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"Nichts Passiert" setzt am gewohnten melodiösen Rock der Bautzner an. Stücke wie "Alles Gute" oder das bereits veröffentlichte "Irgendwas Bleibt" führen ihren etablierten Sound fort. Allein Letzteres belegt mit seiner derzeitigen Platzierung in den Singlecharts, dass Silbermond nichts an Massenkompatibilität eingebüßt haben. An manchen Stellen wird dieses Konzept etwas zu stark bedient. Beispielsweise mit dem theatralischen "Krieger des Lichts" tragen sie sowohl textlich als auch instrumental so dick auf, dass selbst die zwischenzeitlich an U2 erinnernde Delay-Gitarre nicht retten kann.
In kritischen Stücken wie "Nicht mein Problem" überzeugen Silbermond hingegen. Der Titel, der mit Gaststar Jan Delay aufwartet, kreidet Bequemlichkeit und Ignoranz an und stellt gleichzeitig eine Hommage an die Neue Deutsche Welle dar. Das belegen nicht nur Textzeilen wie "Ein Auto fährt 210. Die Polizei hat's nicht gesehen", sondern auch die 80er Synthie-Sounds. Bei "Tanz aus der Reihe" kommt die erfrischende Experimentierfreudigkeit Silbermonds ebenfalls zum tragen. In musikalischer Anlehnung an Mia kombinieren sie Rock und Elektro zu einem treibenden Ganzen.
Die Stärken von "Nichts Passiert" liegen neben ihrer Sound-Erweiterung in ihren überwiegend authentischen Texten. Wenn die Mittzwanziger in "Weg für immer", "Nach Haus" oder dem von Xavier Naidoo unterstützten "Sehn wir uns wieder" über Selbstfindung, Beziehungen, Vertrautheit oder Sehnsüchte philosophieren, dann wirkt das überraschend glaubwürdig und persönlich.
Solider Deutsch-Rock, von Teenie-Massen in ausverkauften Konzerthallen bejubelt - an diesem Erscheinungsbild Silbermonds wird sich auch mit ihrem neuen Album nichts ändern. Oder doch? "Nichts passiert" belegt, dass Silbermond die Bandbreite der Rock und Popmusik auszuschöpfen wissen und damit eine enorm breite Zielgruppe bespielen. Daher könnten sich künftig zu den Piercings auch die ersten grauen Härchen im Publikum gesellen.
Kai-Uwe Weser
Kurzbeschreibung
Stefanie Kloß, Johannes und Thomas Stolle und Andreas Nowak alias Silbermond haben sich auf ihre Stärken konzentriert, einfach Musik gemacht und sich vom Druck der Erwartungshaltungen und Erfolgsquoten befreit. In 6 Monaten entstanden, ist “Nichts passiert“ ein Album, das fur die Band vor allem Freiheit bedeutet. Schon “Irgendwas bleibt“, die erste Single, ist ein kühnes Statement für Musiker, die 2009 erst Mitte 20 sind und ebenso gut den vermeintlich coolen Rausch der Geschwindigkeit abfeiern könnten. Stattdessen spielen sie unbeschwert mit Beats und Genres; zitieren Paulo Coelho; laden sich Künstler ein, die ihnen etwas bedeuten und trauen sich auf 14 Songs die Wahrheit auszusprechen. Das es nämlich schlicht aber wahrhaftig ist, wenn man sich wünscht, dass auf Worte Taten folgen und perfekte Momente für immer bleiben. Das es schrecklich und gleichzeitig schön ist wenn “Nichts passiert“.
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