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Nicolae Ceausescu. Eine Biographie
 
 
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Nicolae Ceausescu. Eine Biographie [Gebundene Ausgabe]

Thomas Kunze
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Als einziges Land des Ostblocks erlebte Rumänien im Winter 1989 eine wirklich blutige Revolution. Der Diktator Nicolae Ceausescu wird verhaftet und am 25. Dezember hingerichtet. Erst zwei Tage später erfährt die Weltöffentlichkeit von der Exekution des "Conducators" und seiner Frau Elena. Etliche Jahre sind seitdem vergangen, und noch immer ist es in Rumänien zu keiner gründlichen Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit gekommen. Nach wie vor ist Nicolae Ceausescu sagenumwoben, und nach wie vor sind die Ereignisse von 1989 mit vielen Fragezeichen versehen.

Thomas Kunze hat nun die erste umfassend recherchierte Ceausescu-Biografie vorgelegt. Für ihn verkörpert Nicolae Ceausescu das "Musterbeispiel eines totalitären Machthabers". Von seiner allmächtigen Geheimpolizei Securitate beschützt, von Duckmäusern und Heuchlern umgeben, sonnte sich der "Conducator" in einem absurden Personenkult. Zunächst die Höflinge und dann das ganze Volk priesen ihren Führer als "Sohn der Sonne" und "Honig der Welt", während in dem wirtschaftlich völlig ausgezehrten Rumänien die Lichter ausgingen und sogar das Brot knapp wurde.

Der Westen war an dieser Entwicklung nicht ganz unbeteiligt. Man betrachtete Ceausescu, ungeachtet des ungeheuerlichen Personenkults, der um ihn getrieben wurde, als eine Art trojanisches Pferd im Ostblock und geizte nicht mit Unterstützung für sein Regime. Dass diese Einschätzung mehr "westlichem Wunschdenken als rumänischen Realitäten entsprach", wird von Thomas Kunze überzeugend nachgewiesen, denn Ceausescu, ein glühender Bewunderer Stalins, überschritt bei seinen außenpolitischen Eskapaden nie die Toleranzschwelle Moskaus.

Für das vorliegende Buch hat Thomas Kunze Archivmaterial und Berichte von Zeitzeugen ausgewertet, die nicht nur Ceausescus persönlichen und politischen Werdegang minutiös nachzeichnen, sondern zugleich auch ein aufschlussreiches "Stück europäische Zeitgeschichte" wieder in Erinnerung rufen. --Stephan Fingerle

Neue Zürcher Zeitung

«Karpatengenie» stalinistischer Prägung

Unterwegs zu einer Biographie Nicolae Ceausescus

Seine Mitschüler beschrieben ihn als einen an Minderwertigkeitskomplexen leidenden Einzelgänger, der zu Jähzorn und Starrsinn neigte, keinen Widerspruch duldete und niemals etwas verzieh. Nach nur vier Grundschuljahren kehrte Nicolae Ceausescu, Sohn armer Bauern, seinem Dorf im Südwesten Rumäniens 1928 den Rücken und ging, gerade zehn Jahre alt, nach Bukarest, wo er sich als Schusterlehrling verdingte. Schon bald stand er der damals völlig unbedeutenden Kommunistischen Partei nahe, in der er eine sagenhafte Karriere machen sollte.

Eine besondere kommunistische Karriere

Verbissen kämpfte er sich durch Parteihierarchie, Untergrunddasein und Gefängnisse, bis er 1936 in einer Zelle Gheorghe Gheorghiu-Dej kennen lernte und dessen Vertrauen gewann. Warum Dej den stotternden und unsicheren Ceausescu zu seinem Ziehkind machte, ist trotz Gerüchten über eine homosexuelle Affäre unklar. Dej wurde nach dem Krieg moskautreuer KP- und Staatschef Rumäniens und unterstützte Ceausescus Aufstieg in der Partei erheblich. Als stellvertretender Landwirtschafts- beziehungsweise Verteidigungsminister (1948–1950/1950–1952) trug dieser massgeblich zur Zwangskollektivierung der Bauern und zur ideologischen «Klärung» der Armee bei – beide Einübungen in stalinistische Praktiken forderten hohe Menschenopfer und prägten Ceausescus Auffassung von Politik. 1952 wurde er Vollmitglied und 1954 Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei. In der zweiten, äusserst wichtigen Funktion überblickte er die Besetzung einflussreicher Parteiposten.

Als Dej 1965 starb, konnte sich Ceausescu, bis dahin von den meisten Parteioberen unterschätzt, dank seinen Ränkespielen und seinem nationalistisch-stalinistischen Profil gegen die Konkurrenten durchsetzen. Er riss die Macht an sich, wurde zuerst KP-Chef, später sogar «Präsident auf Lebenszeit» (1974), eine im ganzen Ostblock einmalige Position.

