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Niederungen
 
 
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Niederungen [Taschenbuch]

Herta Müller
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 140 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Tb. (Dezember 1993)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499133601
  • ISBN-13: 978-3499133602
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 11,4 x 1,3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 101.246 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Herta Müller
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Als Herta Müllers Prosasammlung Niederungen 1982 zum ersten Mal in zensierter Form in Bukarest erschien, waren die Streichungen der rumänischen Securitae nicht beruhigend genug. Der Geheimdienst beobachtete und verfolgte die Autorin, und selbst nach ihrer Übersiedlung nach Westberlin erhielt sie anonyme Drohanrufe. Ob hinter den Nachstellungen immer die Securitate steckte, oder im ein oder anderen Fall vielleicht auch Vertreter der Banatschwaben im Ausland standen, war dabei unklar. Denn auch diese deutschsprachige Gruppe im kommunistischen Rumänien hatte sich Müller mit Niederungen nicht gerade zum Freund gemacht.

Autobiografisch angehaucht, erzählt Niederungen vom harten Dorfleben der Banatschwaben, von der intellektuellen Beschränktheit und menschlichen Grausamkeit des Alltagslebens aus der Sicht eines Kindes. Dieses wird von der Großmutter ebenso wie von der Mutter geschlagen, die bis zuletzt nicht weiß, warum sie ihren Mann überhaupt geheiratet hat („Ich will nicht heiraten, aber ich sah das geschlachtete Rind, und Großvater hätte mich umgebracht“). Lesenden Menschen begegnet die Dorfgemeinschaft mit Misstrauen, und doch wird die Sprache für die Erzählerin zur Rettung und zum Zufluchtsort: In Niederungen ist der ganze Schrecken des Alltags in poetischen Bildern und Worten verpackt, die es vom Leser weiterzuspinnen gilt.

Stolz verkündet der Klappentext, mit der aktuellen Ausgabe von Niederungen werde das Buch “in seiner definitiven Gestalt vorgelegt”. Tatsächlich hat Müller die gestrichenen und gekürzten Passagen früherer Ausgaben wieder eingefügt und den gesamten Text „noch einmal durchgesehen und korrigiert“. Das klingt nicht so, als wäre der raue Charme des Originals wiederhergestellt worden, sondern so, als hätte die Autorin aus der historischen Distanz ihrer Biografie einen neuen oder doch zumindest differenzierten Text geschrieben.

Aber eigentlich ist das ja auch egal. Denn Niederungen ist ein poetisches, verstörendes, ergreifendes Stück Literatur, dass die Reife der späteren Atemschaukel (2009) schon erahnen lässt.-- Isa Gerck -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Kurzbeschreibung

Herta Müller erzählt vom Leben im "schwäbischen" Banat, von einer freudlosen Kindheit in einem Dorf voller Schrecknisse. Und doch ist diese Zertrümmerung des ländlichen Familienidylls nicht selten auch hächst komisch. Das Grauenhafte und das Groteske liegen in diesen Erzählungen stets dicht beieinander.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
47 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Niederungen 14. September 2006
Von RockBrasiliano TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Niederungen ist das erste Buch von Herta Müller, das ich gelesen habe und sicherlich nicht das letzte. Die zumeist kürzeren Geschichten handeln in erster Linie von seelischen Grausamkeiten, die im Rahmen einer dörflichen Muffigkeit die Leute, vor allem in den Familien, aneinander verüben. Das ganze spielt bei der deutschen Minderheit im rumänischen Banat, die Zeit wirkt eher unbestimmt, so als könnte es auch vor hundert Jahren gewesen sein. Der Hauptteil der Geschichten in Niederungen ist aus der Sicht eines kleinen Mädchens geschildert, das in diesem Buch ziemlich unter den Grausamkeiten der Erwachsenen zu leiden hat. Es wird genau beschrieben, wie sich das Kind anhand von Beobachtungen in seiner Umgebung in Phantasiewelten zurückziehen will, die aber doch nur wieder die Umwelt widerspiegeln und tiefe innere Zerissenheit hinterlasssen. -Tierfreunde werden an diesem Buch auch nicht viel Freude haben, es wird viel geschlachtet, ein Kalb bekommt mit dem Axtstiel das Bein zertrümmert um es schlachten zu dürfen, ein Vogelnest samt Küken wird aus der Dachrinne direkt der Katze zum Fraß vorgeworfen, -ich vermute diese Motive spiegeln das eigene Erleben der kindlichen Erzählerin. Der Tod spielt ebenso eine besondere Rolle, in diesem Zusammenhang wird auch stark auf das Brauchtum Bezug genommen  Ein Phänomen das man oft auch bei österreichischen Schriftstellern, wie z.B. Josef Winkler, findet.

