Diese Textzeile aus -Wenn man alles verliert- bringt es auf den Punkt. Kevin Hamann, alias ClickClickDecker, ist immer einen Schritt neben der Spur. Wenn man ein Ohr für die derzeit hochkreative, doch leider relativ unbekannte, deutsche Musikszene hat, dann ist Hamann ein Sonderfall. Der junge Mann aus Berlin-Pankow singt manchen Text so erschöpft, als ob er gerade einen 10.000 Meter Lauf hinter sich hat. Dann kann er aber auch wieder kraftvoll ins Mikro schreien. Hamanns Texte sind dabei, jedenfalls für mich, das Nonplusultra in der Szene. Würde Waits auf deutsch texten...ja...so ungefähr könnte sich das anhören.
Ich habe die Bekanntschaft mit ClickClickDecker meinem Sohn zu verdanken. Der verpasste mir -Nichts für ungut- mit dem Spruch: "Hör da mal rein. Das ist wirklich gut." Kurze Zeit später bewunderten wir Hamann im Schlachthof Kassel. Da merkte ich schnell, dass ClickClickDecker ein absolut lohnenswerter Live-Gig sind. Kevin Hamann zeigte sich als Klasse Musiker zum Anfassen, der keinerlei Starallüren hat.
Anspieltipps: -Wenn man alles verliert- hat einen Wahnsinnstext und besticht durch einen gnadenlosen Rhytmus. -Zurecht ungerecht- kommt wie eine Spieldosenmelodie daher. Leise und eindringlich unterstützt Deckers Stimme den melodischen Song. -107 Leider unvermittelbar- bringt musikalisch von herrlichen Gitarrenriffs bis zum Keyboardeinsatz alles, was das Herz begehrt. -Der ganze halbe Liter- wird von Gitarren nach vorn gepeitscht, während uns Kevin Hamann an seinem Gefühlsleben teilhaben lässt. -Immerhin beabsichtigt- befasst sich mit dem Thema Karriere und Lebensinhalte. Die Drums verwandeln das Lied in eine regelrechte Straßenhymne. -Sozialer Brennpunkt ich- zeigt, was Hamann drauf hat. Tiefsinniger Text, melodischer Song, Einbau von jeder Menge Nebengeräuschen, ein kleines Gesamtkunstwerk. -Stolpern- hat eine schon fast radiotaugliche Melodie. Leise und eindringlich geht das Lied ins Ohr und klebt da regelrecht fest.
Wer auf Typen wie Gisbert zu Knyphausen, Tele, Element of Crime, Virginia Jetzt oder Jupiter Jones steht und ClickClickDecker noch nicht kennt, dem kann ich -Nichts für ungut- nur empfehlen. Wie gesagt...Kevin Hamann fährt immer ein bisschen neben der Spur. Aber das macht er hervorragend.