Seit dem 10. Oktober ist Nichts als Erlösung", Judith Kriegers fünfter Fall im Handel erhältlich. Das Cover kommt eigentlich recht unscheinbar daher und hinterlässt doch einen bleibenden Eindruck. Überwiegend in grau gehalten, wirkt das alte Zimmer, das aufgrund der sichtbar verlaufenden Heizungsrohre und der Größe des Raumes auf eine Schule oder ein Internat hindeutet, etwas kalt und leer. Einzig das kleine Mädchen in einem roten Kleid, welches auf ein Fenster zueilt, bringt etwas Farbe und somit auch Wärme ins Spiel. Spätestens nachdem man den Klappentext gelesen hat, weiß man, dass das Cover sehr gut zum Thema passt.
Gisa Klönnes Krimi befasst sich mit einem sehr brisanten Thema aus der Vergangenheit - der Zeit des Nationalsozialismus. Schon ziemlich zu Beginn des Buches wird der Leser mit einer gesichtslosen Leiche konfrontiert. Bei den Nachforschungen stoßen Kriminalhauptkommissarin Judith Krieger und ihr Kollege Manni Korzilius auf eine 20 Jahre zurückliegende Familientragödie. Ein angerichtetes Blutbad, bei dem die Opfer allerdings nie aufgefunden wurden - einziger Überlebender war Jonas Vollenweider, der Sohn, der damals selbst unter Mordverdacht geriet. Nachweisen konnte man ihm allerdings nie etwas. Nun ist Jonas Vollenweider selber Opfer eines grausamen Mordes geworden und sosehr sich die Ermittler auch ins Zeug legen, die Spur führt immer wieder zum Kinderheim Frohsinn", welches in den 60er Jahren von Jonas Vollenweiders Eltern geleitet wurde. Nach und nach kommen die damaligen Nazi-Erziehungsmethoden der Vollenweiders ans Licht. Von abgeschobenen Kindern ist die Rede, die aufs äußerste gedemütigt und misshandelt wurden. Der Verdacht liegt nahe, dass sich eines der ehemaligen Heimkinder vielleicht an den Vollenweiders rächen wollte ...
Gisa Klönne hat mit Nichts als Erlösung" einen sehr ruhigen aber auf jeden Fall auch sehr nachdrücklichen Krimi geschrieben. Wer Action erwartet, wird hier vergebens suchen. Die Handlung plätschert eher ruhig vor sich hin. Zwar wird durch die verschiedenen Erzählperspektiven das Ganze etwas aufgelockert, aber leider stört das auch ganz erheblich den Lesefluss. Der Schreibstil der Autorin ist etwas gewöhnungsbedürftig, aufgrund der detaillierten Erklärungen, die sich oft über Seiten hinziehen. Hier blieb meine Konzentration manchmal etwas auf der Strecke und ich war des Öfteren versucht, ein paar Absätze zu überspringen. Die Handlung jedoch war zu keinem Zeitpunkt langweilig. Ganz im Gegenteil: besonders die Passagen zum Thema Kindeserziehung zu Hitlers Zeiten haben mich interessiert. Hier hat Gisa Klönne viel Zeit in die Recherche investiert. Im Nachwort erwähnt sie auch noch einmal, dass das Kinderheim Frohsinn nur ein Produkt ihrer Fantasie ist, nicht aber die Daten und Fakten zur Geschichte der Heimkinder im Deutschland der Nachkriegszeit. Ihre Angaben zu den Erziehungsmethoden basieren auf dem Erziehungsratgeber von Johanna Haarer. Ich habe ob der absurden Ansichten dieser Frau immer nur wieder mit dem Kopf schütteln können. Die Autorin selbst schreibt, dass es ihr in diesem Fall vorrangig darum ging, zu zeigen, welch zerstörerisches und menschenverachtendes Potenzial das aus der NS-Zeit tradierte Erziehungsbild mit seinen perfiden Züchtigungsmethoden entfaltet hat - und wie lange es auch nach 1945 noch weiterwirkte.
Fast schon geneigt, dem Täter so etwas wie Verständnis entgegenzubringen, habe ich immer vergeblich versucht, heraus zu finden, wer der Mörder sein könnte und ob, und wenn ja, wie der Täter mit der Ermittlerin Judith Krieger in Verbindung steht. Aber es ist mir die ganze Zeit über nicht gelungen, den Kreis der Verdächtigen so weit einzugrenzen, dass ich ihn ausfindig machen konnte. Von daher würde ich die Auflösung des Falles als nicht unbedingt vorhersehbar einstufen. Apropos Ermittlerin: Judith Krieger bleibt mir als Protagonistin irgendwie zu blass und ich konnte keine Verbindung zu ihr aufzubauen. Sie wirkt sehr unnahbar auf mich - ganz im Gegensatz zu ihrem Kollegen Manni Korzilius. Hier ist es der Autorin sehr gut gelungen, seine Gefühle und seinen Gewissenskonflikt rüber zu bringen. Er hat mir als Figur von seiner ganzen Entwicklung her noch am besten gefallen.
Im Zuge der Ermittlungen führt der Weg Judith Krieger unter anderem zur Insel Samos nach Griechenland. Die Beschreibungen sind zwar schon sehr detailliert und es stellte sich bei mir zwangsläufig der Wunsch nach einem Urlaub ein, aber wer sich die Mühe macht und mal die Homepage der Autorin besucht, der kann die Schauplätze ihrer Bücher noch einmal in Form von Fotos nachvollziehen. Futter für das Kopfkino, welches in meinen Augen ein ganz dicker Pluspunkt ist. Dort findet man sogar ein Foto der dreifarbigen Katze, die in dem Buch vorkommt. Unter den Fotos sind die jeweiligen Textpassagen aus dem Buch aufgeführt. Und spätestens nach diesen Fotos möchte man am liebsten gleich einen Flug buchen.
Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in das Buch geben und habe mich auch extra eher mit den weniger" relevanten Dingen aufgehalten, damit ich nicht zu viel verrate. Empfehlen kann ich dieses Buch den Lesern, die auch gerne mal etwas ruhigere und ausführlichere Krimis lesen und sich nicht an langen und detaillierten Beschreibungen stören. Spannung ist immer vorhanden, aber Action wird man vergeblich suchen. Wer sich an den von mir aufgezählten negativen Dingen nicht stört, wird seine Freude an dem neuen Band von Gisa Klönne haben. Ich vergebe in diesem Fall vier Sterne.