Face/Off - Im Körper des Feindes Wenn Regisseur John Woo zu Höchstform aufläuft, kann er Action-Filme in choreografische Meisterwerke verwandeln, die ihre Wurzeln im Charakterfach haben und in denen Blut und Kugeln zu Hauptakteuren werden.
Im Körper des Feindes ist Woos erster amerikanischer Film, der an das hohe Niveau seiner besten Arbeiten in Hongkong (z.B.
Hard-Boiled) heranreicht.
Der Ausgangspunkt der Story ist bewährt absurd. Held und Schurke nehmen jeweils die Identität des anderen an, indem sie ihre Gesichter -- die plastische Chirurgie der Zukunft macht's möglich -- im wahrsten Sinne des Wortes austauschen. Damit beginnt ein doppelter Rachefeldzug, der von den gespaltenen Psychen der soeben neu erschaffenen Charaktere angetrieben wird. FBI-Agent Sean Archer (John Travolta) muss sich von nun an als Verbrecher in der Gestalt Castor Troys durch die Unterwelt schlagen, während eben jener Troy (Nicolas Cage), ein psychopathischer Terrorist, in der Gestalt von Archer zum pervers väterlichen Familienoberhaupt wird, dem jedes Mittel recht ist, um sich seinen Verfolger vom Hals zu halten.
Travolta ahmt, nachdem er als Troy das Gesicht des Gesetzeshüters angenommen hat, dessen nervöse Zuckungen sowie seine überschwängliche Extravaganz mit der Anmut eines Tänzers nach, während Cage den missmutigen, frustrierten Agenten spielt, der von nun an dazu verdammt ist, das Gesicht des Mannes zu tragen, der seinen Sohn getötet hat. Seine Versuche, dem Ruf des Terroristen gerecht zu werden, enden in kathartischen Gewaltausbrüchen, die ihn sowohl faszinieren als auch schockieren.
Für Action-Fans ist dies jedoch nur das Tüpfelchen auf dem i, das dramaturgische Rückgrat eines der packendsten Action-Filme, den es je gab. Woo bringt eine atemberaubende Szene nach der anderen auf die Leinwand und verleiht der ausgeflippten Handlung durch ausladende Kameraeinstellungen und geschickte Bearbeitung eine gewisse poetische Anmut. Was anfänglich wie ein Griff in die Mottenkiste der Räuber-und-Gendarm-Klischees scheint, verdichtet sich durch die Verbindung von Melodrama und Chaos zu einem Konflikt von nahezu mythischen Ausmaßen. --Sean Axmaker
Spiel auf Zeit
Brian de Palmas Thriller aus dem Jahre 1998 ist ein gutes Beispiel für seinen opernhaften, überbordenden Inszenierungsstil (man denke an andere Filme dieser Art von ihm wie Mein Bruder Cain und Blow Out), bei dem das Aussehen einmal mehr über den Inhalt siegt.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Nicolas Cage in der Rolle eines gaunerhaften Polizisten mit einer Vorliebe für große Boxkämpfe. Ausgerechnet bei einem Weltmeisterschaftskampf, den er besucht, wird der amerikanische Verteidigungsminister das Opfer eines Attentates. Dessen Assistent (Gary Sinise) ist ein alter Freund von Cage, eine Tatsache, die es ihm nicht einfacher macht, das Attentat auf Grund von sich widersprechenden Aussagen zu rekonstruieren und aufzuklären -- was in dieser Form gewollte Ähnlichkeiten mit Akira Kurosawas Rashomon aufweist).
Das an den Haaren herbeigezogene Szenario gibt de Palma die Möglichkeit, seinen opernhaften Inszenierungsstil bis zum Exzess ausleben zu dürfen (allein die fast 15-minütige Eingangssequenz ist atemberaubend -- denn egal, wohin Cage geht, welche Etage er betritt, mit wem immer er spricht: Die gesamte Sequenz wird ohne einen einzigen sichtbaren Schnitt als ein einziger Kameraflug präsentiert). Wenn nun das Attentat rekonstruiert wird, erlebt der Zuschauer immer wieder Momente dieser Eingangssequenz -- diesmal jedoch aus vollkommen anderen Perspektiven, die das Erinnern an das, was man gesehen hat, erschüttern.
Die Geschichte verliert ihre Glaubwürdigkeit endgültig im letzten Akt des Filmes, obschon der Showdown unbestreitbar eindrucksvoll inszeniert ist. So siegt der Stil endgültig über den Inhalt. Doch bitteschön: Es ist der Stil von Brian de Palma! --Tom Keogh
The Rock - Entscheidung auf Alcatraz
Zwischen seinem dynamischen Debütfilm Bad Boys und dem Möchtegern-Kassenschlager Armageddon - Das jüngste Gericht von 1998 prägte der Erfolgsregisseur Michael Bay seinen zweifelhaften Ruf mit diesem Ausstattungs-Actionfilm, der zu einem Publikumserfolg wurde.
