Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Alles Interessante ausgelassen, 12. Juni 2006
Bei der Lektüre von Autobiographien verfalle ich regelmässig in Verhaltensmuster, die Psychologen wohl für regressiv halten würden. Zumindest bei Lebensgeschichten von Personen, die aus irgendwelchen Gründen meine Sympathien gewonnen haben. Heiner Lauterbach kenne ich so wenig wie Bob Dylan oder Anthony Quinn. Aber ich möchte, dass mich ihre Geschichten nicht enttäuschen, meine Bilder bestätigen, meine Neugier nach Unbekanntem befriedigen. Wie weit der Germanist in mir dabei auf seine Rechnung kommt, ist von zweitrangiger Natur. Bei Heiner Lauterbach kommt hinzu, dass er nur ein Jahr weniger auf dem Buckel hat als ich.
Erwartungsfroh tauche ich also ins Leben von Faust ein. Und schnell fühle ich mich wohl. Doch je mehr ich merke, dass das gute Gefühl eher meinen eigenen Erinnerungen gilt als dem, was ich von Heiner Lauterbach erfahre, desto enttäuschter werde ich. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem mich das Buch zu nerven beginnt. Genauer gesagt, auf Seite 46, als der deutsche Schauspieler der Trennung seiner Eltern gerade Mal einen halben Satz widmete. Denn da ahnte ich, dass ich über den Menschen Lauterbach nicht mehr erfahren würde, als was ich als eifriger Sammler von Boulevard-Zeitungen ebenfalls wissen könnte. Ausser dass den Schreibern von Gala, Bild und Neuer Post vielleicht ein Saufgelage oder eine Orgie entwischt ist. Und was nicht zum Thema Exzess gehört, lässt sich im Internet unter den Filmseiten finden.
„Nichts ausgelassen“ heisst der Titel dieser Autobiographie. Fast alles ausgelassen, was mir den Menschen Heiner Lauterbach näher gebracht hätte, würde ich nach der Lektüre sagen. Ich bin ja kein Psychologe, der für die Aufgabe bezahlt wird, die 447 Seiten nach Verdrängungsmechanismen zu durchforsten. Ich will einfach Geschichten hören, wie sie Bob Dylan oder Anthony Quinn erzählen können. Erzählungen, die mir auch einen Einblick in die Seele ihres Verfassers geben, ohne dass dieser mir gleich all seine Nöte, Ängste und inneren Abgründe auf den Tisch knallen muss. Ich möchte irgendwie teilhaben am Leben des andern. Heiner Lauterbach verwehrt mir das, aus welchen Gründen auch immer. So ausschweifend wie seine Trinkgelage berichtet er über seine Erfahrungen, die doch so speziell gar nicht waren. Sex, Drugs, Rock ’n’ Roll gehörten einfach zur damaligen Zeit. Und in Indien waren in meinem Freundeskreis auch alle – ausser mir. Mich verschlug es zufälligerweise einfach nach Afrika. So what, Heiner Lauterbach? Wieso lässt er mich an den Übergängen nicht teilhaben? An den Grenzen wird es interessant. Dort, wo Liebe entsteht und vergeht. Dort, wo der Alkoholismus beginnt und endet. Dort, wo Freunde gewonnen und verloren gehen. Dort, wo ein Stern aufgeht und erlischt. Aber darüber finden wir im besten Fall einige Andeutungen, Gemeinplätze, Sprichwörter oder Kneipenweisheiten. Das ist mir definitiv zu wenig, weil ich sie auch in meiner eigenen Geschichtenkiste im Übermass finde.
Mein Fazit: Heiner Lauterbach hat so ziemlich alles ausgelassen, was eine Autobiographie zu einem Ereignis macht. Wer Lust hat, zwischen den Zeilen zu lesen und eine Ferndiagnose erstellen will, wird die Anschaffungskosten nicht bereuen. Und wer die 447 durchackert, weil er auf der Jagd nach interessanten Promigeschichten ist, muss sich darauf einstellen, dass Heiner Lauterbachs Freundes- und Bekanntenkreis eher langweilig ist. Oder zumindest so beschrieben wird.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Kann man getrost "auslassen"!, 12. April 2007
Das Buch hat in der Presse ja einiges losgetreten. Leider war das Buch bei weitem nicht so spannend wie ich es demzufolge erwartet habe.
Das Buch beginnt, wie sollte es anders sein, in Lauterbachs Kindheit und Jugend. Diese Schilderungen lesen sich noch ganz unkompliziert, wenngleich es auch an Spannung fehlt. Spannung, so vermutet man, kommt erst auf, als Lauterbachs Bekanntheitsgrad steigt. Doch weit gefehlt. Je mehr man im Buch fortschreitet, desto zäher wird es. Ganze Passagen hätte man einfach weglassen können. Zum Beispiel die Schilderung als Lauterbach mit seinem dreijährigen Sohn vorm Fernseher hockt und ihm versucht beizubringen statt nein" , Nein, danke" zu sagen, was ihm letzten Endes auch gelingt. Das ist vielleicht für den Vater selbst ein Erfolgserlebnis, was ihm in Erinnerung bleibt, den meisten Lesern interessiert das wahrscheinlich herzlich wenig. Seiner 2-jährigen Beziehung mit Dominique Lorenz hingegen widmet Lauterbach lediglich einige Sätze. Der 3-jährigen Beziehung mit Jenny Elvers immerhin schon eine ganze Seite.
Der Titel "Nichts ausgelassen" irritiert mich in diesem Zusammenhang schon sehr.
Dafür gibts dann seitenlange Ergüsse vom Set, wie sie langatmiger nicht sein könnten.
Zudem greift Lauterbach im Buch ständig auf abgedroschene Phrasen und Metaphern zurück, die scheinbar den Zweck verfolgen den Leser zu amüsieren, allerdings nur peinlich wirken. Ein guter Autor an seiner Seite hätte ihn hinsichtlich seines Schreibstils sicher besser beraten.
Mein Fazit: Alles in allem war ich doch sehr enttäuscht, ich hätte das Buch wohl lieber ausgelassen".
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Falscher Schwerpunkt, 5. März 2006
Im Gegensatz zu einigen Rezensenten, die Ihr Urteil lediglich auf die Person Lauterbach fokussieren, habe ich das Buch gelesen; mehr aus Neugier. Was schreibt so einer wie Lauterbach (bzw. lässt schreiben)? Mein Fazit: nichts von Bedeutung. Es ist auf die Dauer doch recht eintönig, wenn in erster Linie darüber schwadroniert wird, wer wann wo mit wem was (vor allem Alkohol, Drogen oder Sex) gemacht hat, insbesondere wenn es B/C- oder auch D-Promis sind, die dem Leser zugemutet werden. Offenbar hat Herr Lauterbach den Intellekt und das Niveau seiner Leser unterschätzt. So geben sich Machos eben. Dabei hätte die einmalige Chance bestanden, diesem Image einen anderen Lauterbach entgegenzusetzen. Vielleicht andere Schwerpunkte in seinem Leben mit mehr Tiefgang. So bleibt alles unpersönlich und oberflächlich, insbesondere für BILD-Leser geeignet. Schade, dass Herr Lauterbach nicht mehr zu bieten hat. Und eigentlich ist es auch sehr traurig!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|