die schrägen und experimentellen Elektronik-Klänge und Angelo Bergamini überlässt nun die Vocals komplett Elena Fossi. Auf das, na sagen wir mal "psychotische Element" früherer Veröffentlichungen wurde hier weitgehend verzichtet. Dafür werden jetzt zusätzlich E-Gitarren in den Sound implementiert, was zu einem organischeren und fülligeren Klang führt, während die Alben zwischen "Pictures from Eternity" und "Shadow Mission" doch teilweise eher kühl und minimalistisch klangen. Einiges wirkt jetzt mehr "symphonisch burlesque", was man sicherlich Elena Fossi zuschreiben muss, die hier einmal ihr ganzes Stimmvolumen entfalten kann und nicht mehr einfach nur nach Bonnie Tyler klingt. Als Paradebeispiel sei "I Gave You Wings - I Gave You Death" genannt. Der Song hat mir auf der "Ghloir Ar An Oiche-Maxi" als Instrumental schon gefallen, aber hier in der Vocal-Version wird das Stück zur echten Gänsehautnummer (auch wenn Bergamini hier mehr oder weniger die Synth-Line aus "Mysteries of Love" aus Lynchs "Blue Velvet" geklaut hat). Also wie man da von fehlender Emotion und Tiefe sprechen kann, ist mir schleierhaft. Genug Ecken und Kanten gibt es trotz der gestiegenen Eingängigkeit immer noch ("I`m not sorry", "Immortal"). Das ist sicherlich immer noch n i c h t radiotauglich und das ist auch gut so.
Sicherlich gefallen auch mir einige ältere KC-Sachen besser als "Nightglory". Aber wenn man mal ehrlich ist, war auf den alten Platten auch immer ein guter Teil Füllmaterial bzw. auch oftmals "Unhörbares". Das fehlt hier und so kommen auch leider nur 43 Minuten Spielzeit dabei heraus. Davon die bereits von der Single bekannten "Nightglory" und "I gave you..." und das Ultravox-Cover "Hymn" (zwar gut gemacht, aber das Original ist natürlich nicht zu toppen). Bleibt nur eine halbe Stunde wirklich neues Material (die alt. Versionen auf der ltd. 2 CD nicht mitgerechnet -die 2 Bonus-Tracks kann man im übrigen vernachlässigen-).
Fazit:
Zwar nicht das "Opus Magnum", aber insgesamt ein überzeugendes Werk mit guten, wenn auch kaum wirklich hervorstechenden Songs. Was mitunter fehlt ist die fragile Schönheit früherer Kompositionen, die mit der alten Sängerin Emilia Lo Jacono oftmals erreicht wurde. Die neueren Kompositionen sind meinem Eindruck nach eher auf Elena Fossi zugeschnitten, die insgesamt etwas rauher und "tougher" wirkt.