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Nietzsche: Biographie seines Denkens
 
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Nietzsche: Biographie seines Denkens [Taschenbuch]

Rüdiger Safranski
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 4., Aufl. (17. Oktober 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596151813
  • ISBN-13: 978-3596151813
  • Größe und/oder Gewicht: 19,3 x 12,6 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 140.299 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Rüdiger Safranski
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Am Anfang der Biografie Friedrich Nietzsches steht der Versuch, dem eigenen Leben auf die Schliche zu kommen. Zwischen 1858 und 1868 entstanden neun autobiografische Skizzen, mit denen der "Abenteurer und Weltumsegler der inneren Welt" die eigene Existenz ergründen wollte. Ein unglückliches Unterfangen, schreibt Rüdiger Safranski in seinem neuen Buch, da "er sich dennoch ein Geheimnis" und terra incognita geblieben sei.

In Nietzsche. Biographie seines Denkens nun hat der 55-jährige Essayist, der bereits durch Bücher zu E. T. A. Hoffmann (1984), Schopenhauer (1987) und Heidegger (1994) glänzte, das sprachliche Abenteuer gewagt, dem Lebensweg von Nietzsches Philosophie nachzuspüren. Mit Exkursen etwa auf Wagner, Hegel, Stirner oder Eduard von Hartmann entdeckt er den denkerischen Entwicklungsgang des "Luft-Schifffahrer des Geistes" und erschließt dem Leser so einen Panoramablick auf Nietzsches philosophische Welt. Abgerundet wird die gut lesbare Einführung durch ein Kapitel zur Rezeption des Philosophen, die rechtzeitig zum Nietzsche-Jahr mit Büchern wie Nietzsche und der Faschismus von Bernhard Taureck, Nietzsche in Weimar von Manfred Riedel oder Nietzsche und die Deutschen von Steven E. Aschheim bereits recht unterschiedlich -- und zumeist weniger differenziert -- aufbereitet wurde.

"Das ganze Leben wäre möglich, ohne dass es sich gleichsam im Spiegel sähe", heisst es einmal bei Nietzsche, "wie ja thatsächlich auch jetzt noch bei uns der bei weitem überwiegende Theil dieses Lebens sich ohne diese Spiegelung abspielt." Safranski ist es geglückt, der inneren Welt des Philosophen reflektierend den Spiegel vorzuhalten. Seinem Leser jedenfalls hat er das Gefühl geschenkt, mit dem rätselhaften Philosophen etwas vertrauter geworden zu sein.--Thomas Köster -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Neue Zürcher Zeitung

Dichter des eigenen Lebens

Rüdiger Safranski hat ein Buch über Nietzsche geschrieben

Ihm graue «vor jedem dieser langen Kunst-Abende», schreibt Friedrich Nietzsche seiner Schwester am 1. August 1876 – aus Bayreuth; und am 6. August, in einem anderen Brief an Elisabeth, den er in einem böhmischen Refugium zu Papier bringt, spricht er von der «grenzenlosen Enttäuschung dieses Sommers». Gut ein Jahr später mischt sich in die Enttäuschung über die ersten Bayreuther Festspiele Sarkasmus: «Man hatte das ganze müssiggängerische Gesindel Europas beieinander, und jeder beliebige Fürst gieng in Wagner's Haus aus und ein, wie als ob es sich um einen Sport mehr handelte. Und im Grunde war es auch nicht mehr. Man hatte einen Kunst-Vorwand mehr zu den alten Vorwänden hinzuentdeckt, eine grosse Oper mit Hindernissen; man fand in der durch ihre geheime Sexualität überredenden Musik Wagners ein Bindemittel für eine Gesellschaft, in der Jedermann seinen plaisirs nachgieng.»

