Der kranke Wirrkopf Ol' Dirty Bastard (ODB) des Wu-Tang Clan erregte in den letzten Jahren durch seine zahlreichen Gerichtstermine und Delikte das Aufsehen der Öffentlichkeit. Die musikalischen Sahneauftritte hielten sich in Grenzen: Die exquisiten Singles "Ghetto Supastar" (mit Pras) oder "Shining Star" (mit Sunz Of Man) sowie seine Guest-Vocals auf den Alben einiger HipHop-Kollegen kennt trotzdem jeder Rap-Fan. Russel Jones hat es nun also doch nach fünfjähriger Solo-Album-Abstinenz geschafft, seinen zweiten Longplayer nach dem durchgeknallten Debüt "Return To The 36 Chambers: The Dirty Version" vorzulegen. Der Nachfolger trägt den fordernden und expliziten Titel "Nigga Please". ODB verzichtet nahezu völlig auf die Unterstützung des Wu-Tang Clans. Ausnahmen bilden nur die von RZA, True Master und Buddah Monk produzierten Stücke. Als Feature-Artists finden sich Kelis, Lil' Mo, US-Starkomiker Chris Rock und die mit dem Wu-Tang Clan befreundeten LA The Darkman, 12 O'Clock und Shorty Shit Stain auf der Scheibe wieder. Was erwartet den Hörer vom Bastard? Titel wie "I Want Pussy", "Gettin' High" oder "Got Your Money" lassen grob erahnen um was es geht. Brabbelnd, stotternd und sabbernd erreichen uns seine Texte. Abwechselnd rappt, singt - naja, richtiges "singen" hört sich wohl anders an - und kreischt der verrückte Big Baby Jesus und gibt uns einen Einblick in seine abgedrehte Welt. Auf 13 Tracks und über knapp 48 Minuten Spielzeit unterhält der Publikumssüchtige, dem die "15 minutes of fame" bei weitem nicht genügen, seine Fans. Nach einigen eher funkigen Stücken, unter anderem verziert mit einem Rick James-Cover und dem TJ Hooker-Thema, kehrt ODB den von Paranoia und Größenwahn geplagten Bastard der ersten Wu-Tage durch. Im Vergleich zum ersten Album überzeugt "Nigga Please" trotz kleiner Highlights nicht auf der ganzen Linie, aber der eigenwillige Stil von ODB mitsamt seiner einzigartigen Stimme dürfte sowieso nicht jeden Geschmack treffen. Der Unterhaltungs-Realness-Energie-Quotient stimmt trotzdem. Empfehlung: Vorsichtig die Kopfhörer benutzen, reinhören und dann entscheiden. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)