Niederungen ist das erste Buch von Herta Müller, das ich gelesen habe und sicherlich nicht das letzte. Die zumeist kürzeren Geschichten handeln in erster Linie von seelischen Grausamkeiten, die im Rahmen einer dörflichen Muffigkeit die Leute, vor allem in den Familien, aneinander verüben. Das ganze spielt bei der deutschen Minderheit im rumänischen Banat, die Zeit wirkt eher unbestimmt, so als könnte es auch vor hundert Jahren gewesen sein. Der Hauptteil der Geschichten in Niederungen ist aus der Sicht eines kleinen Mädchens geschildert, das in diesem Buch ziemlich unter den Grausamkeiten der Erwachsenen zu leiden hat. Es wird genau beschrieben, wie sich das Kind anhand von Beobachtungen in seiner Umgebung in Phantasiewelten zurückziehen will, die aber doch nur wieder die Umwelt widerspiegeln und tiefe innere Zerissenheit hinterlasssen. -Tierfreunde werden an diesem Buch auch nicht viel Freude haben, es wird viel geschlachtet, ein Kalb bekommt mit dem Axtstiel das Bein zertrümmert um es schlachten zu dürfen, ein Vogelnest samt Küken wird aus der Dachrinne direkt der Katze zum Fraß vorgeworfen, -ich vermute diese Motive spiegeln das eigene Erleben der kindlichen Erzählerin. Der Tod spielt ebenso eine besondere Rolle, in diesem Zusammenhang wird auch stark auf das Brauchtum Bezug genommen Ein Phänomen das man oft auch bei österreichischen Schriftstellern, wie z.B. Josef Winkler, findet.
Enthalten sind die Geschichten:
Die Grabrede,
Das Schwäbische Bad,
Meine Familie,
Niederungen,
Faule Birnen,
Drückender Tango,
Das Fenster,
Der Mann mit der Zündholzschachtel,
Dorfchronik,
Der deutsche Scheitel und der deutsche Schnurrbart,
Der Überlandbus,
Mutter, Vater und der Kleine,
Der Straßenkehrer,
Schwarzer Park,
Arbeitstag.
Fazit: Diese Lektüre ist natürlich nicht zur Aufheiterung oder Ablenkung gedacht, wer die Bereitschaft mitbringt, sich auf Abgründe menschlichen Seelenlebens einzulassen, sollte es mit diesem Buch einmal probieren.