Illusionen

Versprochen hatte sich Nietzsche von Richard Wagners Gesamtkunstwerk nicht weniger als das gerade Gegenteil einer «erbarmungswürdigen Gesellschaft von Patronatsherrn und Patronatsweiblein». In der vierten seiner «Unzeitgemässen Betrachtungen» – «Richard Wagner in Bayreuth» war erst wenige Tage vor den Festspielen erschienen – hiess es noch, Bayreuth bedeute so viel wie «die Morgen-Weihe am Tage des Kampfes»; des Kampfes gegen die in Gänsefüsschen vorgeführten «Gebildeten». Die «dumpfe und verderbliche Luft unserer heutigen Kunstzustände» sollte auf dem Grünen Hügel gereinigt, der «Sucht nach Ergötzlichkeit, nach Unterhaltung um jeden Preis» sollte Einhalt geboten, der Menschheit und dem «Menschlichen» durch die theatralische Pflege einer «tragischen Gesinnung» die Zukunft zurückgewonnen werden. Und nun das.

Die Bayreuther Episode ist mehr als eine Episode. Sie beschreibt eine markante Wendung in Nietzsches Denken – einem Denken, das seine erste sichtbare Gestalt nicht unwesentlich der Begegnung mit Wagners revolutionärem Temperament und seinen kunstreligiösen Ideen verdankt. Diesem Umstand misst Rüdiger Safranski in einer eben erschienenen Darstellung der intellektuellen Lebenskurve Nietzsches das Gewicht bei, das er besitzt. Der Meister beinahe aller Künste hatte den jungen Altphilologen zur gemeinsamen Arbeit am Mythos bewogen; er hatte ihn beflügelt, die Tragödie aus dem Geiste der Musik entspringen zu lassen – und darin die Erlösung vom Leiden am Unbehagen in der Kultur vorgezeichnet zu sehen. In Nietzsches Tragödienschrift von 1872 heisst es, das ungeheure historische Bedürfnis der «unbefriedigten» modernen Kultur weise «auf den Verlust des Mythus, auf den Verlust der mythischen Heimat, des mythischen Mutterschoosses». Es galt, schreibt Safranski, dem Leben Platz zu schaffen für eine «zweite Unmittelbarkeit». Wissen und Erkennen sollten entmachtet, der «dionysische» Untergrund der Existenz sollte in sein Recht gesetzt werden.

Verwandlungen

In der Mitte der siebziger Jahre aber beginnt Nietzsche, sich von dem «Programm» einer Renaissance des Mythos abzuwenden; der Sommer 1876 bringt die Peripetie. Zwei Jahre danach, in einem Brief an eine Verehrerin aus dem Wagner-Kreis, pointiert er: Jene «metaphysische Vernebelung alles Wahren und Einfachen, der Kampf mit der Vernunft gegen die Vernunft, welcher in Allem und Jedem ein Wunder und Unding sehen will», habe ihn krank gemacht. Ihm ist aufgegangen, dass in der absichtsvollen mythischen Wiederverzauberung der Welt kein Heil zu finden sei; dass, mehr noch, in keiner Heilssuche ein Heil liege. Von der Wagner'schen Kunstreligion bleibt ihm eine Kunst übrig, die sich die Erlösungshoffnung (vorerst) abgeschminkt hat: eine Lebenskunst, die freilich ihre Untiefen hat.

Safranski deutet den Umschwung als Ernüchterung, als Besinnung auf die intellektuelle Redlichkeit auch. Und er kann sich dabei, neben manchem anderen, auf einen rückschauenden Notizbuch-Eintrag Nietzsches berufen: «Hinter meiner ersten Periode grinst das Gesicht des Jesuitismus: ich meine: das bewusste Festhalten an der Illusion und zwangsweise Einverleibung derselben als Basis der Kultur.»

Nietzsche will sich desillusionieren und wenn nicht zur reinen Vernunft, so doch zur Klarheit kommen. Dafür taugt die Methode der «Vereisung», wie er sie in «Menschliches, Allzumenschliches» (1878) nennt. Sie lässt die ungeheure Unterwelt des Dionysischen, an der selbst die Halsstarrigen im «Musikorgiasmus» teilhaben können, nicht mehr als die eigentliche, die absolute Wirklichkeit gelten. Keine Wirklichkeit ist Nietzsche mehr die wirkliche; eine jede sei einem «perspektivischen» Zugang zur Welt geschuldet – zu einer Welt, deren «Wesen» sich im Unbestimmten verliert und die eben darum stets von neuem und von individuell wechselnder Warte aus der Bestimmung bedarf. In dieser Phase eines «gelassenen, fast heiteren Naturalismus» (wie Safranski sie apostrophiert) präsentiert Nietzsche sich als ein existenzialisierter Kant, dem das eigene Dasein zum unerkennbaren «Ding an sich» wird.

