Die Verfilmung von Judith Hermanns Erzählungen ist wirklich toll geworden. Zu sehen sind wunderbare Bilder von Landschaften, die das unbestimmte Innenleben der dargestellten Figuren treffend wiederspiegeln. Gesprochen wird tatsächlich nicht viel. Umso größer ist die Leistung der Schauspieler, denen es gelingt, die Charaktere nur durch Blicke, Gesten und Reaktionen greifbar zu machen. Respekt! Das Konsequent durchgeführte Cut up Verfahren, wie man es ja spätestens seit Pulp Fiction kennt, emöglicht es dem Zuschauer, das Gemeinsame der so unterschiedlichen Geschichten zu erkennen und zu begreifen. Und am Ende ist der Film eben mehr als nur die Summe seiner einzelnen Teile.
Bei Judith Hermann geht es immer sehr stark um das nicht gesagte, das nicht gesehene, oder, wie Bernd Scheffler mal geschrieben hat: um die geradezu sinnliche Gewissheit, [...] daß Musik, wenn sie bei uns angekommen ist, eben doch nicht mehr nur aus Tönen besteht, daß der interessantere Teil an jeder Literatur stets derjenige ist, der sprachlich überhaupt nicht erfasst wird. So verhält es sich dann auch bei der Verfilmung. Es ist dieser ganz besondere Klang, das, was in einem selbst zum Klingen gebracht wird, was die eigentliche Stärke und Leistung des Films ausmacht.
Es bleibt das Problem, das mancher schon beim Lesen der Bücher gehabt haben mag. Wer nicht dazu in der Lage ist, zwischen den Zeilen zu lesen und seine Aufmerksamkeit auf die Körpersprache zu konzentrieren, dem bleibt die Handlung verschlossen. Fans von Filmen, bei denen man schon vor Beginnn das Ende ahnt, sollten hiervon die Finger lassen.