Enthalten sind die Geschichten:

Die Grabrede,

Das Schwäbische Bad,

Meine Familie,

Niederungen,

Faule Birnen,

Drückender Tango,

Das Fenster,

Der Mann mit der Zündholzschachtel,

Dorfchronik,

Der deutsche Scheitel und der deutsche Schnurrbart,

Der Überlandbus,

Mutter, Vater und der Kleine,

Der Straßenkehrer,

Schwarzer Park,

Arbeitstag.

Fazit: Diese Lektüre ist natürlich nicht zur Aufheiterung oder Ablenkung gedacht, wer die Bereitschaft mitbringt, sich auf Abgründe menschlichen Seelenlebens einzulassen, sollte es mit diesem Buch einmal probieren.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Niederungen ist das Erstlingswerk von Herta Müller, die vielfach ausgezeichnet wurde und - laut Wikipedia - im Jahr 2009 "den Nobelpreis für Literatur für ihr sprachgewaltiges Gesamtwerk über die rumänische Diktatur" erhielt. Das Manuskript zu dem Buch schlummerte zunächst über vier Jahre in den Schubladen des Verlages und erschien erstmalig 1982 in einer zensierten Fassung in Rumänien. Was veranlasste aber die Securitate-Schergen, dieses Buch zu unterdrücken? Die ungeschönte Schilderung der archaischen Sitten und Gebräuche der Banater Schwaben in ihren Dörfern in Rumänien kann es kaum gewesen sein; dafür wurde Herta Müller ja bereits zur Genüge von ihren "Landsleuten" als Nestbeschmutzerin beschimpft. Im Vergleich zu einem beliebigen deutschen Dorf, zum Beispiel in Bayern, macht es auch keinen Unterschied, ob der Gesetzeshüter ein Dorfpolizist ist und eine grüne Uniform trägt, oder als Milizmann "im Dorf der Blaue genannt wird". Es sind nicht die bürgerlichen Werte, die den kommunistischen Machthabern in Rumänien zu schaffen machten; es ist vielmehr die subkutane Kritik des Buches an dem Unterdrückungssystem, an Freiheitsentzug, willkürlichen Enteignungen, Korruption und Vetternwirtschaft in dem feudal-diktatorisch regierten Rumänien unter Nicolae Ceau'escu. Dieses Buch ist beeindruckend und zugleich ein - wenn auch später - Sieg über die ideologische Engstirnigkeit der beamteten Zensoren in ihren Amtsstuben.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Life according to Herta 2. Oktober 2011
Von Dr. M.
Format:Gebundene Ausgabe
Bei Herta Müller ist es im Grunde egal, ob sich das Leben als Gefangener in einem sowjetischen Arbeitslager, als Kind in einer rumänischen Landgemeinde oder als junger Arbeitnehmer in einer rumänischen Stadt abspielt - die Gefühle von Beklemmung, Unbehagen und dem milden Grauen des Alltags sind allgegenwärtig und steter Ausdruck einer pessimistischen Weltsicht, wie sie konstitutiv für Müllers Schreiben ist. In dieser Hinsicht lohnt sich ein Vergleich der Erzählungen dieses Bandes mit der Audio-Aufzeichnung Die Nacht ist aus Tinte gemacht, in der die Nobelpreisträgerin über Erlebnisse ihrer Kindheit spricht. Auch auf dieser Hör-CD sind Ängste und Beklemmungen allgegenwärtig.

Das Herz dieses kleinen Bandes bildet der mit fast 90 Seiten mit Abstand längste Text mit dem Titel »Niederungen«, der aus Sicht eines kleinen Mädchens das Landleben im damaligen, deutschsprachigen Banat schildert. Von der Mutter entsteht das Bild einer lieblosen Dauerarbeiterin mit Reinlichkeitsfimmel, der schnell mal die Hand ausrutscht; der Vater, ein »todtrauriges Tier«, ist zumeist betrunken und wirkt lebensuntüchtig. Besonders eindrücklich ist die alptraumhafte Anekdote, in der das Verbot des Schlachtens von Jungtieren mit der Lüge kaschiert wird, ein Kalb habe sich das Bein gebrochen. Die Lüge und dass alle dabei mitmachen ist für die junge Ich-Erzählerin unerträglich. Am Ende fängt sie sich für ihre kritischen Nachfragen Schläge ein. Auch ein permanent mit Arbeiten beschäftigter Großvater und eine abergläubische Großmutter gehören zu den ständig präsenten Figuren, um die sich in »Niederungen« (ein Titel, den man wohl als »Niederungen der menschlichen Seele« verstehen darf) alles dreht.