Die Verwandlung, die da auf offener Drehbühne stattfindet, verändert die Kulisse beträchtlich. Das Stück jedoch, das noch manchen – und manch bizarren – Szenenwechsel kennt, bleibt das nämliche. Es trägt den Titel: «Wir aber wollen die Dichter unseres Lebens sein». Auf dieses Zitat aus der «Fröhlichen Wissenschaft» kommt Safranski in seinen bemerkenswert facettenreichen, dabei überaus lesbaren Interpretationen des öfteren zurück. Nietzsche, so deren leitende These, denkt nicht nur, wie ein jeder, über sein Leben nach. Er will es darüber hinaus so führen, dass er etwas zu denken bekommt: «Das Leben als Experimentieranordnung für das Denken, Essayismus als Lebensform.»

Zweikammersystem

Und diese Lebensform kommt dem Essayisten Safranski, den nicht nur mit Blick auf Nietzsche das Verhältnis von Denkbarem und Lebbarem interessiert, sehr entgegen. Martin Heidegger war kein solch extremistisch veranlagter Selbstsucher und Selbstversucher wie Nietzsche; wohl darum überzeugt das Buch, das Safranski vor einigen Jahren über den Schwarzwälder Eigenbrötler geschrieben hat, nicht im selben Masse wie dieses über Nietzsche. Wer Nietzsches Schriften unter dem Aspekt ihres Von-Nietzsche-geschrieben-worden-Seins liest, hat für solche Lektüre das Plazet ihres Autors.

Gewiss: Nicht jede Engführung von Leben und Denken ist in der «Biographie seines [nämlich Nietzsches] Denkens» über allen Zweifel erhaben. So gerät Safranski hier und da ein wenig ins Psychologisieren («Diese Demutsstarre steckt Nietzsche noch in den Knochen, und deshalb muss er sich zur Lebensbejahung selbst überreden, bisweilen mit hysterischer Entschlossenheit»); und dies, obgleich er sich an anderer Stelle dagegen verwahrt, das «Ungeheure» des Lebens, das Nietzsches Denken herausgefordert habe, auf die Geheimgeschichte seiner Sexualität zu reduzieren. Insgesamt allerdings vermeidet die – sensible – Dramaturgie solche Verkürzungen.

Eine interpretatorische Zuspitzung anderen Schlags wagt Safranski. Sie hat nicht allein Nietzsches Diktum, ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum, auf ihrer Seite – und ist doch eine Zuspitzung. Den Leser empfängt sie sogleich auf der ersten Seite: Nietzsches «ganze» Philosophie sei der Versuch, sich am Leben zu halten, auch wenn die Musik vorbei ist. Eine beherzte «Durchführung» des mit Aplomb angeschlagenen Themas fehlt, leider. Sie hätte indes, andererseits, womöglich suggeriert, es gebe den Nietzsche aus einem Guss – den es nicht gibt. Rüdiger Safranski zeigt den Verwandlungskünstler, der sich immer neue Formen anmisst, Masken schafft und wieder zerbricht – bis er selbst bricht.

Nicht der eigentliche, aber Safranskis sozusagen höchstpersönlicher Nietzsche: Das wäre der gewesen, der die eher beiläufig skizzierte Idee eines «Zweikammersystems der Kultur» zu einem tragenden philosophischen Kompromissmodell ausgearbeitet hätte. In «Menschliches, Allzumenschliches» heisst es, eine höhere Kultur müsse dem Menschen «gleichsam zwei Hirnkammern geben», eine, um «Nicht-Wissenschaft», eine andere, um Wissenschaft zu empfinden. Jene, die Kraftquelle, heize «mit Illusionen, Einseitigkeiten, Leidenschaften», diese, die regulierende, beuge «den bösartigen und gefährlichen Folgen einer Überheizung» vor. Safranski gibt zu verstehen: Hätte Nietzsche sich diese Erwägung wirklich zu eigen gemacht, so hätte er – beispielsweise – die «lebenskünstlerische» Selbststeigerung nicht gegen die Solidarität, den «Übermenschen» nicht gegen die «Herdentiere» ausspielen müssen. Er hätte sich auch seine gattungspolitischen Exaltationen verboten. – Gewiss. Aber er wäre dann auch nicht mehr Nietzsche gewesen, nicht mehr der Nietzsche, den man liest, um der einen Hirnkammer einzuheizen.

