Zwischen der Masse an CDs, die vor allem dem Zweck dienen, wenig zu stören, während sie im Hintergrund nebenher laufen, wirkt Joe Jacksons „Night Music" wie ein Wesen von einem fremden Stern. Diese Stücke wollen bewußt gehört werden. Und dabei sind sie fast ausnahmslos entspannt und ruhig. Ich bin auf Joe Jackson gestoßen, als mir immer wieder Leute nach meinen eigenen Konzerten sagten, meine Songs erinnerten sie an ihn. Als ich mich mit diesem kreativen Engländer näher befaßte, gefiel mir einiges von dem, was ich da hörte. „Night Music" ist ein Spätwerk des ausgebildeten Komponisten und liebäugelt heftig auch mit klassischen Elementen. So mischen sich Elemente des Popsongs mit solistisch eingesetzten Instrumenten aus der Welt der „ernsten" Musik wie z.B. Trompete oder Harfe. Dabei schafft es Jackson für meinen Geschmack, immer kurz vor dem Erreichen des Kitsches abzubremsen und die Kurve zu kriegen. Diese Scheibe läßt sich wunderbar hören, wenn es tatsächlich Abend geworden ist und man das Kerzenlicht als einzigen sonstigen Sinnesreiz im Raume zuläßt. Dann kann diese Musik für Menschen, die mit Kopf und Bauch zuhören können, ein ganz besonders kostbarer Schatz sein. Mich holt Joe Jackson mit seiner „Night Music" jederzeit heraus aus dem Zeitgeiststrudel, um mich mit seinem augenzwinkernd-distanzierten Blick auf die größeren und kleineren Zusammenhänge zu umspülen.