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Nichts als Gespenster
 
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Nichts als Gespenster [Gebundene Ausgabe]

Judith Hermann
3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (61 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 317 Seiten
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 5., Aufl. (März 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 310033180X
  • ISBN-13: 978-3100331809
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,6 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (61 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 161.862 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Judith Hermann
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Mit dem Erfolg kommen die Ansprüche. Das musste auch Judith Hermann erfahren und ließ Kritiker und Leser über vier Jahre auf ein zweites Buch warten. Aber das Warten hat sich gelohnt: Wem Sommerhaus, später gefallen hat, wird von den neuen Erzählungen dieser Meisterin der gepflegten Schwermut begeistert sein. In sieben Variationen ihres Lieblingsthemas der unglücklichen Liebe und der allgemeinen Verlorenheit im Leben schickt Judith Hermann ihre Figuren in die Welt hinaus, obwohl den meisten das Reisen so suspekt ist wie der jungen Frau aus "Aqua Alta": "Zwei oder drei Tage vor dem Beginn einer Reise werde ich ängstlich, ohne Grund, alles scheint mir sinnlos, die Ferne, die Fremde, die Kontinente nicht anders als jeder Blick aus meinem Fenster, vier Wochen in einem unbekannten Land, wozu, denke ich, was soll da anders sein und was soll es mir nützen..."

Venedig, Prag und Karlsbad, die Wüste Nevadas, Island oder das Norwegen nördlich des Polarkreises -- in sämtlichen Erzählungen wird die gewohnte Umgebung hinter sich gelassen, und sei es auch nur eine Fahrt in die deutsche Provinz, wohin die Icherzählerin aus "Ruth (Freundinnen)" reist und sich in den Geliebten der besten Freundin verknallt. Nichts als Gespenster -- gespenstisch wirken die Hermann'schen Figuren tatsächlich oft, in ihrer Orientierungslosigkeit und Indifferenz, mit der sie durch ihr Dasein laufen.

Inhaltlich und stilistisch setzt die junge Berlinerin, die Sommerhaus, später mit einem Schlag zur erfolgreichen und gefeierten Autorin machte, auf das gleiche Pferd. Warum auch nicht. Andererseits hat sie sich durchaus weiter entwickelt: Ihre Geschichten sind länger (bis zu 60 Seiten) und durch den häufigen Einsatz unterschiedlicher Zeitebenen komplexer geworden. Und selbst einzelne Momente der Seeligkeit gönnt sie ihren Figuren nun hin und wieder, wie am Ende von "Die Liebe zu Ari Oskarsson", der letzten der sieben durchweg gelungenen Erzählungen: "... und wir legten die Köpfe in den Nacken und sahen das Nordlicht an, ins All geschleuderte Materie, ein Haufen heißer Elektronen, zerborstene Sterne, was weiß denn ich. "Und bist du jetzt glücklich?" sagte Owen atemlos, und ich sagte "Sehr." --Christian Stahl

Audiobook-Rezensionen

Judith Hermann, seit ihrem Erzählband „Sommerhaus, später“ von der Literaturkritik zur bedeutendsten deutschen Autorin erkoren, liest aus ihrem neuen Erzählband „Nichts als Gespenster“. Sie trägt drei der insgesamt sieben Liebesgeschichten vor: Betont unprätentiös, schlicht, lakonisch, im immer gleichen Rhythmus. Eine Autorenlesung, in der die Stimme den Inhalt passend transportiert.

Die Protagonisten dieser Storys sind alle auf der Suche nach sich selbst. Zu diesem Behufe reisen sie viel. Und auf diesen Reisen ist ihre Wahrnehmung geschärft, sie verfügen über eine genaue, detaillierte Beobachtungsgabe. In ihrem Leben passieren keine aufsehnerregenden Dinge; trotzdem sind es Leben, die es wert sind, gelebt zu werden. Gerade weil der Zufall eine so große Rolle spielt. In allen drei Geschichten lösen Momentaufnahmen, Augenblicke oder Sätze die weitere Entwicklung aus.

