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am 10. August 2015
Dass das Buch mir in stilistischer Hinsicht nicht gefallen mag, das sei einmal dahin gestellt (immerhin ist das einizg und allein Geschmacksache). Dass es allerdings einen gewaltigen logischen Fehler aufweist, das ist meiner Meinung nach der weitaus entscheidendere Punkt: Was finden wir in dem Buch vor? Stein des Anstoßes ist ein Junge, der davon überzeugt (!) ist, dass nichts eine Bedeutung hat und aus dem Grund die gesamte Handlung über auf einem Baum sitzt und seine Mitschüler aktiv (!) mit Zitaten und Pflaumen bewirft - wer eine Überzeugung hat, und sei diese auch, dass nichts eine Bedeutung hat, und diese so vehement vertritt, der misst dieser Überzeugung auch Bedeutung bei, nämlich in der Form, dass diese wahr ist. Und wer etwas Bedeutung beimisst und sehr darauf beharrt, wie die Figur des Pierre-Anton, der tut genau das Gegenteil von jemandem, der davon überzeugt ist, dass nichts eine Bedeutung hat, denn diese Person müsste folgerichtig - genau! - NICHTS unternehmen.
Leider wäre das Buch so sehr schnell zu Ende und somit muss Pierre-Anton (fast) den Rest des Buches auf dem Baum ausharren; dass auch sein Wille, auf dem Baum bleiben zu wollen, keine Bedeutung hat, darauf kommt keiner - auch er selbst nicht, der ja sonst alles durchschaut.
Der Berg an Bedeutungen wächst somit stetig und damit auch die Erkenntnis, dass in dem Buch irgendetwas gewaltig nicht stimmt.
Gerade WEIL es als so "mutig und brutal" (Zitat "Die Welt", in schönstem Pink auf das Buch geklebt) gelobt wird, soll es schließlich wohl etwas zeigen (Eine Welt ohne Moral und Werte ist schlecht? DEN Sinn des Lebens gibt es nicht? Sinnvoll ist nur das, was DU für sinnvoll erachtest?...), macht dies aber an einer Figur fest, die vom Gegenteil überzeugt ist und dafür letzten Endes mit dem Leben bezahlt (was ja, so nebenbei, nach der Überzeugung der Figur auch nicht wirklich schlimm ist, denn es gibt ja nichts von Bedeutung).
Im besten Falle will das Buch das, was schon der Titel sagt: Nichts - und dann muss man es nicht lesen!
Im schlimmsten Falle führt es nach einigem Nachdenken dazu, dass man für seine Bedeutungen und Überzeugungen bloß einzustehen und zu kämpfen hat - was dann eine recht extremistische Denkweise bedeutet und auch dann muss man das Buch nicht lesen.
Nunja, ich habe das Buch gelesen, als die Sonne schien und ich draußen saß - das ist gut, denn ich hätte an dem Tag sowieso NICHTS besseres zu tun gehabt - einen Platz auf der "Pflichtschullektüren-Skala" hat es meiner Meinung nach jedoch garantiert nicht verdient - schade eigentlich, denn die Thematik an sich (Was ist von Bedeutung/nicht von Bedeutung) ist durchaus spannend!
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am 18. Dezember 2014
Als der 14-jährige Pierre Anthon seine Klasse mit den Worten verlässt »Nichts bedeutet irgendetwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun«, stehen seine Mitschüler unter Schock. Denn kann es wirklich sein, dass nichts eine Bedeutung hat? Nicht die erste Liebe? Nicht das Lernen in der Schule? Nicht das Elternhaus, die Geschwister, der Glaube an Gott oder das eigene Land? Gemeinsam wollen die Schüler dem aufsässigen Pierre Anthon das Gegenteil beweisen und sammeln auf einem Berg der Bedeutung alles, was ihnen lieb und teuer ist. Doch was harmlos beginnt, wird bald zu einem Experiment, in dem es kein Halt und keine Grenzen mehr gibt - als selbst Tiere geopfert werden, ein Finger und die Unschuld eines Mädchens ...

Als ich das Buch fertig hatte, musste ich erst einmal nochmal nachschauen, in welcher Klasse die Charaktere sind und ich war geschockt, dass sie tatsächlich erst in der 7. sind.

An einer Stelle des Buches, wird der Berg der Bedeutung „makaber“ genannt, aber das ist noch eine Untertreibung. Ab einem gewissen Punkt war es einfach nur noch grausam. Ich habe mir das Hörbuch angehört und das war gut so (oder schlecht, je nachdem, wie man es betrachtet). Hätte ich dieses Buch tatsächlich gelesen, hätte ich es noch vor der Hälfte abgebrochen. Spätestens nachdem auf diesen Berg der Sarg eines kleinen Kindes gewandert ist, habe ich es aufgegeben, dem ganzen irgendetwas abgewinnen zu wollen. Wieso macht tut man sowas? Um einem 14-jährigen Kind zu beweisen, dass das Leben einen Sinn hat? Wozu? Es kann den Mitschülern doch egal sein, was Pierre Anthon denkt. Wenn er das Leben für sinnlos hält, dann ist das seine Sache und die anderen sollen nicht glauben, dass sie ihn unbedingt umstimmen müssen. Im äußersten Fall hätten sie sich an einen Erwachsenen wenden können, falls es sie wirklich so sehr gestört hat.

Pierre Anthon hätte auch nicht auf einem Baum sitzen und seine „Weisheiten“ hinausrufen müssen. Wie eben schon gesagt, es ist seine Meinung, die er meinetwegen haben kann, die er aber keinem anderen aufzwingen darf. Wobei ich mich auch gefragt habe, was bloß mit seinen Eltern los war. Wie kommt es, dass Pierre Anthon der Schule fern blieb und das ganze Jahr auf dem Baum im Garten saß und weder Vater, noch Mutter irgendetwas dazu zu sagen hatten?