Uwe Justus Wenzel -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
36 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ich
Format:Gebundene Ausgabe
Die anderen Rezensenten haben es schon angedeutet, aber man sollte es betonen: es handelt sich hierbei nur um eine Biographie von Nietzsches Denken und nicht von seinem Leben!
Dies ist die Stärke, aber auch die Schwäche von Safranskis Nietzsche-Buch. Die Chronologie von Nietzsches Gedankenwelt wird tatsächlich überaus spannend nacherzählt und der Leser auf verständliche Weise in das Werk Nietzsches eingeführt. Gerade bei diesem Philosophen erweist sich eine solche Vorgehensweise als besonders fruchtbar, da man so die Widersprüche im Werk besser zu deuten versteht.
Leider geben die biographischen Informationen, die nur gelegentlich eingeschoben werden, ein unvollständiges Bild ab und lassen einige Fragen offen. Beispielsweise wird die problematische Beziehung zur Mutter und zur Schwester nur ansatzweise besprochen, so dass man keinen richtigen Überblick erhält und sich fragt, wieso das Thema überhaupt angerissen wurde. Wer die anderen Biographien Safranskis (Schiller, Schopenhauer, Heidegger) kennt, wird darüber enttäuscht sein, dass es ihm diesmal nicht gelungen ist, ein "ganzheitliches" Bild von der Person, ihrem Leben, dem Werk und der Zeit, in der sie lebte, abzugeben. Im Gegensatz zu seinen anderen Büchern scheint Safranski sich hier stärker auf das Vorwissen seiner Leser verlassen. Außerdem hat er einige Textpassagen aus der Schopenhauer- und der Heidegger-Biographie (z.B. über den Materialismus oder die Lebenphilosophie um 1900) wortwörtlich übernommen.
Nichtsdestotrotz ist das Buch absolut empfehlenswert! Auch wenn es nicht Safranskis beste "Biographie" ist, so ist sie dennoch eine perfekte Einführung in Nietzsches Philosophie. Wer nach einer fundierten Darstellung von Nietzsches Leben sucht, sollte jedoch die Biographie von Werner Ross lesen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
28 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
ISBN 3446199381

Dieses Buch ist nicht nur eines der besten Bücher von Safranski,nein es ist auch eines der Besten zum Thema Nietzsche.Nietzsches Leben,seine Auffassungen zu den Gedanken seiner Zeit,aber auch seine Beziehungen finden genügend Platz in diesem Buch.All die grossen Fragen,die Nietzsche sich im Laufe seines Lebens gestellt hat,und auch seine Antworten werden hier genaustens aufgelistet.Aber dieses Buch enthält noch viel mehr.Dem Leser wird die Geburtsstunde einer neuen Zeit und eines neuen Denkens vor Augen geführt.Es war die Geburtsstunde der Industrie und des Kommunismus,um nur zwei zu nennen.Nietzsches Gedanken zu diesen und vielen weiteren Themen werden in diesem Meisterwerk für jeden verständlich erläutert und auch seine Beziehung zu Wagner hat berechtigterweise hier einen Platz gefunden.Warum Nietzsche Wagner zunächst vergötterte und sich dann doch von ihm abwand.Die Antwort liefert ebenfalls dieses Buch.Jeder Anhänger Nietzsches sollte dieses Buch besitzen,aber auch für jeden anderen ist dieses Buch eine lohnende Investition,weil es einfach brilliant und spannend geschrieben ist.

War diese Rezension für Sie hilfreich?
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Safranski schafft es tatsächlich, das komplexe Gedankenbild Nietzsches transparent abzubilden. Nietzsches System ist nicht in sich geschlossen. Nietzsche war sich nie zu fein, Gedankengänge zu revidieren oder gar als "falsch" zu verwerfen. Dieser Prozess, der sich in übersichtliche Kapitel unterteilt, wird facettenreich und tiefsinnig begleitet. Safranski gelingt es ebenso den inneren Widerspruch Nietzsches zwischen Ist und Soll, zwischen Empire und Gedankenwelt darzustellen.