In der ersten „Ruth“ genannten Erzählung steht am Anfang der Satz „Versprich mir, dass Du niemals etwas mit ihm anfangen wirst.“ Und genau das passiert, obwohl sich die beiden engsten Freundinnen niemals für die Männer der anderen interessiert haben. Die Ich-Erzählerin reist nach Paris, und denkt doch nur an Raoul, den Mann, in den sich Ruth, die beste Freundin, unsterblich verliebt hat. Er ist für sie ein Versuch, etwas über das eigene Ich zu erfahren, eventuell über ihn etwas Festes im Leben zu erlangen. Nach dem schnellen Ende der Begegnung denkt sie über den von Raoul geäußerten Satz „Bis Du die, für die ich Dich halte?“ lange nach.

In „Nichts als Gespenster“ begegnen Ellen, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, und Felix, ein nicht ganz glückliches Paar aus Berlin, in einer Bar in Austin Buddy. Die beiden Deutschen reisen drei Monate lang von der Ost- zur Westküste. Buddy hat Austin bis auf ein einziges Mal nie verlassen. Er ist da geboren, verheiratet, hat einen kleinen Jungen. Seine unachtsame Bemerkung „Wir wüssten nicht, wie es ist, für ein Kind Turnschuhe zu kaufen ...“ wird für Ellen, Felix und das Kind, zurück in Berlin, eine große Bedeutung haben. Eine flüchtige Begegnung – nichts als Gespenster.