Und nun zum Berg der Bedeutung. Bedeutsam war er auf jeden Fall nicht. Vielmehr ging es darum, dem anderen eine reinzuwürgen und ihm etwas noch größeres wegzunehmen, um nicht der zu sein, der den größten Verlust erleiden muss. Aber fast noch schlimmer finde ich, dass die Kinder für das Ganze nicht ernsthaft bestraft wurden. Sie töten einen Hund, schneiden einen Finger ab, zwingen ein Mädchen dazu, ihre Unschuld zu verlieren und bekommen trotzdem noch ganz normal Weihnachtsgeschenke wie jedes Jahr. Die einzige wirkliche Strafe sind ein paar Wochen Hausarrest. Als der Berg der Bedeutung weltberühmt wird und sogar als Kunst angesehen wird, werden die Schüler der Klasse dann als Helden gefeiert. Wofür? Für die schon genannten Grausamkeiten? Dafür, dass sie sich etwas getraut haben, dass es bis dahin so noch nicht gab? Überhaupt kann ich gar nicht verstehen, wie man einen abgetrennten Hundekopf ernsthaft als Kunst bezeichnen kann. Da sind nicht nur die Kinder verrückt geworden, überhaupt so etwas zu tun, sondern auch alle Anderen, die das scheinbar gar nicht einschätzen können, was das eigentlich ist.

Zur Autorin:

Janne Teller entstammt einer deutsch-österreichischen Familie, wurde aber in Kopenhagen geboren, wo sie auch aufwuchs. Nach einem BWL-Studium arbeitete sie erfolgreich für die UNO und die EU auf verschiedenen Orte der Erde. Im Jahre 1995 begann sie hauptberuflich zu schreiben und lebt abwechselnd in New York, Paris, Mailand und ihrer Heimatstadt Kopenhagen. Vorallem ihr Jugendroman "Intet", im Deutschen "Nichts" wurde kontrovers diskutiert. Doch sie erhielt für diesen Roman sowohl den Jugendbuchpreis des dänischen Kulturministeriums sowie den Le Prix Libbylit. Tellers Bücher wurden in diverse Sprachen übersetzt.

Fazit

Jedes Buch hat eine gute Seite und bei „Nichts“ war es die letzte. Ich war froh, als die Geschichte endlich zu Ende war und bin sehr enttäuscht, da ich bisher wirklich nur Gutes von dem Buch gehört habe. Schade.
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TOP 500 REZENSENTam 23. März 2014
Ich weiß gar nicht so recht, wo ich mit der Rezension anfangen soll.

Das Buch hat international viele renommierte Preise gewonnen und wird in zahlreichen Schulen als Pflichtlektüre eingesetzt; es wurde aber auch schon an Schulen verboten, wie z.B. ursprünglich im Heimatland der Autorin, Dänemark. Auf Amazon gibt es achtzig 5-Sterne-Bewertungen, aber auch dreißig 1-Stern-Bewertungen. Eins ist klar: an diesem Buch scheiden sich die Geister. Ist das einfach das unvermeidliche Merkmal eines Buches, das zum Nachdenken anregt und den Leser dazu bringt, seine eigene Meinung zu hinterfragen? Vielleicht sogar eine Grundvorraussetzung? Oder liegt es daran, dass die Autorin im Versuch zu provozieren geradezu eine Checkliste der Provokationen abhakt?

Wie der Klappentext schon verrät: hier werden Tiere getötet, Mitschüler verstümmelt oder vergewaltigt... Auch vor Grabschändung wird nicht haltgemacht. Mich ließ das alles überraschend kalt; bestenfalls hat es mich unangenehm berührt. Aber die Augen geöffnet oder neue Denkansätze in Gang gesetzt hat es für mich nicht. Die Autorin hat einmal gesagt, die Erwachsenen würden Kindern das Buch nicht zutrauen - ich traue es Kindern zu und glaube auch nicht, dass das Buch verboten werden sollte, ich weiß nur nicht, welchen Gewinn sie daraus ziehen sollen.

Die Geschichte ist sicher originell, und sie bietet eigentlich so viele Möglichkeiten... Ein Junge beschließt, dass das Leben sinnlos ist, und seine Mitschüler tun sich zusammen, ihm das Gegenteil zu beweisen - was für ein Spannungspotential! Aber schon nach kurzer Zeit fragte ich mich: was will die Autorin mir eigentlich sagen? Der Junge hat Recht und das Leben IST sinnlos? Dann ist auch das Buch irgendwie sinnlos, und das ist eine unbefriedigende Ausbeute.

Als Schullektüre finde ich es auch etwas merkwürdig - am gleichen Ort, an dem Schülern normalerweise eingetrichtert wird, dass sie für das Leben lernen sollen, wird ihnen jetzt gesagt, das sowieso alles egal ist und sie sich gar nicht erst anstrengen müssen.

Ich musste öfter an "Herr der Fliegen" denken, aber wo dieser Klassiker einen immer noch trifft wie ein Schlag in den Magen, hat "Nichts" mir nur einen schalen Geschmack im Mund beschert. Ersteres zeigt einem die Abgründe und Gefahren menschlicher Gemeinschaft, letzteres zeigt einem... Das Gleiche verwässert, wobei die eigentliche Botschaft was ist - Gleichgültigkeit? So etwas wie Bedeutung gibt es nicht?

Ich glaube, ein Hauptproblem waren für mich die Charaktere. Wo ich bei "Herr der Fliegen" mit Ralph, Piggy, Sam, Eric etc mitgefiebert habe, bleiben Anthon, Agnes, Sofie und die Anderen für mich blass und blutleer. Wir erfahren noch nicht einmal, wie Pierre Anthon zu seiner Erkenntnis gekommen ist. Es ist einfach, und andere Dinge sind einfach nicht.

Auch der Schreibstil ist mir persönlich zu nüchtern. Ich kann mir nicht helfen - ich fühle mich, als hätte ich einen Test nicht bestanden, als würde ich etwas Essentielles an diesem Roman nicht begreifen, aber das Buch gibt mir... einfach Nichts.

Ich denke, "Nichts" ist ein Buch, vom dem man weder endgültig abraten noch es 100%ig empfehlen kann. Was es einem gibt oder nicht gibt, das muss jeder selbst entscheiden. Zumindest insofern war es für mich ein erfolgreiches philosophisches Werk.
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am 24. September 2010
Ich habe das Buch, wie einer der anderen Rezensenten auch, gelesen weil mich ein Beitrag im ARD Magazin ttt" darauf aufmerksam und schließlich ziemlich neugierig gemacht hat.

Ich habe es an einem einzigen Tag gelesen, was zwei Gründe hatte. Zum einen ist es ein kurzes Buch. Zum anderen ist es ein hypnotisches Buch. Ich konnte es schlicht nicht mehr aus der Hand legen.