Negativ fällt ins Gewicht, dass die Zitierungen seiner wichtigsten Werke ein relativ knapper Raum eingeräumt wird. Es macht also kaum Sinn diese Biographie zu lesen - ohne nicht zuvor seine Werke wie "Also sprach Zarathustra", "Jenseits von Gut und Böse", "Der Antichrist", "Der Fall Wagner" usw. gelesen zu haben. Dieses Wissen wird durchgehend vorausgesetzt. Auch fällt auf, dass Safranski bei Punkten wie dem Versuch der Instrumentalisierung Nietzsches durch die nationalsozialistische Ideologie sehr objektiv und "auskunftsfreudig" zu Werke geht - die Grundsatzkritik Nietzsches an der "Sklavenmoral" des Christentums jedoch nur marginal und oberflächlich dargestellt wird. Man erhält so den Eindruck, dass Safranski das Christentum "etwas besser wegkommen lassen möchte" - als in Nietzsches Fundamentalkritik ursprünglich beabsichtigt.

Das Schreibniveau ist hoch - jedoch nicht künstlich verklausuliert - sprich: Wer die Philosophie Nietzsches in den Grundzügen verstanden hat - sollte mit dieser Schrift keinerlei Verständnisprobleme haben.

Wunderbar praktisch und informativ sind die Anhänge gestaffelt: Sauber getrennt in Primär- und Sekundärquellen sowie einer aufschlussreichen chronologischen Kurzbiographie seiner einzelnen Lebensstationen.

Was meiner Meinung jedoch fehlt - wenngleich nicht direkter Gegenstand der Biographie seines Denkens - ist das gute Jahrzehnt zwischen seinem psychischen Zusammenbrauch und seinem Tode. Wenigstens ein paar Seiten hätte man diesen letzen Lebensjahren widmen können...

Fazit: Um Nietzsches geistigen Werdegang zu verstehen - gibt es meiner Meinung nach derzeit keine bessere Schrift auf dem Markt. Nicht was die Plastizität betrifft - nicht was die Straffheit betrifft - nicht was den Objektivitätsgrad betrifft.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Die neuesten Kundenrezensionen
Meisterhaft gelungen!
Wieder ein gelungenes Buch von Safranski. Unbedingt empfehlenswert.
Der Titel lässt auf den Inhalt schließen: es handelt sich um keine (trockene) Biografie im... Lesen Sie weiter...
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Safranski behauptet eine Biographie von Nietzsches Denken zu erstellen, erschöpft sich aber in den üblichen persönlichen Anekdoten über Nietzsche. Lesen Sie weiter...
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Keine Biographie der Person ...
Wer eine Biographie zu Friedrich Nietzsche erwartet wird evtl. enttäuscht. Wer sich jedoch mit der Gedankenwelt Nietzsches auseinandersetzen möchte, hat hier ein sehr... Lesen Sie weiter...
Vor 19 Monaten von Hupfer veröffentlicht
Nietzsche für anspruchsvolle Einssteiger
Der Stil des Buches macht den Eindruck einer Vorlesungsreihe - vielleicht einer essayistischen Serie in einem der Kulturradioprogramme. Lesen Sie weiter...
Vor 22 Monaten von Solzimer veröffentlicht
anspruchsvoll
Wenn man glaubt, Safranskis Buch könne helfen, die komplexe Gedankenwelt von Nietzsche zu verstehen, dann wird man leider enttäuscht. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 16. April 2010 von Martino
Sehr gute Einführung in Nietzsches Denken
Sehr empfehlenswert. Durch dieses Buch erschliesst sich dem Leser Nietzsches Denken auf eine leicht verdauliche, biographische Weise. Lesen Sie weiter...
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Kenntnisreich und spannend nicht nur für Nietzsche-Fans
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Das Buch von Safranski gehört sicher nicht zu den Besten, die über Nietzsche geschrieben wurden. Viel besser ist:

Nietzsche. Lesen Sie weiter...
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Biographie seines Denkens
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Veröffentlicht am 4. Oktober 2006 von Dichtung&Kritik
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