Anna gehört (immernoch) zu den Geheimtipps in Tyskland - warum weiß der Geier. Die Schwedin scheint zwar eine von vielen zu sein, aber nur weil es (für viele) ein gefühltes skandinavisches Überangebot an Singer/Songwriter-Frauen gibt, darf sie keineswegs unter den Tisch fallen.
Mit ihrem Vorgänger-Album >Leaving on a Mayday< (in der Deluxe-Version mit unglaublich sanft und eigen gecoverten Sinatra-Songs) hat sie mich endgültig für sich gewonnen. Die Entwicklung ihres Writings, welches für mich immer runder und auch ganzheitlicher wird, ist offensichtlich und ihre Stimme ist nicht nur zerbrechlich, sondern auch etwas fordernd.
Das neue Album >The night visitor< ist beim ersten Hören vielleicht >nur< gefällig und entwickelt sich dann erst zweifelsohne sehr stimmungsvoll und vielfältiger als erwartet. Man entdeckt zwar mal Ukulelenartiges bei >Come to bed<, aber ansonsten ist die Instrumentierung eher spärlich und auch immer sehr ähnlich, machmal kurz vor der Eintönigkeit. Dieser einheitliche Guss läßt sich aber sehr gut >konsumieren< und genießen, denn die Bilder, die sie malt und die Stimmungen die geschaffen werden, sind fragil, natürlich, leise, liebevoll, dezent und minimiert. Es bleibt viel Raum für eigene Gedanken, für Entspannung, das Nachfühlen und für Träumerei. Diese Art von akkustischer Malerei, die hier nur durch wunderschöne und sanfte Refrains übertroffen wird, ist echt ein Geschenk, für alle, die Ruhe, Besinnung und Entschleunigung zu schätzen wissen. Die Cd wirkt ähnlich, wie ein Kaminfeuer oder eine Lampe mit warmen Licht. Dass dieses Werk in Nashville aufgenommen wurde, hört man heraus - Anna ist auch Country, aber wie bei allem ... nur ein wenig, dezent eben. Vielleicht in allem etwas zu sehr ... diesmal.
Mir gefällt besonders das Duett mit ihrem Produzenten Dave Ferguson >The longer the waiting (the sweeter the kiss)< und >Walking aimlessly<.
(Achtung: In der MP3-Abteilung gibt es derzeit GRATIS den (Bonus?/Promo?)-Titel >Costa Rica< von Anna Ternheim zu ergattern - auch das lohnt sich!)