Ist es ein makelloses Buch?

Nein, das ist es nicht. Das ist auch nicht wichtig. Meisterwerke sind nicht Meisterwerke weil sie makellos sind, sondern weil sie etwas Essenzielles unvergleichlich einfangen, das sie bedeutungsvoll macht, und sie, sozusagen, aus der Zeit fallen lässt.
Dieses Buch fällt aus der Zeit...

Wie Janne Teller hier mit unheimlicher Konsequenz und fast wagemutiger Kühnheit ihr Konzept völlig unbeeindruckt von den sonst für Jugendbücher geltenden Regeln in aller grausamen Konsequenz auf hohem Niveau durchzieht und gnadenlos zu Ende denkt - das ist eine tour de force vor der ich den Hut ziehe.

Nichts. Was im Leben wichtig ist" (man beachte wie bereits Titel und Untertitel in verschiedenen möglichen Deutungen doppelbödig miteinander zu spielen scheinen) erzählt, aus der Sicht der erstaunlich distanzierten Ich- Erzählerin Agnes, die als Fabel gebaute und ganz und gar nicht so realistische Geschichte einer siebten Klasse am Gymnasium der dänischen Kleinstadt Taering. Und sie erzählt, wie diese Klasse sich verändert, nachdem einer der Mitschüler, Pierre Anthon, plötzlich seine sieben Sachen in den Schulranzen packt und die laufende Unterrichtsstunde verlässt, weil das Leben sinnlos ist, da wir sowieso alle sterben müssen.

Nichts, so sagt er, sei im Leben von Bedeutung.

Von da an sitzt Pierre Anthon auf einem Pflaumenbaum und bewirft seine früheren Mitschüler mit Pflaumen und mit Wahrheiten, die einem Nietzsche Ehre gemacht hätten, und irgendwie gar nicht wirkten als stammten sie aus dem Mund eines Siebtkläßlers. Er bewirft sie - und beunruhigt sie. Verängstigt sie. Verstört sie. Sehr.

Er könnte nämlich Recht haben...

Irgendwann fühlt die Klasse sich gezwungen etwas zu unternehmen, damit der, der nicht Recht behalten darf, nicht Recht behalten kann.

Der Plan: Im alten Sägewerk werden allerlei die Dinge zusammen getragen, Gegenstände hauptsächlich, die Menschen etwas bedeuten, mit diesem "Berg aus Bedeutung" , den er begutachten soll, wenn er denn fertiggestellt ist, soll Pierre Anthon überzeugt werden, das es mindestens eine Sache im Leben eines Menschen gibt, geben muss, die von Bedeutung ist.

Irgendwann fällt den Kindern auf, dass sie bisher nur Dinge zusammengetragen haben von denen sie sich leicht trennen konnten, die im Sägewerk zurückzulassen ihnen keinen Schmerz bereitet hat. Damit wird man den Störgeist kaum überzeugen können; diese ehrliche Erkenntnis führt unheilvoll zum nächsten Schritt:

Jetzt muss reihum, jeweils bestimmt von den Mitschülern, jeder sein Liebstes, sein Allerliebstes, opfern.

Egal wie weh es tut, egal was die Folgen sind, oder wie ungeheuerlich es ist - und von diesem Augenblick an, da der Geheimplan sich mit Machtspiel, Gruppendynamik, unterschwelligen Konflikten, gährenden Freund- und Feindschaften vermischt, läuft das Kinderspiel in atemberaubender Geschwindigkeit, wie ein Strudel dem nichts und niemand entkommen kann , völlig aus dem Gleis, wird zu einer schrecklichen und grausamen Kaskade der Opferungen, die unaufhaltsam auf ein schreckliches Ende zurast...

Und dieses Ende hat es in sich. Zumal der Leser manches, aber mitnichten alles kommen sehen, und sich daher auf einen ziemlichen Schlag in die Magengrube einstellen kann...

Zwar kann man der Erzählung vorwerfen, dass der Auslöser für das alles, die Verunsicherung durch philosophische Fragen, wohl kaum eine glaubwürdige Motivation darstellt, die Kinder dazu bringen würde einen so komplexen und altruistischen Plan zu schmieden, und sich ihm bis zur Selbstentleibung hinzugeben, besonders da der Gefühlszustand der Verstörung nur sehr andeutungsweise herausgearbeitet ist. Man kann auch anmahnen, dass es diesem Roman an Realismus mangelt, aber wenn man an alle Literatur mit dieser Forderung herantritt, was, darf man fragen, bleibt dann noch übrig? Auch die mangelnde Ausarbeitung der Figuren, die einem, einschließlich der Protagonistin, niemals wirklich seelisch, gefühlsmäßig nahekommen, könnte man anprangern -

- ABER wenn man sich bewusst macht, dass man es hier mir der Gattung der Parabel zu tun hat, erklären sich diese Umstände fast alle von selbst, alles was unklar scheint fällt an seinen richtigen Platz. Und wenn man bedenkt wer einem die Geschichte da erzählt, und was diese Figur zuvor durchlebt hat, wie die Geschehnisse sie gezeichnet haben, dann versteht man plötzlich, dass diese Person die Geschichte nicht anders erzählen konnte, und dass die seltsame Distanz in der Erzählweise kein Mangel, sondern Teil der ungeheuren Konsequenz ist mit der die Autorin ihre Fabel gestaltet hat.

Was bleibt ist ein sehr starkes Jugendbuch mit ungemein vielschichtiger, präziser, scharfer Sprache, die auch die letzte Doppeldeutigkeit noch bis in den dunkelsten Winkel ausleuchtet, ein Jugendbuch von starkem substanziellem Gehalt, das den Leser regelrecht mit Gewalt zwingt sich zu positionieren, ein Jugendbuch von aufreizender philosophischer Tiefenschärfe, das an jene dunklen, düsteren Orte geht, die Bücher wie dieses im Normalfall meiden, ein Jugendbuch von solchem Rang dass auch erwachsene Leser von dieser Reise ins Herz der Dunkelheit keinesfalls unberührt zurückkehren werden...

Ist das Buch geeignet für Kinder geeignet? Definitiv nicht.

