Anarchie macht sich breit in Hollywood. Heute stiehlt man nicht mehr quer Beet aus dem unerschöpflichen Reservoir der Musikgeschichte, derweil auch schon in frecher Art und Weise Häppchenweise aus den Errungenschaften der eigenen Kollegen älteren und jüngeren Jahrgangs. Die Summe dieser Raubzüge könnte in etwa "Nightbreed" darstellen. Sehr viel Strawinsky, ein bißchen Bartok, damit es atonaler klingt, Schostakowitsch wenn es um Melodielinien geht, Ravels Chororgien für die Grenzen dessen, was sich unsere Schulweisheit träumen läßt. Dann natürlich viel, viel Herrman, weil sich dessen Klanglust am ehesten für den Horrorfilm Clive Bakers eignet, Goldsmith'sche und Horner'sche Orchestrierungskniffe, damit die Kids sich auch in ihrem eigenen Jahrzehnt wähnen und eine Unmenge an Kleinigkeiten, die assoziativ verschiedene Retrospektmöglichkeiten freisetzen - woher und was auch immer.
Das ist wie ein Zirkusnachmittag - knallbunt, farbenfroh, man hechelt lüstern von einer Sensationsnnummer zur anderen - und dank einer gediegenen Kapellmeisterzucht bleibt alles stets unter Kontrolle. Das einfache Epigonentum scheint einer Collagenwut zu weichen, ohne daß diese, zumindestens in dem vorliegenden Beispiel, eine wesentliche Qualitätsminderung mit sich brächte. Wer auch immer für Danny Elfman (den Kollegen böswilliger Weise als den "Humer", den Summer, tituliert haben, weil er, der keine einzige Note schreiben kann, alle seine Ideen auf einen Recorder summt) die Arrangements macht, die Orchestrierung auszuführen vermag (meistens Steve Bartek und Steven Scott Smalley) - nach dem grobmaschigen, von einigen betulichen Highlights profitierenden "Batman" (der erst in der Kunzel-Einspielung zur vollen Geltung kommen kann) zelebriert "Nightbreed" einen vorläufigen Höhepunkt in einer vielgliedrigen Kette, die Elfman in den Olymp der Hollywoodmusiker katapultiert hat. Große Musik im klassischen Sinne (auch filmmusikalischer Art) ist das alles nicht - aber es wohlfeit die Lust am tollen (Orchester-)Treiben, das besser noch wäre, wenn Elfman endgültig auf seine teils unnötigen Percussionsrhythmen verzichten könnte.