Nachdem Vampire mittlerweile schon eine ganze Zeit den Büchermarkt dominieren und "Vampire Diaries" zum richtigen Kassenschlager mutiert ist, hat der cbt-Verlag in diesem Zuge ein paar weitere Werke aus der dunklen Schublade gezogen und die "Night World"-Serie von Lisa J. Smith veröffentlicht. Probeweise wurden Ende 2009 erst einmal wahllos drei Werke der mittlerweile 10-bändigen Reihe in neuer Aufmachung zum Verkauf angeboten, vermutlich die verkaufsträchtigsten, die schließlich dazu führten, dass knapp ein Jahr später drei weitere Bände ihren Weg in die Buchläden fanden. Was ich natürlich wunderbar finde, denn meines Erachtens ist "Night World" im Gegensatz zum großen Bruder "Tagebuch eines Vampirs" die erfolgreichere Serie. Okay, romantisch bis übertrieben kitschig sind beide, aber inhaltlich und schreibtechnisch gebe ich eindeutig der Nachtwelt den Vorzug. Man bekommt einfach mehr Kontinuität (und weniger Wahnsinn) geboten, obwohl ich den Zusammenhang zwischen den einzelnen Teilen bisher vermisst habe. Aber vielleicht gibt ja der erste Band mehr Aufschluss?
Poppy ist sechzehn und das Leben selbst. Zudem haben die Sommerferien gerade begonnen und alles könnte perfekt sein... wenn da nicht der schreckliche Krebs wäre, der plötzlich bei ihr diagnostiziert wird. In der Not offenbart ihr bester Freund James ihr, dass er ein Vampir ist: Im Gegensatz zu den Ärzten will er sie nicht so einfach aufgeben und bietet ihr an, sie zu verwandeln. Poppy willigt bei seinem Plan ein und es stellt sich dabei heraus, dass beide Seelengefährten sind. Aber ihrem Glück stehen so einige im Weg: Poppys Bruder Phil, James Eltern, Ash und eigentlich die ganze Nachtwelt. Denn es ist verboten, Menschen von diesem geheimen Reich zu erzählen. Und noch wichtiger, kein Mensch darf sich je in ein Geschöpf der Dunkelheit verlieben. Haben die beiden überhaupt eine Chance, glücklich zu werden?
Poppy... ja, da fragt man sich manchmal doch wirklich, auf welch lustige Namen Autoren kommen, um ihre Protagonisten einen gewissen exotischen Charme zu verpassen, der sie neben all den heroischen und selbstopferungsvollen Adjektiven noch zusätzlich zu etwas ganz Besonderem machen. Dabei hat Poppy das eigentlich nicht nötig. Sie ist ein hübsches und nettes Mädchen, dass eigentlich schon ihr ganzes Leben lang in ihren besten Freund verliebt ist, sich jedoch geziemt zurückhält, während dieser sich bei anderen Damen die Hörner abstößt. So richtig dramatisch wird es allerdings erst, als Poppy dem Tode geweiht ist, denn nun ist James gefragt. Er ist nämlich ein Vampir von Geburt an und die ganzen Mädelsgeschichten dienen nun dem Zweck, seine Nahrungsaufnahme zu gewährleisten. Wen er wirklich von ganzen Herzen liebt, kann man sich an der Stelle wahrscheinlich denken. Aber zwischen Poppy und James besteht mehr als nur die übliche Liebelei; beide sind nämlich Seelengefährten. Zwei Wesen, die vom Schicksal dazu erkoren sind, ihr Leben gemeinsam zu verbringen. Dass James das nicht so einfach aufgeben möchte, ist wohl durchaus nachvollziehbar.
Ist das nicht herrlich kitschig? Ich liebe es und das ganze Buch hat einfach Spaß gemacht. Man freut sich für das Pärchen, deren Happy End praktisch schon im Klapptext festgeschrieben ist, aber bis es so weit ist, leidet man mit den Protagonisten, freut sich mit ihnen und darf sich wunderbar unterhalten fühlen. Natürlich muss man das Ganze altergemäß betrachten; Night World richtet sich in erster Linie natürlich an jüngere Leser, wahrscheinlich in der Sparte ab 12 Jahren. Jetzt bin ich natürlich fast doppelt so alt und mir hat es dennoch sehr gut gefallen, weil ich einfach die Atmosphäre der Serie liebe. 90er Jahre (auch wenn die Neuauflage vergeblich etwas anderes suggerieren will), amerikanische Kleinstadt, Teenager, erste große Liebe und jede Menge übernatürliche Wesen. Vielleicht erinnert mich das an meine alten Zeiten mit Buffy und Co. und ich werde deswegen ein bisschen sentimental... nichtsdestotrotz kann man bis auf einige Kleinigkeiten nichts Schlechtes über "Retter der Nacht" sagen. Es ist zwar nicht besonders Tiefgründig und baut auch nicht unbedingt auf einer starken oder gar vernünftigen Liebe auf, eher so in die Richtung Arielle, wo man nach dem ersten Treffen schon weiß, dass man für immer und ewig zusammen sein will. Das Ende ist auch nicht sehr originell, fast schon ein wenig überhastet, aber das bin ich mittlerweile schon von der Autorin gewöhnt. Stattdessen kann man sich ein paar Stunden berieseln lassen, ein bisschen mitfiebern und sich am Schluss für das Pärchen freuen.
Jetzt bin ich natürlich noch auf die anderen beiden Teile gespannt und frage mich, ob dieses Jahr noch weitere Bände erscheinen und ich die Serie irgendwann als Ganzes in meinem Bücherregal bewundern kann. Die Hoffnung bleibt ja, irgendwann einen Zusammenhang zu erkennen. Oder wenigstens ein gemeinsames Ziel? Antworten darauf konnte mir "Retter der Nacht" nicht geben; ein super Buch war es trotzdem.