Für Jugendliche ab 13, 14 Jahren hingegen scheint es mir, wenn die Lektüre gemeinsam erfolgt und unter Begleitung von Erwachsenen oder Lehrern, durchaus zumutbar zu sein. Ich glaube auch, dass man es zumuten sollte. Es womöglich zumuten muss.

Die Frage, was im Leben von Bedeutung ist, kann und darf auch Jugendlichen nicht erspart werden. Sie muss gestellt werden. Und jeder Mensch, auch ein sehr junger, muss darauf eine Antwort finden. Irgendeine Antwort.

Und wenn dieses starke, provokante, dünne Buch dazu einen Beitrag leistet, diese Diskussion in aller Ehrlichkeit und, ja, auch Härte zu ermöglichen, dann kann man sagen

"Nichts" ist im Leben wichtig.
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am 12. August 2011
Hätte 'Nichts' nicht auf meinem Bücherzettel für die Schule gestanden, hätte ich es wahrscheinlich nie in die Hand genommen. Zugegeben, es ist nicht gerade die Art von Buch, die ich in meiner Freizeit lese, aber normalerweise lasse ich mich gern auf etwas Neues ein. Hier war ich jedoch schon von Anfang an skeptisch, da mich ein derartiger Hype um ein solches Buch meistens eher abschreckt.
Ich denke, zum Inhalt ist schon oft genug etwas gesagt worden, allerdings finde ich weder den Text hinten auf dem Buch noch den Sticker auf dem Cover wirklich sinnvoll. 'Ein brutales und mutiges Buch' - das brutal steht an erster Stelle und es stimmt. Mir kam es so vor, als hätte die Autorin ihr ganzes schriftstellerisches Talent darauf verwandt, diese brutalen Stellen auszuschmücken, während der Rest fad, grau und langweilig ist.
Die Charaktere - wenn man sie überhaupt so nennen kann, denn genau das fehlt ihnen, Charakter - sind etwa 12jährige Jungen und Mädchen, die wie hohle Roboter ohne Gehirn wirken. Jeder Mensch möchte anderen etwas beweisen oder sie von seiner Sache überzeugen, aber dabei so weit zu gehen, einem Freund den Finger abzuhacken oder ein Mädchen zu vergewaltigen? Mir kommt das einfach absurd vor. Auch der Schreibstil ist mir mehr als einmal auf die Nerven gegangen. Simpel, neutral, ständige Wiederholungen. Das weist natürlich auch noch mal auf das eigentliche Thema des Buches - die Suche nach Bedeutung, Nihilismus - hin, aber gut zu lesen ist es nicht.
Ich kann mit diesem Buch einfach nichts anfangen. Ja, es behandelt ein wichtiges Thema, aber wo ist es mutig? Die Autorin schreibt brutale Stellen, die provozieren und mich jedenfalls kein bisschen zum Nachdenken anregen (und nein, ich lese nicht nur 0815 Bücher). Manchmal war ich so angewidert, dass ich das Buch weggelegt habe, und wenn ich es nicht für die Schule hätte lesen müssen, wäre es nach den ersten 2 Kapiteln wieder im Bücherschrank gelandet.
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am 23. Juni 2013
Warum "NICHTS – was im Leben wichtig ist" einen solchen Hype verursacht hat, kann ich nicht nachvollziehen.

