Wer glaubt in diesem Buch lobe David Thomson Nicole Kidman über den grünen Klee und singe eine Lobeshymne nach der anderen auf sie, der irrt. Und wer so etwas gern lesen würde, der muss wohl noch ein paar Jahre warten, bis sich irgend jemand anders an einer Biographie über die Australierin versucht, denn hier wird er nicht fündig werden. Aber wäre das nicht auch unglaublich langweilig?
Ebenso wenig betreibt er hier "Enthüllungjournalismus". Um ehrlich zu sein, erfährt man aus dem Privatleben von Ms. Kidman nicht viel Neues oder Aufregendes, was man nicht auch auf einschlägigen Internetseiten nachlesen könnte.
Was schreibt Mr. Tomspn dann auf 330 Seiten über eine Schauspielerin, die mit gerade mal 40 bereits ihre erste "Biografie" erhält? Über eine Frau, die er, wie er gleich zu Beginn bekennt "sehr mag", vielleicht sogar liebt, solange er sie nicht persönlich kennenlernen muss.
Nun, zunächst ist das Buch eine Liebeserklärung an das Kino, an den Film, stellenweise an Hollywood und unsere modernen Ikonen und Vorbilder... die Deneuves, Kidmans, Roberts, Streeps und Moores dieser Welt; nämlich weltklasse Schauspielerinnen. Dabei verschweigt er nicht die Härte dieses Geschäfts, seinen schönen Scheine und was er verbirgt.
Weiterhin betreibt Thomson kritische Analyse, sowohl über Nicole Kidman selbst, als auch über ihre Filme und scheut sich nicht davor, manche ihrer Kassenschlager in der Luft zu zerreisen. Andere wiederum feiert er förmlich... und hegt dabei keinesfalls den Anspruch von Objektivität.
Thomson weiß um den Zauber des Kinos und der großen Stars ... und er hat nicht vor ihn dem Leser dieses Buches zu nehmen. Denn ja mehr man hinter die Fassade blicke, um so mehr verliere ein Star wie Nicole Kidman den Reiz. Thomson nennt es Voyerismus. Er schreibt hier keine Hommage an seinen Lieblingsstar, sondern seine persönliche Meinung über eine Frau, die sich in den letzten Jahren zu einer der gefragtsten Schaupielerinnen der Welt hochgackert hat (und das ist bei Nicole Kidman wortwörtlich gemeint). Dabei bedient er sich (okay vielleicht doch manchmal) kleiner Lobgesänge auf ihre Leistungen z.B. in "To die for", genauso wie Ironie und Sarkasmus für "Projekt Peacemaker". Daher muss hier eigentlich größtenteils eher von einer "Filmographie mit Hintergrundinformationen", denn einer "Biografie" gesprochen werden, obwohl natürlich auch Kidmans Jungend in Australien und ihre Ehe mit Tom Cruise ausführlich Erwähnung finden.
Kurz um, David Thomson versucht sich nicht anzubiedern, weder bei ihren Fans, noch bei Nicole Kidman selbst. Und das macht mehr Spass zu lesen als eben besagte Lobeshymne. Daher ist das Buch nicht nur für Bewunderer von Nicole Kidman, sondern vor allem für Bewunderer des modernen Kinos geschrieben und wärmstens zu empfehlen.