Judith Hermann, 1970 geboren, hatte mit ihrem Debüt-Erzählband einen fulminanten Erfolg: 250.000 mal wurde „Sommerhaus, später“ verkauft. Das Übermaß an Lob, das ihr zuteil wurde, hat sie schier erdrückt. Nach einer Zeit des Sammelns, und nachdem sie jetzt ein Kind hat, veröffentlichte sie nach vier Jahren ihr zweites Buch. „Nichts als Gespenster“ ist wieder eine Hommage an die winzigen Momente, an das Genre der Erzählung und an Autoren wie Raymond Carver und Alice Munro. Autorenlesung, Spieldauer: ca. 195 Minuten, 3 MC. Auch als CD erhältlich. -- culture.text -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Emotionales Treiben 1. Januar 2004
Format:Gebundene Ausgabe
So kurze Sätze, so kurze Geschichten, doch so prägnant und aussagekräftig. Judith Hermann hat mir, einem eingefleischten Romanliebhaber gezeigt, dass man auch Kurzgeschichten lieben kann.
In jedem ihrer Sätze stecken so viele Gefühle und Geständnisse. Über jeden ihrer Sätze lässt sich nachdenken und so viel Wertvolles entnehmen.
Sie beschreibt viele Sehnsüchte, die jeder wohl schon mal verspürt haben wird: eine alte Freundschaft, die den Punkte der innigsten Zuwendung verloren hat; das Altern der Eltern, die plötzlich nicht mehr die Kinder beschützen, sondern von den Kindern beschützt werden; die Erinnerungen an Jugendtage, in denen Beziehungen viel einfacher waren, weil noch so viele andere Erlebnisse zu kommen schienen; und so könnte man noch viel Momente der Vergänglichkeit nennen, die J. Hermann beschreibt, ohne dabei in unerträgliche Melancholie zu verfallen.
Auch wählt sie wunderschöne, obwohl einfache Schauplätze aus, an denen man sich aufgrund ihrer einmaligen Gabe des Beschreibens sogleich wieder findet: im warmen isländischen Freiluftpool einer Sommerhaussiedlung jedoch im Winter bei eiskalten Temperaturen, umgeben von Schnee und Eis; in der Kühle der Klimaanlage irgendwo in einem Motel in einer kleinen Siedlung in einer Wüste zwischen amerikanischer Ost- und Westküste;
Jede der sieben Kurzgeschichten nimmt gefangen und hält einen noch lange gedanklich darin fest, gibt Freiraum, um selber weiterzuträumen.
Ein unglaubliches Werk von einem unglaublichen Talent!
War diese Rezension für Sie hilfreich?
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Es stimmt tatsaechlich, Judith Hermanns zweitem Buch fehlt jene 'besondere' Stimmung, wie sie einige Geschichten des 'Sommerhaus spaeter' auszeichnete, stattdessen ist es eine realistisch gewordene und gleichsam bescheidene Judith Hermann, die von ihr immer wieder betonte Verstoerung dem allgemeinen Hype gegenueber spricht aus jeder Zeile ihres Buches, das weniger die grosse Illusion als die subtile Wirklichkeit sucht. Statt dem Symbol und dem Abstraktum wandelt sie selbst als Abstraktum eines tatsaechlich autistischen, damit aber erst recht realistischen Beobachters durch eine ihr im Grunde fremde Welt, sie bleibt nicht nur deutsch in Venedig, Tourist auf Island und allein in jedweden Begegnungen, ihre Rückwirkung auf die Aussenwelt selbst scheint auch abstrakt oder aber punktuell, gleichsam traumhaft zu sein. Ihr Durchscheinen in der Beobachtung laesst die Atmospahere der Orte dafuer hervortreten, etwa in 'Nichts als gespenster' die einer amerikanischen Kleinstsiedlung inmitten der Wueste, die Menschen scheinen uns in unglaublicher Dominanz zu begegnen, auch in der Dominanz einer Tristheit oder Ratlosigkeit, die Bilder sind so klar und nachhaltig und vor allem real, das man es erst merkt, nachdem man das Lesen unterbrochen hat: ihre Welt ist noch da. Es ist weder die grosse Unterhaltung noch der universale Deutungsversuch, stattdessen spricht eine Art Wirklichkeit aus Judith Hermanns Geschichten die vielleicht nicht meine Wirklichkeit ist, die aber eine moegliche, wahrscheinlich eine tatsaechlich existierende Welt beschreibt, und zwar virtuos beschreibt. Judith Hermann muss sich nebenbei gesagt nicht verantworten fuer die 'Lebenssicht' ihrer Figuren, wie das hier teilweise anklang, es handelt sich um Literatur, Literatur beschreibt Moeglichkeiten und entzieht sich ihrer Wertung (im besseren Falle); dass man neigt, sie selbst zur Rechenschaft zu ziehen, beweist vielmehr die Perfektion der vermittelten Welt. Dass ihre Welt trist ist, ist zumindest ein Monitor eines moeglichen Seins, wie ich glaube eines nicht zu seltenen.
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Depressive Ästhetik 17. März 2003
Von Tapir1962
Format:Gebundene Ausgabe
Um es vorweg zu sagen: ich habe "Sommerhaus, später" nicht gelesen, sondern bin lediglich den vielen Empfehlungen gefolgt, endlich mal ein Buch von Judith Hermann zu lesen und da "Nichts als Gespenster" das aktuellere war, habe ich mich eben dafür entschieden. Einen direkten Vergleich kann ich also nicht anstellen.
Gemessen an den Vorschußlorbeeren fand ich "Nichts als Gespenster" allerdings ziemlich schwach. Judith Hermans' Stil ist zwar sprachlich beeindruckend, aber den Geschichten fehlt die erzählerische Energie. Eigentlich passiert nichts, sondern es wird nur beschrieben. Die Personen wirken alle entsetzlich blutarm oder reif für eine gründliche therapeutische Generalüberholung. Jeder ist unheimlich traurig oder irgendwie nicht richtig in der Welt, Kommunikation führt grundsätzlich nur zu Mißverständnissen und spätestens nach der dritten oder vierten Geschichte sehnt man sich nach etwas Leben, etwas Energie, etwas Leidenschaft. Obwohl es beispielsweise immer um Beziehungen geht, kommt Erotik als Gefühl oder Stimmung nicht vor. Und die stereotype Wiederholung von Tätigkeiten (Bahnfahren, Zigarettendrehen) ist ja schon ausgiebig behandelt worden.
Die Geschichten unterscheiden sich durchaus in ihrer Qualität und jede einzelne würde in einer Anthologie möglicherweise ganz anders wirken. Sie hintereinander lesen ist aber wegen der sehr ähnlichen, depressiven Grundstimmung schwierig und insgesamt einfach nicht unterhaltend genug - irgendwie weiß man nach der dritten Geschichte schon wie die Stimmung der fünften sein wird.
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