Äusserliche Autonomie

Ceausescus 24 Jahre dauernde Herrschaft beruhte auf vier stalinistischen Grundpfeilern: unbedingte und rücksichtslose Industrialisierung, repressive Ausschaltung aller partei- und landesinternen Opposition, relative aussenpolitische Autonomie und pseudodynastischer Personenkult. Geschickt wusste er in den sechziger und siebziger Jahren Rumäniens Marginalität zu nutzen. Die Autonomie gegenüber der Sowjetunion war dabei mehr ein Vexierspiel, blieb doch sein Land in allen wichtigen ideologischen Fragen ein treuer Vasall Moskaus. Doch PR-wirksame Aktionen wie die Verurteilung der Niederschlagung des Prager Frühlings (1968) oder die Forderung nach der Auflösung des Warschaupakts (1972) fanden Anklang im Westen und öffneten Ceausescu viele diplomatische und wirtschaftliche Tore. Gleichzeitig erlaubte ihm das Pochen auf Autarkie eine noch stärkere Kontrolle der eigenen Gesellschaft zwecks Machtperpetuierung und Industrialisierung, welch letztere ab den achtziger Jahren der Bevölkerung immer höhere Opfer abverlangte. Seine totale Herrschaft liess er auf grotesk-kitschige Art repräsentieren, sei es durch Hymnen an «das Karpatengenie», das Tragen eines Zepters oder die Inszenierung von monumentalen Festspielen.

Spätestens mit Gorbatschews Aufstieg in den achtziger Jahren verlor er aber seine Sympathien im Westen, das sein wahres Gesicht, das eines Diktators, endlich erkannte. Als der Kreml 1989 die Breschnew-Doktrin aufgab und Reformen im Ostblock begrüsste, blieb Ceausescu seinem Stalinismus weiterhin treu und rief angesichts der samtenen Revolutionen seiner Nachbarn sogar nach militärischen Interventionen. Noch vier Monate vor seinem Tod bekräftigte er seine grenzenlose Verehrung Stalins, der alles erreicht habe, «was ein Staatsmann erreichen sollte». Im Glauben an die Unerschütterlichkeit seiner Ideologie wurde Ceausescu nach spektakulärer Flucht und kurzem Schauprozess inmitten von Revolutionswirren zusammen mit seiner Frau Elena am 25. Dezember 1989 hingerichtet.

Lücken der Geschichtsdarstellung

Biographische Versuche über Ceausescu gibt es kaum. Der Londoner Historiker Dennis Deletant legte 1997 eine wichtige Monographie «Romania under Communist Rule» vor, die Ceausescus Aufstieg und Herrschaft in einem breiteren historischen Kontext beleuchtet. Doch abgesehen von Ion Petcus etwas spekulativer Biographie «Ceausescu – Ein Fanatiker der Macht» (Rum., 1994) gab es bis vor kurzem keine andere ernst zu nehmende Arbeit. Der Leipziger Historiker Thomas Kunze hat dem Abhilfe geschaffen und Leben und Wirken des Diktators in einem umfangreichen Buch erforscht.

Kunze gelingt es, den Entwicklungsgang Ceausescus im Kontext der neueren rumänischen Geschichte in einer unterhaltsamen, flüssigen, manchmal allerdings zu saloppen Sprache zu skizzieren. Der Autor kontrastiert die offizielle Hagiographie des «Conducators» mit den Tatsachen – ein reizvoller Ansatz, der aber nicht konsequent durchgehalten wird. Gut herausgearbeitet sind Ceausescus Doppelspiel mit dem Westen und seine eigentlichen, stalinistischen Überzeugungen. Allerdings präsentiert Kunze kaum Neues und auch nicht viel Material über die Hauptfigur, da er keine wirklichen Archivrecherchen unternommen hat. Stattdessen zitiert er Gerüchte und politische Witze, die vor 1989 in Rumänien kursierten, sowie Anekdoten, die ihm wenig zuverlässige Vertreter der ehemaligen Nomenklatura, darunter auch Ion Iliescu, erzählten. In Ermangelung besserer Quellen stützt sich der Autor zudem viel auf Ion Pacepas «Red Horizons» (1988), obwohl er wiederholt an der Glaubwürdigkeit des 1978 geflüchteten Securitate-Generals zweifelt.

Allgemein vermisst man auch eine systematische Einbettung in den Stand der politologischen Forschung über den Ostblock (bei Petcu im Ansatz unternommen) und der biographischen Darstellung anderer kommunistischer Führer. Staatspolitische Auffassungen auf Charakterzüge («machtversessen», «verschlagen», «hysterisch») allein zu reduzieren, greift zu kurz. Eine detaillierte Analyse der Machtergreifung Ceausescus wäre genauso wichtig gewesen wie eine Erklärung, warum seine Umgebung, nachdem sie ihm so lange gefolgt war, ihn so plötzlich fallen liess. Auch unterlaufen Kunze manche Fauxpas, etwa wenn er die erfolglose Industrialisierung und das Elend verbreitende Wohnbauprogramm als Verdienste Ceausescus darstellt.