Hat man ein paar Bücher von Herta Müller gelesen, sind Ermüdungserscheinungen fast unausweichlich. Nicht nur ihr sperriger Stil, den Stakkato-Sätze, exzentrische und sich fortwährend verselbständigende Metaphern und Paradoxien prägen (»Meine Augen schwimmen aus dem Fenster, schwimmen aus meinem Kopf, aus meinem heißen Mund, aus meinem versteckten Schweiß«, S. 121), strengt an; man muss auch damit leben, dass gebetsmühlenhaft Ausdrücke wiederholt werden (in »Niederungen« z.B. die vielen Besen der Mutter). Sie sollen zumeist deutlich machen, wie trübe und steril das Leben ist, wie grotesk die Traditionen, die gepflegt werden. Auch die Kirche verbreitet wenig Frohsinn: Starre katholische Weihrauchriten ersetzen die christliche Barmherzigkeit, Jesus hängt als stummer Zeuge dieser Missstände an Kruzifixen. Die einzelnen Episoden fügen sich überdies nie zu dem runden Ganzen einer fortschreitenden Erzählung. Sowohl »Niederungen« als auch die anderen Geschichten des Bandes sind Momentaufnahmen, die zusammen nur einen bunten Flickenteppich von Impressionen ergeben.

Im hinteren Teil des Bandes finden sich dann auch einige Geschichten über das Leben in der Stadt. Unverkennbar folgt das Buch dem Lebensweg seiner Autorin, am besten erkennbar an den Geschichten »Inge« und »Die Meinung«, in der die Autorin die Unterdrückungsmechanismen des totalitären Ceausescu-Regimes veranschaulicht: »Die Meinung« ist eine satirische Fabel, in der ein Frosch mit einer von der Norm abweichenden Meinung in Schwierigkeiten kommt. »Inge« spiegelt offenbar Herta Müllers Erfahrung als arbeitslos gewordene Übersetzerin in einer Maschinenfabrik: Die junge Lehrerin Inge sieht sich im Büro eines Beamten des Schulinspektorats mit den Absurditäten der sozialistischen Bürokratie konfrontiert. Meisterhaft, in einer sich förmlich überschlagenden Sprache entlarvt Herta Müller in diesen beiden kurzen Texten die Verlogenheit eines Regimes, in dem die Bürokratie als Machtinstrument missbraucht wird. Hervorzuheben ist auch die kurze Geschichte »Faule Birnen«, in der ein kleines Mädchen etwas erahnt vom Ehebruch ihres Vaters während einer Geschäftsfahrt und in der der Geruch von faulen Birnen zum Symbol für moralisches Versagen wird.

Man muss sich nicht darüber wundern, dass die »Niederungen« ihrer Autorin Stress mit der Landsmannschaft der Banater Schwaben eingehandelt haben. Denn sicher kann kaum jemand die radikal subjektive Sicht der Autorin auf das traditionelle, dörfliche Leben im deutschsprachigen Rumänien jener Zeit teilen, in der die heiteren und fröhlichen Momente, die es auch in einem totalitären Staat in jeder Dorfgemeinschaft immer noch gibt, fast komplett ausgeblendet bleiben. So klagen viele Banater Schwaben, das sei nicht ihre Welt, die Herta Müller da beschrieben habe. Doch Kunst darf das, darf so radikal verengen und vereinseitigen. Zugleich kann man es zweifellos als Markenzeichen dieser Autorin bezeichnen, dass sie eine Chronistin des Schmerzes und der Bitterkeit ist, die ihre Erfahrungen zu lyrischer Leidens-Literatur verdichtet, zu einer Literatur voller bizarrer Bilder und Wortschöpfungen, für die eine rosarote Brille oder eine Tendenz zur nostalgischen Verklärung wenig zweckdienlich ist: »life according to Herta«.
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Vor 19 Monaten von ruth6060 veröffentlicht
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Veröffentlicht am 28. März 2010 von Esther
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Das Banater Dorfleben (es könnte aber genau so gut ein Dorf oder eine Kleinstadt in Siebenbürgen sein) ist sehr wirklichkeitsgetreu beschrieben. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 14. September 2009 von rr-Leseratte
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