Denn diese Scheibe trägt musikalisch jeder Schandtat des Dunklen Lords Rechnung in jeder Hinsicht. Versteht mich nicht falsch, geneigte Leser, ich will damit sagen, daß die Interpretation der Vorlage Tolkiens einfach nur als gelungen bezeichnet werden kann. Dabei hat es Morgoth den Krefeldern enorm angetan, denn die meisten Songs drehen sich um ihn, heben ihn als Hauptperson hervor und obendrein endet das Album mit einem Triumph Morgoths. Wenn das nicht düster ist! Daher gehen die Wächter auch nicht gerade zimperlich mit dem Stoff um, und fahren bombastisches Songgeschütz auf: Ein großartiges chorales Backgroundensemble trägt zu genau der Dichte bei, die man bei einer Episode wie dem - für die gesamte LotR-Trilogie zentralen Thema der Verfluchung Morgoths durch Feanor, den Schmied der Slmaril - erwarten darf, die Gitarren werden meisterlich durch jeden Song geführt, und das Album bleibt abwechsungsreich mit kommerziellen Songs (die mir weniger gefallen, so z.B. Mirror Mirror), tief traurigen Balladen (The Eldar) und sich unglaublich dicht am Original haltenden Werken wie Curse of Feanor. Tja, warum also nur vier Sterne? Lange habe ich mich dazu durchringen müssen, denn musikalisch hat dieses Werk durchaus seinen fünften Stern verdient. Das Problem liegt auf ganz anderer Seite: dem Konzept des Albums! In seiner Idee ist das Album natürlich großartig: es wird versucht, die Geschehnisse der Vorlage, nämlich den Untergang der Elfen Valinors, musikalisch zu interpretieren, was wie gesagt auch gut bis famos gelingt. Doch konzeptuell passen dazu die Dialoge und kürzeren Gesangseinlagen weniger. Der Grund, weshalb der Einstieg in dieses Werk so schwer fällt (auch für mich, und dem Gespräch mit anderen entnehme ich, daß es eine Gesamtschwäche des Albums ist!), ist, daß man sich nicht richtig zurechtfinden kann. Nur wer tief in der Geschichte des Silmarillions steckt, wird auch die wahre Bedeutung solcher Songs wie Curse of Feanor verstehen, nur dann wird einem die Interpretation erst offenbar, dann versteht man, weshalb bei Curse of Feanor der Chor sich in den Gesang des Noldor einmischt: der Bestätigungruf des Noldor-Volkes; dann versteht man, daß das Piano so klagend im Hintergrund erschallt, wenn bei The Eldar Hansi Küsch seine Stimmbänder zum Besten gibt, begleitet vom Trauerchor der Elben um ihren Weisesten, Nom; und erst dann macht sich die epochale Wirkung des Songs Blood Tears breit, wenn Fingon hoch zur Spitze des Berges Thangorodrim hinaufsteigt, um Maedhros von seinem Leid zu erlösen, das ihm Morgoth zugefügt hat, als er den Noldo an den Fels kettete, und das Fingon beendet, indem er die Hand des Maedhros abtrennt und so seinen Freund befreien kann. Erst dann begreift man die Glorie dieses Werkes... vielleicht sollte ich doch 5 Sterne geben???