Mit "Nichts als die Welt" hat der in Nairobi lebende Schweizer Journalist und Autor Georg Brunold eine von 154 Zeitzeugen dokumentierte Geschichte epochaler Umbrüche und weiterer markanter Ereignisse zusammengestellt, die sicherlich aufgrund ihres beinahe monumentalen Charakters ihresgleichen sucht. Der Titel meiner Rezension - ein Zitat von Winston Churchill, das sich auf der Rückseite des Buches findet - bringt die zugrundeliegende Intention dieser umfangreichen Sammlung von Reportagen und Augenzeugenberichten aus 2500 Jahren auf den Punkt: Durch den Blick in die Vergangenheit erschließt sich dem Menschen - und geneigten Leser - ein Gefühl für die immerwährende Präsenz von Geschichte in Gegenwart und Zukunft. Das Bewusstsein, Teil eines fortdauernden und in sich kohärenten geschichtlichen Prozesses zu sein, wird geschärft und das diesbezügliche Selbstverständnis erweitert.
Auszugsweise seien einige Verfasser, ihre Reportagen und das Jahr ihrer Entstehung genannt. So ergibt sich ein Überblick zur thematischen und zeitlichen Vielfalt der vom Herausgeber zusammengetragenen Originaltexte:
- Hippokrates: Fünf Krankheitsgeschichten, um 425 v. Chr.
- Tacitus: Nero läßt Rom niederbrennen, 64
- Lampert von Hersfeld: Heinrich IV. barfuß in Canossa, 1077
- Niketas Choniates: Die Kreuzfahrer erobern Konstantinopel, 1204
- Christoph Kolumbus: Um zwei Uhr morgens kam Land in Sicht, 1492
- Hernán Cortés: Und Moctezuma richtete folgende Worte an mich, 1519
- Daniel Defoe: Die Pest in London, 1665
- Napoleon Bonaparte: Ich, der Kaiser - seine Krönung, 1804
- Heinrich Heine: Polens Weiber, 1822
- Alexis de Tocqueville: Wie die Amerikaner die Künste pflegen, 1831
- Friedrich Engels: Konkurrenz der Irländer, 1845
- Walt Whitman: Die Ermordung Lincolns, 1865
- William Howard Russell: Die Schlacht von Sedan, 1870
- Mr. & Mrs. D. H. Bishop: Im Rettungsboot der Titanic, 1912
- John Reed: Sturm auf den Winterpalast, 1917
- Bernhard von Brentano: Berliner Postämter, 1926
- Egon Erwin Kisch: Bei Ford in Detroit, 1928
- Evelyn Waugh: Die Kaiserkrönung von Haile Selassie, 1930
- Janet Flanner: Hitlers Stimmbänder, 1936
- Ernest Hemingway: Wie wir nach Paris kamen, 1944
- Marcel Junod: Hiroshima, 1945
- Hannah Arendt: Eichmann in Jerusalem, 1961
- Michael Herr: Depeschen aus der Hölle von Vietnam, 1968
- Umberto Eco: Die achtziger Jahre waren grandios, 1990
- Hans Magnus Enzensberger: Ach Deutschland!, 2000
Ergänzt werden die Berichte um die "Bibliothek des Reporters" (nochmals knapp über 80 Seiten). Im Ganzen ein sehr beeindruckender Band voll lebendig wirkender, authentischer Berichterstattung, dessen Preis aufgrund seiner inhaltlichen und optischen Qualität aus meiner Sicht vollkommen gerechtfertigt ist. In diesem Zusammenhang möchte ich auch die Reportage-Sammlung "Die besten Reportagen aus 65 Jahren ZEIT-Geschehen" empfehlen [
Durch die ZEIT: Die besten Reportagen aus 65 Jahren], die 52 ausgewählte Reportagen von 1946 bis 2010 vereint.