BOSETZKY, HORST : Nichts ist verjährt
Der im Jaron Verlag im Oktober 2008 erschienene Kriminalroman firmiert auch als Berliner Mauer-Krimi. Letztmalig im Oktober 2005 veröffentlichte HORST BOSETZKY noch als -KY und zwar in dem 10 Fälle des Ersten Polizei Hauptkommissars im 12. Kommissariat umspannenden Erzählband "Mannhardts rätselhafte Fälle". Hans-Jürgen Mannhardt lebt zwar für seinen Beruf, zeigt aber ganz deutlich sein Burn out-Syndrom und die verbitterte Bissigkeit seinem Nachfolger gegenüber. Es ist schön, dass der mittlerweile 71-jährige Krimi-Autor dem Alter Rechnung zollt. Die fortschreitende Zeit macht ja bekanntlich vor Niemandem Halt. In "Nichts ist verjährt" löst Mannhardt im Grunde genommen seinen letzten Fall nicht: Eine skelettierte Frauenleiche mit den Namens-Buchstaben A. K. auf dem beiliegenden Amulett wird bei Grundmauer-Sanierungsarbeiten einer ehedem Ostberliner Villa nach 25 Jahren gefunden. -KY nutzt die Chance, aus dem Jahr 2007 (18 Jahre nach dem Fall der Mauer) (deshalb auch die Bezeichnung Berliner Mauer-Krimi) zurück zu springen in das Jahr 1980. In 20 Kapiteln über 268 Seiten baut er gekonnt einen Spannungsbogen auf. Dem sich trotz des Gegensatzes des aus 2 ehemaligen deutschen Ländern stammenden, gut harmonierenden Ermittler-Teams aus Mannhardt und seiner Assistentin Yaiza Teetzmann gegenüber setzt -KY den Kontrapunkt in der Person des beruflich aufstrebenden jungen Rico Schönbier, des designierten Nachfolgers des noch Leitenden Kommissars. Das Springen aus der Jetztzeit über 25 Jahre zurück ist ein passender dramaturgischer Trick des alten Krimi-Hasen -KY. In Gestalt des in seiner Heimat gefeierten und hoch gelobten Ost-Autors Bernhard Oybin mit all' seinen politischen Verstrickungen erscheint eine Person, die das Privileg hat, auch im Westen der geteilten, heutigen Hauptstadt in Lesungen auftreten zu dürfen. Die Verkettungen beginnen damit im Westen. Eine heftig aufflammende Liebe eines Westberliners, aufstrebend in Amt und Würden, zu einer Fotografin aus dem Ostteil legt den Grundstein für ein Verbrechen (allerdings je nach Ost- oder West-Sicht in seiner Gravität gewichtet), über das 25 Jahre lang die Erde an einem Haus-Fundament in Schmöckwitz ruht. A. K., die Ermittlungsakte ist geschlossen, der Zufall kommt (wie so oft) ins Spiel, ist nun doch nicht d e r Hinweis auf die vermeintlich Identifizierte. Mannhardt ermittelt weiter (Gott sei Dank, mag der Leser befinden). Natürlich nimmt das Finale eine unerwartete Wendung. Alles in allem ist es aber flach und Krimi typisch erheblich nüchtern.
BOSETZKY schreibt viel, ich beziehe mich hier nur auf seine Krimis; alles erscheint zumindest in den letzten Jahren "wie von der Stange". BOSETZKY verwertet in dem hier besprochenen Krimi seine Fontane-Repliken, sein fast zwanghaft angebrachtes Wissen und historisches Interesse an den Schienen-Verkehrsmitteln Berlins, seine diffizilen Haltestellen- und Straßen-Beschreibungen. Das muss man schon an BOSETZKY mögen. Aufgewärmt, im Kriminalroman "In Bramme geht die Bombe hoch" durch Dr. med. Lennart Grau meinem Gefühl zu Folge allerdings stark überstrapaziert, sind die Film-Zitate, die er neuerdings der abgehalfterten alkoholkranken Ex-Schauspielerin Katja Koschlick in den Mund legt. Fontane, S-Bahn-Liebe und Zitate aus Filmklassikern überschreiten hier das Maß nur wenig. Und das, mit den Worten des Regierenden Bürgermeisters der Hauptstadt zu sprechen, ist auch gut so.