Auf den ersten Blick könnte man meinen, man hätte es mit einer Anthologie für die Daheimgebliebenen zu tun, in der in fünfunddreißig Reisegeschichten all die Gründe aufgezählt werden, die jede Ortsveränderung als unbequem, gefährlich, kurz als Verrücktheit abqualifizieren. In Wirklichkeit verhält es sich jedoch genau umgekehrt. Die etwa dreißig Autoren dieses Bandes, darunter George Orwell, V. S. Naipaul, Paul Theroux und Bruce Chatwin, sind ausnahmslos weltläufige Zeitgenossen, die die Welt so nehmen wie sie ist: großartig und atemberaubend in manchen glücklichen Stunden, aber auch schockierend, langweilig, unmenschlich und strapaziös - und das viel öfter, als man es wahrhaben möchte. Diese zweite Seite des Reisens, die jeder wirkliche Weltreisende nur zu Genüge kennt, kommt in der deutschsprachigen Reiseliteratur gemeinhin zu kurz, was nicht weiter verwundert, stellen doch die in dem vorliegenden Buch beschriebenen Varianten des Unerwarteten, der politische Umsturz, das Verbrechen, die Erkrankung oder der Flugzeugabsturz und vieles andere mehr, gleichsam die dunkle Seite des Reisens dar, von der jeder gerne verschont bleiben möchte. Mit dem Scheitern beim Reisen verhält es sich äber ähnlich wie mit dem Scheitern in der Liebe: man verdankt ihm die prägendsten Erfahrungen, und weil dies so ist, versuchen die Autoren der sechsunddreißig Beiträge in echt englischer Manie mir der „steifen Unterlippe" die Contenance auch im Angesicht der größten Pannen zu bewahren. Und doch ballen sich in Frankfurt, und Moskau, in Urumtschi und Bombay, in Bangkok und Saigon die inneren und äußeren Widerstände zu solchen Katastrophen, daß die Autoren tatsächlich hin und wieder formulieren: Nie wieder eine solche Reise. Doch morgen werden sie wieder ihre Koffer packen, denn wer einmal in die Gemeinschaft der Reisenden, dem „Club der triumphierenden Masochisten" wirklich eingetreten ist, wird davon nicht lassen können. Ein anderes Buch über das Reisen, das der Anderen Bibliothek, in der diese Sammlung erscheint, Ehre einlegt