Edward Kanterian



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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Jack779
Format:Gebundene Ausgabe
denn der Autor schildert sehr genau den Lebensweg des "Conducators von Rumänien". Angefangen in einem kleinen Dorf mit "Schafe hüten" wird sehr genau aufgezeigt in was Ceausescu innerlich vorging. Kein Humor, Mißtrauen, Drang nach oben zu kommen - ohne Gnade. Er hat sich viel beigebracht und erlernt - vom Analphabeten mit wenig Intelligenz bis zum mächtigsten, außenpolitisch und anfangs auch innenpolitisch geachteten, obersten Mann von Rumänien. Dabei war er Ende der 60 èr Jahre durchaus beim rumänischen Volk beliebt. In den 70 èr Jahren änderte sich dann dies schlagartig, mit dem Personenkult, a`la Kim Il Sung. Schließlich, in den 80 èr Jahren wurde er dann, und vor allem seine gehaßte Frau, zur "Bestie" und zum "Ausbeuter" des rumänischen Volkes. Kaum und keine Heizung im Winter, praktisch keine oder nur wenig Nahrung, gewaltsame Dorfzerstörungen und Umsiedlungen, um nur einige Beispiele zu nennen. "Schockierend" der Bericht über die rumänischen Psychiatrien. Der Autor nennt aber nicht nur die Nachteile des Diktators wie man es z.B. oft nur im Fernsehen gezeigt bekommt. Geschickt bewegte Ceausescu sich außenpolitisch und trieb die Industrialisierung Rumäniens voran. Auch wird aufgezeigt, daß evtl. Ceausescu weniger verantwortlich ist für die blutigen Umstürze des Jahres 1989 in Rumänien. Natürlich liegt immer noch viel im "Dunkeln".
Fazit: Ich fand das Buch ziemlich genau, hochinteressant und aufwändig rekonstruiert, mit einigen neuen Erkenntnissen, die mir unbekannt waren. Es sind keine Vorkenntnisse über Rumänien nötig, da der Autor vieles erläutert und leicht zu verstehen niederschreibt. Daher fand ich den hohen Buchpreis gerechtfertigt. Für politisch interessierte, auch für Leute die über das "frühere" Rumänien mehr erfahren möchten, und mehr, unbekanntes, über den Diktator und seiner Familie erfahren möchten - sehr empfehlenswert !!
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Auf dieses Buch bin ich gestossen, als ich wegen eines Vortrages über Sozialismus für die Berufsschule in meinem Lehrbetrieb (Hochschulbibliothek) passende Literatur suchte. Ich dachte dabei: Kuba-Krise, Vietnam oder Prager-Frühling kennt jeder, aber die sozialistischen Satellitenstaaten sind weniger bekannt. Das Buch von Kunze ist eines der wenigen deutschsprachigen Bücher über die Ceaucescu-Diktatur, das die Geschenisse unter Dej und Ceaucescu ausführlich beschreibt (und als wahrheitsgetreu gelten kann). Obwohl ich mich nicht sehr oft mit Politik beschäftige, fand ich das Buch sehr interessant, denn es ist leicht verständlich und ziemlich interessant geschrieben. Auch die Spekulationen bei nicht nachweisbaren Situationen von Seiten des Autors sind sehr interessant. Gut beschrieben auch die persönlichen Gepflogenheiten von Ceaucescu wie Gier, Neid und Verlogenheit. Das Ganze steht auch im Umfeld zu anderen politischen Geschehnissen im Staate Rumäniens und zeigt die kriminellen Machenschaften der Kommunisten (Mord an politischen Gegnern, Ausnutzung des Volkes und ein perfekt organisierter Geheimdienst). Die Geisteskrankheit, Paranoia und Herrschsucht der Ceaucescus kommt gut zur Geltung. Sehr beeindruckendes Werk über eine fast unbeachtete Schreckensherrschaft. Glücklicherweise geht es mit Rumänien langsam bergauf, dank der Öffnung für den Westen. Das rumänische Volk hätte Wohlstand nach Jahrzehnten der Unterdrückung verdient.

Meine "Politik" ist Liebe, Goa und Psychedelika. Das richtet wenigstens kein Leid und Elend an. Peace!

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Wie der Schuster mit vierjähriger Schulbildung und die Arbeiterin, die das vierte Schuljahr wegen mangelnder Leistungen gar nicht erreichte, nach oben kamen und sich dort hielten, davon berichtet diese neue Biographie des Diktators. Durch Zeitzeugenberichte und Archiv- sowie Bildmaterial entsteht gleichzeitig das komplexe Bild einer totalitären Gesellschaft inmitten zweier Weltmachtblöcke. Auch detaillierte, mit Fakten untermauerte Beschreibungen der zahlreichen Phobien und Leidenschaften des "conducators" sind nicht ausgespart, und so entsteht ein ebenso analytisches wie kurzweiliges Buch für Kenner und Interessierte gleichermaßen. Unverzichtbar auch für den Historiker und jedenfalls: viel gutes Buch für gutes Geld!
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