Ich (16 Jahre) finde das Buch realitätsfern und den Inhalt maßlos übertrieben. (Warum bitte sollte sich ein 7. Klässler einfach so auf einen Pflaumenbaum setzen und nicht mehr runter gehen wollen? Oder warum greifen die Erwachsenen, also z.B. Eltern und Lehrer, nicht schon viel früher ein? Ein solches Unterfangen kann unmöglich so lange unentdeckt bleiben…). Für mich ist es daher einfach nur schleierhaft, was sich die Autorin dabei gedacht hat und ich kann nicht nachvollziehen, was der Sinn des Buches sein soll…
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am 12. Juli 2014
Ich verstehe, warum dieses Buch so viel positive Kritik erhalten hat.Jugend Bücher scheinen seit einigen Jahren von Trivialitäten nur so zu wimmeln, während Janne Teller es hier wagt, quasi die essentiellste Frage der Menschheit anzugehen. Die ehrbare Absicht ist, wie bei einigen Jugendbüchern, die ich vor 20 Jahren gelesen habe, desaströs. Dem Buch gelingt es nicht, ein andere Weltanschauung als den Nihilismus zu vermitteln. Wieso eigentlich nicht? Hat die Philosophie denn nichts anderes hervor gebracht als die Erkenntnis, dass das Leben keinen Sinn hat und man sich ergo auch gleich die Kugel geben kann? Dass Sinnsuche ein Gewaltakt ist und nicht einfach viel denken? Welchen Wunsch hätte das Buch in mir ausgelöst, hätte ich es als vierzehnjährige gelesen? Den Wunsch Philosophie zu studieren oder doch eher - wie ich auch nach Gudrun Pausewangs Büchern nie wieder über Atomkraft nachdenken wollte - den Wunsch, nie wieder über den Sinn des Lebens und die grundsätzliche Minderwertigkeit der Spezies Mensch an sich - nachzudenken? Es ist schon erstaunlich, was Jugendlichen in Büchern zugemutet wird. Die Beschreibung eines Ermordeten ist hier nur der Gipfel. Gutes Thema, aber wieso auf diese Weise, ddass man den Wunsch junger Menschen, nur noch Geschriebenes mit allzu trivialem Inhalt zu lesen allzu gut verstehen kann?
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am 14. Februar 2015
Also, da ich in der Schule dazu gezwungen wurde mich durch dieses ein wenig seltsame Werk durchzukämpfen, hier mal eine kleine Rezension:
[Achtung: Spoileralarm]
In dem Buch geht es kurz gesagt um eine Schulklasse, deren Mitschüler Pierre Anthon eines Tages aufsteht und den Klassenraum mit den Worten "Nichts bedeutet irgendetwas, das weis ich schon lange, darum lohnt es sich nicht irgendetwas zu tun, das habe ich grade herrausgefunden" verlässt. Die Schüler, die sich zu diesem Zeitpunkt im raum befanden, reagieren verwirrt auf diese Aussage. Obwohl sie für sich wussten, dass diese Aussage nicht stimmt, wussten sie doch, dass auch irgentetwas wahres dahinter sein muss. Daraufhin beginnt die Suche der Schüler nach der Bedeutung, die zunächst harmlos anfängt, die allerdings eskaliert, als eine der Schülerinnen auf die Idee kommt, einen Berg aus Bedeutung anzuhäufen. Anfänglich fanden hier nur Dinge wie Fussbälle, Schuhe und Comics seinen Platz, doch schon bald begreifen die Schüler: Umso mehr etwas weh tut, umso größer die Bedeutung. Basierend auf diesem Grundgedanken, häufen sich im laufe der Zeit neben einem Hamster auch ein Sark und ein Gebetsteppich an. Die Lage eskaliert, als eine der Mitschülerinnen durch die Suche nach der Bedeutung ihre "Unschuld" abgeben muss. Kurz darauf ist zu sehen, dass besagte Schülerin starke psychische Probleme hat, was sich auch an den Gegenständen zeigt, die im Laufe der Zeit auf dem Berg zu finden sind. Neben einem Hundekopf, liegt auch schon bald der Zeigefinger eines Mitschülers auf dem Berg, dessen Abtrennung meiner Meinung nach für ein Buch, dass keinen Thriller darstellen soll, etwas zu genau beschrieben wurde. Letztenendes kommt es so, wie es kommen musste. Besagter Schüler, der den Finger verlor, ließ das ganze auffliegen. Schon bald spricht die ganze Welt vom Berg aus Bedeutung, für die Schüler mehr als Bestätigung, dass ihr Berg etwas bedeutet. Dennoch können sie ihr ursprüngliches Ziel, Pierre Anthon zu überzeugen, nicht erreichen, was die Schüler nochmehr mitnimmt, nachdem die Weltmedien ihren kleinen Ort wieder verlassen. Kurz gesagt: Sie bringen Pierre Anthon um, verbrennen seine Leiche und lassen es wie einen Unfall aussehen. Letztendlich werden die alle auf verschiedene Schulen geschickt, die Mitschülerin, die ihre Unschuld verlor, wird verständlicherweise sogar in die Klappsmühle geschickt. ENDE
[Spoileralarm beendet]
Trotz der ein wenig seltsamen Story, beschäftigt dich das Buch doch insgesamt mit einem interessanten Thema: Wann ist etwas wirklich bedeutend. Ich muss sagen, es ist äußerst interessant zu sehen, wie sich die Charakterzüge einzelner Protagonisten im Laufe des Buches verändern, insbesonders hierbei Sofie. Die Autorin spielt mit den Gefühlen/Gedanken der Personen derartig einzigartig, dass man sich als Leser einfach im Nachhinein mehr mit dem Buch beschäftigt und auch viel über die im Buch angesprochene Thematik nachdenkt. Für Leute, die mal was außergewöhnliches lesen wollen, einen Blick wert. Wer allerdings nach Büchern sucht, die man mal nebenbei lesen kann, wo man sich gerne mit Charakteren identifizieren kann, dem würde ich hier lieber abraten, da das zugegeben nicht das ist, was ich am Wochenende mal gerne lesen würde...
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am 23. Juni 2015
Fängt man an, das Buch zu lesen, wird einem direkt der kindliche und von vielen Antithesen und Correctio begleitete Schreibstil der Autorin deutlich. Diese Tatsache würde das Buch nicht minder wertvoll machen - hätte es denn überhaupt einen literarischen Wert. Ein Junge, der die Sinnlosigkeit des Lebens bereits im zarten Alter von 13 Jahren erkennt und zu Beginn des 7.Schuljahres direkt die Schule abbricht, setzt sich in einen Pflaumenbaum und belästigt seine ehemaligen und nun offensichtlich verwirrten Mitschüler auf dem Schulweg mit Sprüchen, über deren Inhalt sich selbst das kleinste Schulkind klar sein sollte - der sichere und unausweichliche Tod, der auf jeden von uns zukommt. Von den Sprüchen geleitet lassen sich die Kinder die "besten" Ideen einfallen, wie sie die Meinung nicht ignorieren, sondern unterdrücken können. Leben und leben lassen ist in diesem Buch eine vergeblich gesuchte Richtlinie. Die Schüler wollen schlichtweg - angeführt von Jan-Johan - die Meinung des Jungen - Pierre Anton - nicht ignorieren, sondern sie tatkräftig unterbinden. Dazu ist ihnen, wie man sieht, jedes Mittel recht, und so werfen sie so lange Steine auf den Baum, bis er von ihm herabstürzt und erst ein paar Tage später wieder seinen alten Platz einnimmt. Sie nehmen also wissentlich in Kauf, dass sich Pierre durch das Werfen der Steine verletzt - das müsste jedem denkenden Menschen klar sein. Als das alles keine Wirkung hat, beginnt das eigentlich absurde und zugleich ekelerregende Spektakel. Die Schüler treffen sich in einer alten Halle und wollen - um Pierre zu überzeugen, dass doch irgendetwas einen Wert auf der Welt hat - Gegenstände sammeln, die für die Personen Bedeutung haben. Dabei rufen sie sich gegenseitig auf. Was harmlos beginnt, indem z.B. Schuhe, Bücher, etc.. auf dem Stapel landen, endet damit, dass die Forderungen immer unverschämter und auf menschlicher Basis in keinster Weise nachvollziehbar werden. So wird von einem Muslim das Allerheiligste, sein Gebetsteppich, gefordert und von einem Christ das Kreuz mit Jesus aus der Kirche, außerdem wird neben dem Abtrennen eines Hundkopfes auch das Ablegen der Unschuld eines Mädchens, das Ausgraben eines längst verstorbenen Kindes (bzw. Kindersarges) sowie das Abtrennen eines kompletten Zeigefingers als letzte "Bedeutung" gefordert (um nur einige Beispiele zu nennen). All diese zusammengetragenen Bedeutungen, die zum Teil die Personen ausgemacht haben, lagen nun zum Verfaulen verdammt in dieser alten Halle und Pierre, für den die ganzen Strapazen auf sich genommen wurde, interessierte sich nicht für den "Müllhaufen". Jan-Johann, dessen Finger abgetrennt wurde, ging zur Polizei und anstatt dass diese etwas tut, gab es eine Verwarnung und Hausarrest von den Eltern. Wäre der Sachverhalt bis dahin noch nicht absurd genug, geht es noch unlogischer weiter. Plötzlich war der Bedeutungsberg ein Objekt der Begierde vieler Fernsehsender, Zeitungen und sogar einer amerikanischen Talkshow, die alle ihre Reporter rund um die Uhr mit allen Schülern Interviews machen ließ, sodass die Schüler das "etwas" fühlten. Als sie dann noch (völlig verständlicherweise) ca 3,6 Millionen von einem Museum geboten bekamen, damit jenes sich mit dem höchsten an Bedeutung schmücken konnte, erreicht das Unverständnis gegen die Denkvorgänge gegenüber der Autorin völlig neue Dimensionen. Trotz ihres neu gewonnenen Reichtums verwickeln sich die Schüler in Streit untereinander, als sich eine Schülerin - Sofie - wegen internen Querelen (sie gab den Worten Pierres recht, der sagte, dass wenn der Berg verkäuflich wäre, er auch nichts wert wäre - sie appellierte, den Berg also nicht zu verkaufen) zerstörerisch auf den Bedeutungsberg werfen wollte. Als dann die Schlägerei allgemein wurde, jeder gegen jeden kämpfte, schlich sich die Erzählperson weg und versuchte erneut, Pierre von dem Baum runter zu holen und siehe da, diesmal ging er mit. Dort angekommen sah er völlig demolierte 7. Klässler, die sich ihre zweiten Zähne direkt rausgeschlagen hatten. Er fing an, sie zu beschimpfen und wertete den Hügel (Berg) ab, indem er die einzelnen Personen auf ihre Gegenstände ansprach, und ihnen so mitteilte, dass sie alle in gewisser Hinsicht käuflich seien. Jeder gab das, was ihn ausmachte, für das Geld vom Museum weg. Nach diesen Worten - und wahrscheinlich auch der Einsicht vieler - , gingen sie, von purem Hass gelenkt auf Pierre los und schlugen ihn brutal zusammen. Der Angriff ist insgesamt als feiges Verbrechen minderjähriger Straftäter zu werten, da sie ohne Rücksicht alle auf die eine Person losgingen.Ich vermute starke Komplexe seitens der Figuren, da sie die ganze Handlung hindurch die andere Meinung nicht akzeptieren konnten bzw sich sehr leicht beeinflussen ließen. Wie auch immer, Pierre verstarb - sei es an den starken Verletzungen oder auch an dem Brand, der die ganze Halle niederbrannte samt Berg. Das Buch endet mit der Aussage, dass das alles jetzt acht Jahre her ist und dass man mit der Bedeutung, bzw dem Wunsch nach Bedeutung, den viele Menschen in sich tragen, nicht spaßen sollte. Es schließt ab mit "nicht wahr, Pierre Anton? Nicht wahr?". Diese Passage finde ich fast geschmackloser als das ganze vorangegangene Buch, da diese quasi aussagt, dass sich jeder dem Allgemeinen zu beugen hat und etwas zu sein wollen hat. Verweigert er dies und beeinflusst vielleicht jemanden mit 'seiner Meinung, muss er schnellstmöglich weg. Diese Passage ist Verhöhnung auf allerhöchstem Niveau. Meiner Meinung ist für ein solches Buch außer einem Besuch der Autorin in einer psychiatrischen Heilanstalt keine weitere Preisverleihung nötig. Man hat es fertig gelesen und fragt immer noch nach dem Sinn des Buches, den anscheinend noch nicht mal die Autorin selbst verinnerlicht hat.
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am 29. September 2010
In einer für ein Werk einer bisher weitgehend unbekannten Autorin außergewöhnlich intensiven Medienkampagne wurde dieses Buch in den letzten Wochen in zahlreichen TV-Magazinen (ttt, Kulturzeit usw.) und Zeitschriften "besprochen". Ein Roman, der sich der philosophischen Frage nach dem Sinn des Lebens stelle und nicht nur Jugendliche an diese Frage heranzuführen, sondern auch Erwachsene aus einer neuen Perspektive zum Überdenken ihrer liebgewonnen Ansichten anzuregen verspricht, klingt wirklich nach einem Buch, an dem man nicht achtlos vorbeigehen sollte. Dazu ein kleiner Skandal - Angriffe aus konservativen Kreisen, dann die Verleihung des Buchpreises, Verbannung und Wiedereinführung als Schulstoff in Dänemark - und man ist sogar ein wenig gewillt, zu glauben, es handle sich dabei tatsächlich um ein "mutiges, tabubrechendes Buch". Angesichts dessen, dass der Text eigentlich nicht sehr lang und die Geschichte nicht sehr komplex ist (man kann das Buch tatsächlich an einem Nachmittag lesen), wurde der Inhalt der Story im Grunde von den Kulturmagazinen bereits komplett "gespoilert" (Achtung beim Weiterlesen!). Da es bei philosophischen Büchern, als welches "Nichts" ja auch angepriesen wird, jedoch immer mehr um die Darlegung und Begründung von Gedankengängen geht, als um das eigentliche Ende der Geschichte, ist das vielleicht zu verschmerzen. Worum geht es also?

