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Binnen eines Wochenendes wurde Joseph O'Neill dank hymnischer Rezensionen in den USA zum gefeierten Autor - nachdem sich zuvor jahrlang eigentlich keiner so richtig für den Autor interessiert hatte. Nun erscheint sein Erfolgroman „Niederland" auf Deutsch. Im Amazon.de-Interview spricht er über seine große Liebe, das Cricket-Spiel, und über „seine" Stadt New York. Frage: In „Niederland" erzählen Sie die Geschichte des holländischen Einwanderers Hans van den Broek, dessen Leidenschaft das ganz und gar unamerikanische Spiel Cricket ist. Wie erklären Sie sich den großen Erfolg des Buchs bei Kritikern und Lesern - für die Cricket weniger ein Spiel als ein Witz sein dürfte?
Joseph O'Neill: Cricket ist ein Teil des Buches, aber kein zentraler Bestandteil. Im Buch geht es genau um die Leute, die das Spiel nicht verstehen oder nicht schätzen - und das ist die große Mehrheit der Leser.
Frage: Über die Leidenschaft für das Cricket lernt Ihr Protagonist Chuck Ramkissoon kennen, einen Unternehmer aus Trinidad, der so etwas wie das Negativbild von Hans zu sein scheint. Wie würden Sie Hans und Chuck beschreiben? Worauf basiert ihre Freundschaft?
Joseph O'Neill: Ich würde sie und ihre Freundschaft so charakterisieren, wie ich es in dem Buch getan habe. Aber es ist richtig, dass sie in vielerlei Hinsicht sehr unterschiedlich sind. Hans ist passiv, privilegiert, weiß und konventionell; Chuck hingegen ergreift die Initiative, ist marginalisiert, schwarz, unkonventionell. Die Liebe zum Cricket bringt sie zusammen und hilft, sie zusammenzuschweißen.
Frage: Hans wird nach dem 11. September 2001 von seiner Frau verlassen. Doch das Leben ändert sich nicht nur für ihn, sondern für alle Amerikaner und ganz besonders die Bewohner New Yorks. Welche Veränderung in der Atmosphäre und Haltung der Leute spielt für Hans und damit die Geschichte die größte Rolle?
Joseph O'Neill: Die Frage hätten Sie Hans stellen sollen! Wenn Sie es getan hätten, hätte er vielleicht geantwortet, dass er nicht gerne über die Folgen des 11. Septembers spricht - schließlich waren die Veränderungen in seinem Leben nichts verglichen mit dem, was den Menschen in den Zwillingstürmen angetan wurde.
Frage: Sie haben sieben Jahre an „Niederland" gearbeitet. Welcher Anspruch an das Buch ließ Sie den Text immer und immer wieder überarbeiten?
Joseph O'Neill: Ich habe den Text gar nicht so oft verändert. Ich hatte eher Schwierigkeiten damit, überhaupt Text zu produzieren. Teil dieser Schwierigkeit war sicherlich, dass das Buch New York beschreibt und sich diese Stadt (und die Erfahrungen, die man hier macht) ständig ändert.
Frage: Viele Kritiker kümmerte das Thema Cricket gar nicht so sehr, obwohl Sie betonen, dass es die zentrale Metapher des Buches ist. Worauf bezieht sie sich?
Joseph O'Neill: Ich betone nicht, dass es eine solch wichtige Metapher ist. Obwohl - mir war sofort klar gewesen, dass Cricket eher außerhalb des Blickfelds der Amerikaner liegt und schon dadurch - neben anderen Gründen - interessant ist.
Frage: Die meisten wichtigen Zeitungen und Magazine feiern Ihren Roman, Literaturinteressierten sind Sie in kurzer Zeit zum Begriff geworden. Hat die Bekanntheit Ihr Leben verändert? Was sagen Ihre Mitspieler vom Staten Island Cricket Club dazu?
Joseph O'Neill: Meinen Team-Kollgen ist das ziemlich egal. Das einzige, was sie interessiert, ist, dass ich zum Training erscheine und gut spiele. Mein Leben hat sich insofern geändert, als dass ich mir jetzt sicherer bin, weitere Bücher schreiben zu wollen.
Die Fragen stellte Carsten Hansen, Literaturtest.
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