Ein psychotischer Kriegsheld (Ed Harris) bringt die Gefängnisinsel Alcatraz in seine Gewalt und droht mit einem Angriff chemischer Waffen auf das nahe gelegene San Francisco, wenn die Regierung die Männer, die bei einem Geheimunternehmen unter Harris' Kommando ums Leben kamen, nicht öffentlich anerkennt. Nicolas Cage spielt den Biochemiker, der sich, um Harris' terroristischen Plan zu vereiteln, mit dem einzigen Mann zusammentut, dem es je gelungen ist, von Alcatraz zu fliehen (Sean Connery).
Was dann folgt, ist erwartungsgemäß eine actiongeladene Flut von Kugeln, Leichen und nervenaufreibenden Konfrontationen, reichlich versehen mit genügend einfallsreichen Entwicklungen, um sogar dem abgestumpftesten Action-Fan Grund zur Beunruhigung zu geben. Der Film ist im Grunde ein Haufen Quatsch, aber die Schauspieler haben dabei offensichtlich eine Menge Spaß, und es gibt genug Witz, um die recycelten Action-Sequenzen erträglich zu machen.
""Im Körper des Feindes - Special Edition" Nach jahrelanger Jagd auf den Terroristen Castor Troy kann ihn FBI-Agent Sean Archer endlich stellen. Doch beim Zweikampf wird Troy verletzt und fällt ins Koma. Der Triumph wird zum Wettlauf mit der Zeit, als Archer erfährt, daß Troy eine Bombe in L.A. versteckt hat. Außer Troys Bruder kennt keiner das Versteck und für Archer gibt es nur einen einzigen Weg, an diesen heranzukommen: Er muß in den Körper seines Todfeindes schlüpfen. Bei einer spektakulären Operation werden die Gesichter "vertauscht" - Archer wird zu Troy und Troy zu Archer. Doch der Terrorist erwacht aus dem Koma... Regie: John Woo Darsteller: Nicolas Cage, John Travolta, Gina Gershon Produktionsjahr: 1997 Laufzeit: ca. 133 Min. "The Rock - Special Edition" (FSK 16) Der verbitterte Brigadegeneral Hummel (Ed Harris) verschanzt sich mit einer Handvoll Elitesoldaten auf der legendären Gefängnissinsel Alcatraz. In seiner Hand sind 81 Touristen und eine hochexplosive biochemische Waffe. Er droht, die gesamte Bevölkerung San Franciscos auszulöschen, sollte die US-Regierung seine Forderung von 100 Mio. Dollar nicht erfüllen. Nur zwei Männer können den Wahnsinn beenden. Der junge FBI-Agent Goodspeed (Nicolas Cage), ein Experte für chemische Waffen, und der einzige Mann, der es je geschafft hatte, aus Alcatraz zu fliehen: Der charismatische Sträfling Mason (Sean Connery). Ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit beginnt... Regie: Michael Bay Darsteller: Nicolas Cage, Michael Biehn, Sean Connery Produktionsjahr: 1996 Laufzeit: ca. 113 Min. "Spiel auf Zeit" Die große "Fight Night" von Atlantic City steht bevor. Schwergewichts-Champion Tyler wird um seinen Titel kämpfen. Der protzige Detective Rick Santoro hat die Aufgabe, als Ehrengast den Verteidigungsminister in seiner Stadt willkommen zu heißen. Dessen Sicherheitsberater ist Kevin Dunne, ein alter Kumpel von Santoro, der eine blitzsaubere Offizierskarriere hingelegt hat. Doch die Wiedersehensfreude ist nur von kurzer Dauer. Als Dunne für einen kleinen Moment abgelenkt ist, fallen tödliche Schüsse auf den Minister. Mit einem Schlag werden 14.000 Zuschauer zu Zeugen, Verdächtigen oder Komplizen. In einem Wettrennen gegen die Zeit versucht Santoro, aus Aussagen und Überwachungsbändern den Tathergang zu rekonstruieren. Schon bald konzentrieren sich die Ermittlungen auf eine mysteriöse junge Frau, die unmittelbar vor dem Attentat mit dem Minister gesprochen hatte. Doch je mehr Puzzleteile aneinander gelegt werden, desto unglaublicher wird die ganze Geschichte. Niemand scheint wirklich der zu sein, der er zu sein vorgibt. Und schließlich sieht sich Santoro mit seiner eigenen zwielichtigen Vergangenheit konfrontiert. Regie: Brian de Palma Darsteller: Nicolas Cage, Stan Shaw, Gary Sinise Produktionsjahr: 1998 Laufzeit: ca. 94 Min."