Das Leben einer Gruppe von Schülern in Tæring, einem nicht näher charakterisierten Vorort einer dänischen Kleinstadt, wird durcheinandergewirbelt, als Pierre Anthon, einer ihrer Mitschüler, eines Tages den Unterricht mit der Begründung verlässt, "nichts habe Bedeutung, und daher lohne auch nichts einer Anstrengung." Fortan sitzt er auf einem Pflaumenbaum, von wo aus er gelegentlich seine Einsichten zu seinen verärgerten Mitschülern hinabruft. Nachdem ein Versuch, den Spötter mit Steinwürfen gewaltsam zum Schweigen zu bringen, misslingt, verlagern die Schüler sich auf die Idee der Überzeugung. Statt jedoch eine Diskussion über die These zu führen, beginnen sie damit, einen "Berg aus Bedeutung" in einem stillgelegten Sägewerk anzuhäufen. Dafür wird jeder der Schüler von den anderen genötigt, etwas für ihn wertvolles preiszugeben, woraufhin er das nächste Opfer bestimmen darf. Der Wunsch, sich für die eigene Verletzung zu rächen, führt in Verbindung mit der Gruppendynamik zu immer sadistischeren Forderungen. Können sie ihren Mitschüler mit dieser Aktion auch nicht überzeugen, so verleiht ihnen die mediale Aufmerksamkeit, die sie für ihr Projekt erhalten, doch ein vorübergehendes Gefühl von Bedeutsamkeit. Doch stellen sich die alten Zweifel mit dem Ende des medialen Interesses erneut ein, derer man sich nur durch den kollektiven Mord an ihrem Verkünder zu entledigen können glaubt.

