Nach über 20 Jahren erfährt nun eines der besten Killing Joke Alben seine Wiederveröffentlichung und geht aufgepeppt mit diversen Bonustracks und überarbeitetem Booklet (zusätzliches Artwork und Liner-Notes) an den Start.
Die regulär enthaltenen Lieder dürften unter Fans und 80er Jahre / Wave / Rock Fans natürlich hinreichend bekannt sein, dennoch sollte man einfach erwähnen, dass man es hier mit absolut tollen, eigenständigen, melodischen Stücken zu tun hat, die auch nach mehrmaligem Hören nie langweilig werden und einfach zeitlos sind. Die Hits des Albums wie "Eighties" und vor allem "Love Like Blood" sorgen immer noch für Gänsehaut beim Anhören. Andere Lieder wie "Darkness Before Dawn", "Europe", "Kings And Queens" brauchen sich vor diesen jedoch auf keinen Fall zu verstecken.
Killing Joke haben sich mit "Night Time" erstmals von ihren Post-Punk Wurzeln deutlich wegbewegt, blieben ihrem Stil aber in gewisser Weise treu, da immer noch auf Geordie Walker's einzigartiges weites und atmosphärisches Gitarrenspiel mit den eingängigen und tribal-artigen Drumming von "Big" Paul Ferguson wert gelegt wurde. Der mittlerweile leider verstorbene Paul Raven sorgte auch weiterhin für tolle und abwechslungsreiche Bassfundamente und komplettierte damit die Rhytmussektion. Ein weitere Unterschied zu den Vorganängeralben ist, dass Mastermind Jaz Coleman erstmals (fast) ausschließlich auf cleanen, melodiöseren Gesang setzte und die von ihm bedienten Synthies und Keyboards bei manchen Liedern deutlicher im Vordergrund stehen, was dem Album aber nur zuträglich ist.
Nun zu den Bonustracks:
Enthalten sind aus den sogenannten Kid Jensen Sessions auf BBC Radio 1 von 1984 eine im Studio eingespielte Version von "Eighties" und noch drei bisher offiziell unveröffentlichte Stücke. "New Culture" und "All Play Rebel" klingen noch etwas nach dem Vorgängeralbum "Fire Dances", wobei vor allem letzterer an dessen Titel-Track "Let's All Go (To The Fire Dances)" erinnert. Insgesamt machen die Lieder richtig Spaß und sind definitiv mehr als nur Ausschußware. Die Klanqualität der Aufnahmen ist ebenfalls sehr gut. Das Stück "Blue Feather", welches nur als abgewandeltes Instrumental als B-Seite auf diversen Maxis und Singles erhältlich war, ist gleich zweimal enthalten. Einmal aus der Jensen Session in einer etwas rohen Version und als "Joke Mix" mit alternativen Lyrics und überarbeitetem Sound. Gerade bei diesem Stück ist es verwunderlich, dass es solange unveröffentlicht blieb, da es sich hierbei um ein tolles Lied mit melancholischem Touch (ähnlich "Love Like Blood") handelt, das man sich immer wieder anhören kann. Weiterhin enthalten sind "A New Day", "The Madding Crowd" (Alternativversion von "Multitudes") und der "Gestalt Mix" von "Love Like Blood", die bereits auf der Raritäten Sammlung "Wilful Days" zu finden sind. Abschließend gibt es noch einen Dub Mix von Geordie Walker zu "Kings And Queens", der ganz nett ist, aber nichts essentielles darstellt.
Fazit:
Interessenten, die das Album noch nicht besitzen können hier für diesen Preis bedenkenlos zuschlagen. 17 Tracks in durchgehend guter Qualität für 10 Euro ist mehr als fair. Auch für Leute, die das originale Album bereits besitzen (wie es bei mir ist) lohnt sich meines Erachtens die Anschaffung alleine aufgrund des tollen Bonus Materials und des wirklich guten Remasterings der regulären Stücke. Für Leute, die allgemein einen eigenständigen Sound mögen und einem Querschnitt aus Rock, Wave und 80er Jahre Vibe gegenüber nicht abgeneigt sind, kann ich auch nur eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.
Übrigens:
Das Album wurde, wie die anderen Remaster, dem, im letzten Jahr viel zu früh verstorbenen Paul Raven, gewidmet, was ich für eine tolle Geste seitens der Band halte.