Entschuldigung, aber ich verstehe die positiven Rezensionen überhaupt nicht. Meine Kritik richtet sich nicht gegen die 80Grad-Methode als solche. Ich praktiziere sie bereits seit Jahren mit Erfolg und ohne Kochbuch.
Aber dieses Kochbuch taugt nicht viel. Erstens ist unverständlich, warum das Buch ein Dogma aus den 80 Grad macht (ich gare manchmal bei 60 Grad und manchmal bei 90 Grad, abhängig vom Stück, der Dicke und der Zeit, die ich zur Verfügung habe). Möglicherweise, um ein Backofenthermometer zu verkaufen?
Zweitens fehlen ausgerechnet die Informationen, die ich wirklich brauche. Wie lange muss ich einen Schweinerücken (Lummer) anbraten, wie lange bei 80 Grad garen? Fehlanzeige. Wie lange muss ich Hähnchenkeulen garen? Fehlanzeige. Um ein Rezept für Tomatensauce zu lesen, brauche ich kein 80Grad-Kochbuch, wohl aber für dringend benötigte Garzeiten.
Regelrecht ärgerlich ist, dass das Buch überhaupt keine Hilfestellung gibt, wie man das Fleisch blutig, medium oder rosé bekommt. Das Kochbuch nennt einfach die Zeit, wann ein bestimmtes Stück von einer bestimmten Größe (z.B. "Kalbsbraten 1,2kg" - was mache ich mit einem Kalbsbraten on 0,8kg oder 2,0kg?) optimal ist - nach dem Geschmack der Autorin, aber nicht nach dem Geschmack meiner Gäste.
Das Rezept für Lammkeule oriental verlangt eine Lammkeule von 1,5kg mit ausgelöstem Knochen. Bei meinem Biobauern bekomme ich die Lammkeule nur mit Knochen, und manchmal ist sie leider 2,5kg schwer - was für das 80Grad-Garen einen großen Unterschied macht. Das Ergebnis: Da mir bei dieser Frage das Buch nicht hilft, traue ich mich nicht heran, eine Lammkeule nach dieser Methode zuzubereiten.
Überhaupt Lamm: "Lammgerichte haben speziell in der orientalischen und in der Mittelmeerküche ihren großen Auftritt" schreibt die Autorin. Ich glaube, das beste Lamm der Welt weidet auf den Salzwiesen unserer Nordseedeiche (okay, die Salzwiesenlämmer vom Mont St. Michel lasse ich auch noch gelten). Weil das Mittelmeer keine Gezeiten hat und es dort keine Salzwiesen gibt, sind die dortigen Lämmer viel geschmackloser und benötigen deshalb Knoblauch und Rosmarin. Der Kommentar der Verfasserin zeigt, dass sie einen eindeutigen Mittelmeerfaible hat. Ist ja auch modisch. Mag ich auch, aber reicht mir nicht für ein Kochbuch, auch wenn es nur ein dünnes ist.
Fazit: Statt Rezepten für Safranreis und Minzsauce, die nun wirlich nichts mit 80Grad-Garen zu tun haben, hätte ich mir eine ordentliche Tabelle gewünscht, die alle gängigen Fleischarten und unterschiedliche Gewichte auflistet. So aber ist dieses Büchlein weitgehend unbrauchbar.