Ein Kritikpunkt ist die technische Umsetzung des Stoffes. Kann man über Stil auch grundsätzlich unterschiedlicher Meinung sein, so würde ich von einem Jugendbuch - als welches "Nichts" ja angepriesen wird - doch zuerst erwarten, dass es sich mit den Problemen dieser Altersgruppe befasst, statt nur im Stil einen Schüleraufsatz zu imitieren. Die in jeden zweiten Absatz eingeschobenen dreifachen "Steigerungen" - blau, blauer, am blausten; allein, einsamer, ganz allein; usw. - sollen den Leser wohl in seinem Eindruck bestärken, es hier mit dem Bericht eines Mädchens zu tun zu haben. Irgendwie verstärkt es jedoch eher den durch die "Handlung" bereits erzeugten Eindruck von Wahnsinn. Teller schreibt ohne Berücksichtigung der Sinne: Abgesehen von einer kurzen - ich zögere, es "Ortsbeschreibung" zu nennen - Stelle zu Beginn ist der Text ein fast ausschließlich an Handlung und Rede orientierter Bericht. Es gibt keinen Charakter, der in irgendeiner Weise durch Handlung oder Rede von der Masse der anderen Schüler unterscheidbar wäre. Die Möglichkeit zu Reflexion und Introspektion - durch die Erzählperspektive der ersten Person ja nahelegt - wird, abgesehen von der Schilderung der Exhumierung des jüngeren Bruders einer der Schülerinnen (eine Szene, die fast mehr Platz einnimmt als die gesamte Auseinandersetzung mit Pierre Anthon - und damit etwas über die Prioritäten der Autorin verrät), völlig vertan. Teller vermischt in ihrer Erzählung zudem kontinuierlich metaphorische und reale Ebene: Für eine realistische Handlung gibt es zu viele Ungereimtheiten - der Junge, der für Monate in einem Baum lebt, ohne Fragen seitens der Lehrer oder Eltern zu provozieren; der Umstand, dass keines der Kinder in irgendeiner Weise für die von ihnen begangenen Straftaten behelligt wird; der Umstand, dass sämtliche Kinder sowohl auf Pierre Anthons Provokation wie auch in Fragen des Opfers anderer Mitschüler gleich reagieren. Für ein philosophisches Essay ergeht sich die Autorin dann wiederum zu sehr in morbiden Details, und versäumt darüber hinaus die Begriffsklärungen.

Tatsächlich ist dies einer der gravierendsten Schwachpunkte: Die Frage, was Bedeutung eigentlich meine, wird an keinem Punkt auch nur angedacht, geschweige denn versucht, zu klären. Die Kinder reagieren unmittelbar mit Gewalt - erst durch die versuchte Steinigung Pierre Anthons, dann durch Gewalt gegeneinander in Form der erzwungenen Opfer. Als die Kinder sich entschließen, den Zweifler durch einen "Berg der Bedeutung" zum Schweigen zu bringen, hat sich das Buch bereits vollständig von seinem vielleicht anfänglichen Vorhaben entfernt. Tatsächlich entsteht der Eindruck, die Autorin habe sich für ihre Geschichte an Vorbildern wie Goldings "Herr der Fliegen" orientiert, um eine Situation zu schaffen, in der die Regeln des freundschaftlichen, zivilisierten Miteinander außer Kontrolle geraten. Doch was bei Golding einer gewissen Logik nach aus der Situation folgt - die Isoliertheit der Insel, der Wegfall der durch die Allgemeinheit getragenen Regeln und sozialen Normen der Zivilisation, die Durchsetzung des Prinzips der Herrschaft des Stärksten - folgt in Tellers Erzählung keiner inneren Notwendigkeit, sondern erscheint lediglich durch die allseitige Bereitschaft der Schüler zur Ausübung von Gewalt motiviert. Vermittelt Goldings Roman uns durch die Gegenüberstellung tiefere Einsichten in Sinn und Wesen der zivilisatorischen Regeln, so wird die Situation in Tellers Roman nur dadurch möglich, dass alle gesellschaftliche Situiertheit der Jugendlichen ignoriert wird. Doch hat der Exzess, zu dem sich die Schüler in dem alten Sägewerk gegenseitig treiben, nicht nur nichts mehr mit der Gesellschaft zu tun; er hat auch keinen Bezug mehr zu dem ursprünglichen Thema: Die Opfer, die sich die Mitschüler gegenseitig abverlangen, dienen in keiner Weise dazu, die Thesen von Sinn und Bedeutungslosigkeit zu diskutieren. Statt den Nihilisten im Pflaumenbaum zu widerlegen, übertreffen sie ihn sogar noch, indem sie Bedeutungen zerstören. Die Erzählerin indes reflektiert auch darüber nicht, zu wichtig scheint ihr die Schilderung der sadistischen Details, als dass sie sich Gedanken machen würde, aus welchem Grund diese geschehen.

Es ist interessant, zu sehen, mit welchen Argumenten die Schriftstellerin sich in Interviews gegen verschiedene Vorwürfe verteidigte. Laut eigener Aussage wolle sie mit ihrem Buch gegen die "sinnlosen Konventionen" der Erwachsenenwelt vorgehen. Bezeichnenderweise liefert sie jedoch keine Unterscheidungsmöglichkeit, wie man sinnlose von sinnvollen Konventionen unterscheiden könne. Sollte dies wirklich die Zielsetzung dieses Buches sein, kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, sie selbst hätte ihren Stoff nicht ganz verstanden. Tatsächlich lassen sich die Aussagen Pierre Anthons in dieser Form nicht widerlegen. Sie werden nur - zum Glück? - von den meisten Menschen ignoriert. Zwar behauptet Teller, sie habe eine Diskussion anstoßen wollen, doch vermittelt das Buch eine ganz andere Botschaft. Dass "Nichts" nicht deprimiere, sondern die Menschen zu selbstbestimmtem Leben ermutige, wie es in einer der Verlagsanpreisungen heißt, ist eine der üblichen Floskeln, die mit dem Buch nichts zu tun haben. Tatsächlich ermutigt das Buch viel eher dazu, das Nachdenken sein zu lassen: Der Denker wird erschlagen, die Erzählerin wünscht sich, nie mit dem Nachdenken über die Bedeutung begonnen zu haben. Es dürfte ein Glück für das Buch sein, dass viele der jungen Leser - ähnlich wie die Erwachsenen - den Gedanken eben nicht konsequent weiterspinnen.

