Das und ähnliches habe ich mir die ganze Zeit beim Lesen von Lisa J. Smiths "Prinz des Schattenreichs" gedacht. Für mich übrigens schon der dritte Band der Reihe um die Welt von Night World. Eine geheimnisvolle und düstere Welt, in der Vampire, Werwölfe und anderes Fantasygetier leben dürfen, natürlich ohne Wissen der einfachen Leute. Und das oberste Gebot lautet: Niemand verliebt sich in keinen oder so...
Maggie wacht eines Nachts auf und erfährt, dass ihr Bruder bei einer Kletterpartie ausgerutscht, gestürzt und in eine Kletterspalte gefallen ist - demnach also tot sein müsste. All das berichtet Sylvia, die Freundin ihres Bruders der Polizei, doch Maggie glaubt dieser kein Wort und geht ihr nach dem Verhör nach. Dabei gerät sie jedoch in einen Hinterhalt und ehe sie sich versieht, wacht sie in einer ganz anderen, sehr mittelalterlich anmutenden Welt, die nur durch tristes Grau und sonnenlose Landschaften geprägt ist, wieder auf. Eingesperrt, zusammen mit drei anderen Mädchen, wird sie in einer Kutsche ihrem neuen Leben entgegen getragen: der Sklaverei. Zwar gelingt ihr und den anderen die Flucht, aber wie soll es denn nun weitergehen?
Das in dieser Welt augenscheinlich nur Gestaltwandler, Vampire, Hexen und Co. leben und Menschen lediglich als Sklaven behandelt ihr trostloses Dasein fristen, macht die Sache nicht einfacher. Maggie hat zudem eine wirklich lästige Angewohnheit, die es schwierig macht, heil davon zu kommen; nämlich ein ausgeprägtes Helfersyndrom. Das äußert sich in erster Linie bei Cady, eine ihrer Mitgefangenen, die schwerkrank und auch noch blind ist. Die meiste Zeit (völlig im Delirium) ist sie also keine richtige Hilfe und muss von unserer Protagonistin praktisch getragen werden - man beachte, ständig auf der Flucht. Das Weglaufen von ihren Häschern nimmt dabei auch den größten Teil ein und war insoweit nervig, weil unsinnig. Also nur noch mal zum besseren Verständnis: Die beiden Sklavenhändler wollen die Mädels in die Burg schaffen. Die Mädels können aber rechtzeitig entkommen, nur um dann, über Umwege, Hetzjagden und Versteckspiele durch den Hintereingang doch ins Schloss zu schlüpfen, wo sie von den Männern vorher nicht hingebracht werden wollten (s. Überschrift). Na gut, die Intentionen lag wahrscheinlich darin, dass Maggie und Delos schon mal aufeinander treffen sollten, um festzustellen (und jetzt passt auf, Riesenüberraschung), dass sie Seelengefährten sind und sich ganz dolle lieben. Delos ist übrigens der störrische, vampirische Burgherr, mit dem engelhaften Aussehen, der überaus entsetzt darüber ist, wenn seine Männer mit einem Messer Tic Tac Toe auf dem Rücken von jungen Sklavinnen spielen, aber kein Problem hat, wenn dieselben Männer Menschen hobbymäßig durch den Wald jagen und umbringen. Die Prioritäten muss mir mal einer erklären...
Die Charaktere waren unterm Strich alle ganz zuträglich, bis auf Maggie halt, der "Heldin" schon von der ersten Seite auf die Stirn geschrieben stand. Jedoch habe ich diese Art von Personen immer noch viel lieber als solche oberflächlichen, zickigen Highschool-Diven wie sie die Autorin gerne mal entwirft. Überraschende Wendungen gibt es auch hier nicht viele und ehe man sich versieht, hat man die knapp 280 Seiten schon durch. Man freut sich mit den Überlebenden, die Sonne scheint wieder, alles wird gut - und schon in dem Moment vergisst man eigentlich, was man da gerade eben gelesen hat. Eine Ausnahme gibt es natürlich: Nachttopfentleererin! Das hat sich in die Schädeldecke eingebrannt. Zu herrlich aber auch, was die Autorin gelegentlich für putzige Ideen hat.
Ach ja, eine Sache ist mir da noch aufgefallen. Zum ersten Mal habe ich eine gewisse Verbindung zwischen den verschiedenen "Night World"-Teilen entdeckt, die wahrscheinlich (oder hoffentlich) in einem der anderen Bücher noch fortgeführt wird. Mich würde ja interessieren, ob der Verlag es bei den bisherigen Veröffentlichungen der Reihe belässt oder ob gute Verkaufszahlen zu weiteren Übersetzungen/Erscheinungen führen. Zu hoffen wäre es. "Prinz des Schattenreichs" ist zwar für mich das schwächste Buch bisher, aber durchaus kein schlechtes. Deshalb drei Sterne!