Wer bezeichnet sich schon gern selbst als "Reaktionär"? Nicolas Gomez Davila (1913-1994) tut es! Mit seinem Denken stellt er sich diametral zur Neuzeit bzw. zum Denken der Aufklärung und packt in messerscharfen, aphoristischen Sätzen deren Schwachpunkte an. Gomez Davila kritisiert nicht nur die Aufklärung als solche, sondern auch eine ausgedünnte Anthropologie, die Gottesferne vielen gegenwärtigen Denkens, die Demokratie, den Liberalismus, eine unhinterfragte Fortschritts-Geschichtsschreibung u.v.a.m.
Dabei ist Gomez Davila nicht einfach irgendein uneinsichtiger, konservativer Typ, sondern ein Denker, dem es darum geht, wirklich auf den Kern einer Sache zu stoßen. Er bietet allerdings keine praktischen "Rezepte" an, sondern sagt: "Beschränken wir unseren Ehrgeiz darauf, gegen die moderne Welt methodisch geistige Sabotage zu betreiben" (122). Till Kinzel ist es zu danken, dass dieser bisher nur wenigen bekannte kolumbianische Philosoph allmählich einem breiteren Publikum bekannt wird und noch manchen zum Nachdenken anregen kann. Vielleicht hätte manchmal noch mehr Gomez Davila selbst zu Wort kommen sollen, wenngleich sich Kinzel sehr bemüht, dessen Denken adäquat darzustellen und Zusammenhänge aufzuzeigen.