Ein letzter Punkt ist der verkaufswirksam inszenierte "Skandal", der vielen anscheinend schon als Argument für Qualität gilt, da alles, was Widerspruch provoziert, wohl als Verkündung unangenehmer Wahrheiten gesehen wird. Bei seinem Erscheinen in Dänemark war das Buch zuerst Gegenstand der Kritik, Vorwürfe waren die darin vorkommende Gewalt und die deprimierende Botschaft, und man verbannte das Werk aus dem Schulunterricht. Die Stimmung schlug um, als das Werk mit mehreren Buchpreisen ausgezeichnet wurde, was es in den Augen mancher Kritiker ironischerweise rehabilitierte, und ist nun auch als Stoff an Schulen zu finden. - Wer diese Spiegelfechterei verschiedener Positionen, Kritiken und Preisvergaben noch immer für das Merkmal des Kampfes eines sich Gehör verschaffenden, "mutigen, tabubrechenden Buches" hält, hat den Rummel, der zwischen Verlagshäusern und Kritikern läuft, um einen potentiellen Bestseller ins Gespräch zu bringen, noch immer nicht durchschaut. (Balzacs "Verlorene Illusionen" geben hier zeitlos interessante Einblicke.) Gegen den Vorwurf der Gewalt verteidigte sich die Autorin in oben genannten Kulturmagazinen, nicht 'die Gewalt sei das eigentlich Verstörende', sondern "dass das Buch einem durch In-Frage-Stellen der Werte den Boden unter den Füßen wegziehe". Erwachsene sähen ihre Werte nicht gerne in Frage gestellt, darum würden sie das Buch kritischer beurteilen, als Kinder, die der Thematik offener gegenüberstünden. - Diese Aussagen verraten zwar, dass die Autorin ihr Buch gerne als philosophisches Werk verstanden wissen möchte, doch hätte es dafür einer wirklichen Auseinandersetzung mit dem Thema bedurft. In seiner letztendlichen Form wirkt die Frage nach dem Sinn zu Beginn Werks jedoch nur als ein Vorwand für die folgenden Schilderungen makaberer Spiele. Der Zweifel am Sinn des Lebens ist sicherlich ein Thema für sich, das, konsequent weitergedacht, verunsichert. Doch zu behaupten, es sei diese (tatsächlich kaum behandelte) philosophische Fragestellung, die verstöre (und auf die sich die Kritik vornehmlich richte), nicht aber Mord, Verstümmelung, die Tötung von Tieren, sexuelle Nötigung, und die generell psychisch belastende Situation durch eine allgegenwärtige Bereitschaft jedes einzelnen Protagonisten zur unbeherrschten Gewaltausübung, zeugt schon von einigem Realitätsverlust. Tellers Charaktere kennen kein Mitleid, keine Zweifel, keine ethischen Werte - jeder scheint dazu bereit, die an ihm begangene Gewalt durch eine noch sadistischere Variante einem weiteren Schüler gegenüber zu übertreffen; Kinder, die sich dem "Spiel" entziehen wollen, werden durch Gewalt zum Mitmachen gezwungen; mit dem aufmüpfigen Pierre Anthon versucht man erst gar nicht zu diskutieren, sondern geht - nachdem sich die Jungen weigern, ihn zu verprügeln (was den Mädchen stark missfällt) - daran, ihn direkt vom Baum weg zu steinigen; gegenüber anderen Schülern existieren nur Ressentiments, Verachtung und Hass; und die Eltern stehen dem ganzen selbstverständlich in nichts nach und brechen einem armen, von seinen Mitschülern verprügelten Jungen gleich noch den Arm hinterher.

Verlagsangaben und der Autorin zufolge seien es die Erwachsenen, die die Unbestimmtheit ihre Werte nicht gerne in Frage gestellt sähen und sich deswegen z.B. gegen das Buch als Unterrichtsmaterial aussprächen. Nach der Lektüre jedoch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass gerade die Eltern dagegen sein dürften, die noch über eine bestimmte Vorstellung von Werten verfügen - z.B. ihre Kinder vor intellektuellem Gift zu bewahren, das an sie durch - über das Etikett des "mutigen Tabubrechers" von den Verlagen verführte - Lehrer verfüttert wird, ohne dass die philosophischen Löcher und das durch und durch negative Menschenbild, das dieses Werk kolportiert, thematisiert würden. Würde ich mich einer Diskussion mit meinen Kindern über den Sinn des Lebens verschließen, weil ich dieses Buch als Schund ablehne? Natürlich nicht. Doch ich würde es nicht anhand dieses Werks tun, denn es trägt inhaltlich nichts zum Verständnis bei. Jemand, der nur "wir müssten mal über den Sinn des Lebens diskutieren" fordert, ohne dabei etwas zu dieser Diskussion beizutragen, ist auch dann kein Philosoph, wenn sich im Anschluss daran eine Debatte entspinnen sollte. Aus diesem Grund kann ich einem Buch, dass die Bedeutung des Lebens zwar als Thema benennt, sich anschließend aber nicht damit auseinandersetzt, auch keine andere Wertung als "Thema verfehlt" geben.

Allerdings kann auch aus etwas schlechtem noch etwas positives entstehen. Nachdem ich nach der letzten Seite endlich den Buchdeckel schließen konnte, wurde mir bewusst, dass ich, statt mein Geld für diesen Mist aus dem Fenster zu werfen, dafür sechs oder sieben Obdachlosen in der Fußgängerzone ihre Zeitung hätte abkaufen können. Aller Wahrscheinlichkeit nach hätte mich das dem Sinn des Lebens entscheidend näher gebracht, als mich durch das Gehirn dieser Autorin zu quälen. Ich hoffe, dass mir dieses Gefühl wieder ins Gedächtnis treten wird, sollte ich erneut in die Versuchung kommen, von den Verlagen angepriesene Bestseller zu erwerben.
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