Das Cover verspricht Flashdance, Footloose und 80er Kitsch en masse, und man wird nicht enttäuscht. In die Disconummern haben sich zudem wavige Klänge gemischt, und so klingt das Ganze wie eine wilde Mischung aus Saturday Night Fever, Donna Summer und Visage.
Die Melodien sind diesmal nicht ganz so groß, zudem gibt es wie bisher bei jedem Sisters-Album ein paar überflüssige Füllnummern, dennoch klingt das Album rund und abwechslungsreich und wartet hier und da mit wirklich genialen Soundideen auf.
Meine Bewertung zu den Tracks:
1. Night Work 9/10
Ein Disco-Stampfer. Guter Opener, aber ohne das letzte Quentchen Genialität, dass die Gruppe auf früheren Alben bewiesen hat. Trotzdem geil, daher 9 Punkte.
2. Whole New Way 9/10
Ein cooler, funkiger Song mit einprägsamem Refrain, den ich so nicht von den Scissor Sisters erwartet hätte.
3. Fire with Fire 5/10
Die erste Singleauskopplung erreicht mich irgendwie gar nicht. Zu sehr Pet Shop Boys, sehr kitschige, berechenbare und unoriginelle Melodie, die weh tut. Kann sein, dass das im Radio verlangt wird, aber ich halte Fire with Fire für einen der schlechtesten Sisters-Songs jemals. Würde auch von Modern Talking interpretiert funktionieren, und das sagt alles.
4. Any Which Way 10/10
Der erste richtige Höhepunkt des Albums. Für gewöhnlich hauen mich ein, zwei Songs eines jeden Scissor-Sisters-Albums komplett um. Dies ist der erste auf Night Work.. Any Which Way ist groovy, funky, ironisch. Ein super Dancetrack mit geiler Bassline, sexy Backgroundgesang von Kylie Minogue und einem gesprochenen Monolog von Ana Matronic, der mich laut auflachen ließ. Dieser Song hat Alles und hält, was Fire with Fire verspricht. Hoffentlich demnächst als Single.
5. Harder You Get 9/10
Jake Shears kann offenbar nicht nur wie die Bee Gees klingen, sondern auch wie Marilyn Manson. Die schweinischen Gitarren und der Dibdibdib-Backgroundgesang (ich lach mich tot) setzen dem verhalten groovenden Song zwei extra Sahnehäubchen auf.
6. Running Out 10/10
Irgendwie Dexy Midnight Runners auf Speed. Ein weiteres Highlight - verrückt und verspielt wie kaum ein anderer Song des Albums. Sieht so aus als gewänne Night Work in der Mitte gewaltig an Fahrt!
7. Something like this 10/10
Und es geht super weiter. Sehr technisch und kühl, aber mit einem Ohrwurm-Refrain, der mir seit Tagen nicht aus dem Ohr geht. Pop muss manchmal doof sein, um zu funktionieren, und Something like this is doof im besten Sinne.
8. Skin this Cat 8/10
Ana Matronic macht auf Blondie, und das ziemlich gut. Wie meine Vorgänger fand ich den Song erst doof, seltsam ist er allemal, aber mittlerweile spukt er wie der Vorgängersong in meinem Kopf herum, was kein schlechtes Zeichen ist.
9. Skin Tight 5/10
Neben Fire with Fire der schwächste und berechenbarste Song des Albums. Aber als Prolog für Sex and Violence ist er noch okay. Es muss auch Pausenmusik geben.
10. Sex and Violence 8/10
Erinnert mich positiv an La Rouge und negativ an Madonnas etwas tumbes Confessions-Album (auch von Stuart Price produziert). Auch keine Offenbarung, aber enttäuscht auch nicht.
11. Night Life 7/10
Und noch ein bisschen Roxy Music gefällig? Nervig, abgedreht, strange. Nicht wirklich toll, aber passt an die Stelle des Albums, kurz vor dem Höhepunkt.
12. Invisible Light 12/10
Den absoluten Knaller haben sich die Scissor Sisters bis zum Ende aufgespart. Der Song ist eine epische, mystische und geradezu tranceinduzierende Offenbarung. Dico-Erleuchtung gelungen. Zwölf von zehn möglichen Punkten!
Insgesamt: Solange die Scissor Sisters mit Songs wie Invisible Light, Running Out und Any Which Way anrücken, verzeihe ich ihnen auch die eine oder andere schwache Nummer.