Dieses Buch ermöglicht eine amüsierende, anregende, nachdenkliche, kurzweilige, langlebige, informative, sprachgewandte Lektüre!
In teils längeren, meist aber kürzeren Abschnitten durchleuchtet und durchpflügt der Kabarettist die Belange der Gesellschaft in Deutschland. Mal andeutend, mal genau analysierend setzt er sich mit einer Bandbreite von Themen auseinander und zeigt hierbei sowohl Missstände und Unzulänglichkeiten als auch Widersprüche und Fragwürdigkeiten auf.
Er geht scharf und doch achtend mit den Mitmenschen um, auch wenn so manche Formulierung grenzwertig erscheint. Aber hier liegt auch Hildebrandts besondere Stärke: Er benennt Zustände und tituliert Menschen und nimmt dabei diese und sich ernst. Dabei unterscheidet er sich - Gott sei Dank - von all den Comedy-Stars, die sich oft nur noch durch eine Menge von Requisiten halten können und welche den Zuschauern/-innen leider ein Mindestmaß an Informiertheit zum tagespolitischen und gesellschaftlichen Geschehen nicht abfordern.
Wortspiele, Satzverdrehungen, Gedankensprünge und der spielerische Umgang mit Vergleichen von historischen zu aktuellen Geschehnissen: hier liegt die Welt von Dieter Hildebrandt, die er in erstaunlicher, fast schon tragischer Aktualität zu beschreiben vermag. Sein Schreibstil ist sehr gängig und erfordert trotzdem durch überraschende Nuancen alle Aufmerksamkeit. So schreibt er auf Seite 30´: "Wir Vertriebene sind jetzt mehr, als wir damals waren, als wir gekommen wurden."
Er ruft längst vergessene Skandale ins Gedächtnis sowie Verantwortliche, die sich den Fragen der Gesellschaft entzogen haben. Hildebrandt gibt sich kämpferisch und zeugt von einer Verantwortung gegenüber der nachfolgenden Generation, wie man sie sich von so manchen Politikern/-innen, Funktionären und Meinungsmacher/-innen nur wünschen kann.
Wer das Cover des Buches liest und etwas variiert, wird auf so manche Obskurität treffen: Dieter Hilde (2 heute weniger gebräuchliche Vornamen)- Brandt (ein ihm zweifelsohne politisch nahestehender Kanzler der BRD) - Nie wieder (ein heute leider in Vergessenheit geratener Ausruf, von Käthe Kollwitz plakatiert und in der Nachkriegszeit vertrauter Demonstrationsbegleiter)- acht (in doppelter Hinsicht auf Achtung vor den Menschen und ein Buchstabencode für einen unrühmlichen Diktator) - zig (dies möge für die außergewöhnliche Fülle an Informationen und Kenntnissen des Autors gelten).
Man muss dem vielseitigen Autor sicher nicht in allen Meinungsbildern zustimmen, manches wirkt vielleicht zu direkt, weit hergeholt oder zu vernachlässigen.
Dennoch kann man froh sein, dass sich diese Stimme immer noch meldet, einmischend, nachdenklich und mit dem Willen zur Gestaltung einer vor allem ehrlicheren, vernatwortungsvolleren Welt.
Die direkten Karikaturen und Zeichnungen von Dieter Hanitzsch begleiten bissig und treffend die Ausführungen des wortgewandten Kabarrettisten.
Gut, wenn jemand noch mit achtzig mitmischt, sich einmischt und so manche "political correctness"-Runde aufmischt.
Denn Dieter Hildebrandt hat noch viel zu sagen!