Ich könnte es kurz machen und einfach nur schreiben: "Hartwig Hausdorf hat ein Buch geschrieben." Das wäre aber zu wenig und sogar ein wenig ungerecht.
Sein Buch "Nicht von dieser Welt" bedient die übliche Klientel der Däniken und Präastronautik begeisterten und das bestätigen auch die Quellenangaben dieses Buches - Fiebag, Däniken u.a. Das erscheint so, als ob man Konrad Kujau als Referenz für die Echtheit der Hitlertagebücher angeben würde. Nun aber zum Stoff, der die Seiten des Buches füllt.
Hartwig Hausdorf greift altbekanntes, vermeintlich wunderbares auf, verpackt es in abenteuerlich anzuhörende Vermutungen oder auch angedeutete Verschwörungstheorien und lässt den Leser mit mehr Fragen am "Kliff hängen", als dieser vorher schon zum behandelten Thema hatte.
Das Buch beginnt mit der Beschreibung natürlicher Kernreaktoren in Gabun, Afrika. Die Funktionsweise dieser natürlichen Reaktoren ist inzwischen genau untersucht und bekannt. Für Hausdorf ist die kausale Kette zur Mystifizierung der natürlichen Reaktoren anscheinend folgende: Kernreaktor - kompliziert - viele Schalter - die hat es vor ca. zwei Milliarden Jahren aber noch nicht gegeben, also müssen die Reaktoren von Außerirdischen gebaut worden sein.
Weiter geht es im Buch mit einer kurzen Beschreibung der "wunderbaren", nichtrostenden Eisensäule aus Delhi in Indien. Die dort befindliche Eisensäule aus dem vierten Jahrhundert zeigt kaum Rostflecken, was den Autor des Buches verwundert und deshalb die Anfertigung dieser Eisensäule in den Bereich des Außerirdischen verlegt, wobei er die Indische Mystik zu Hilfe nimmt. Wie dem auch sei, die Säule besteht aus sehr reinem Schmiedeeisen und es ist hinlänglich bekannt, dass viele Stoffe von hoher Reinheit, in diesem Fall Eisen, gänzlich andere Eigenschaften aufweisen.
Die nächste Unglaublichkeit ist der sogenannte "Mechanismus von Antikythera", ein antikes, feinmechanisches Gerät, was den Lauf des Mondes und der Sonne durch den Tierkreis anzeigt.
Weiter geht es im Buch mit einigen weiteren präastronautischen Vermutungen über archäologische Funde in Mexiko und dann folgt die Gentechnik. Dabei stellt der Autor ernsthaft in Frage, ob die Verhaltensmuster von Jagd- Polizei- und Lawinenhund vom Menschen gezüchtet worden sein können und er geht davon aus, dass die Verhaltensweisen "von Anderen" in die Hundegene einprogrammiert worden sein müssen.
Über für den Autor weitere biologische Ungereimtheiten kommt er zur Vorstellung der prähistorischen Zündkerze, einem Fund aus den USA, dem sogenannten "Coso Artefakt", welches schon vor längerer Zeit als "Hoax" geoutet wurde. Bei dem Coso Artefakt handelt es sich um eine verkrustete Zündkerze der Marke Champion aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, die in den Ford T Modellen dieser Zeit verwendet wurde. Es wäre schön, wenn dieses Artefakt noch für Untersuchungen zu Verfügung stände, aber leider heißt es auch hier, wie so oft im Internet, wenn die Fakten mal auf den Tisch gelegt werden sollen: "... noch während der Arbeiten an der Sendereihe wurde das Artefakt gestohlen. Damit lässt sich - wenn der Coso-Fund nicht wieder auftaucht - wohl niemals eine unabhängige Untersuchung des erstaunlichen Fundes in die Wege leiten." Es stellt sich die Frage warum Hausdorf nicht besser recherchiert hat.
Über weitere Kurzübersichten von Gegenständen, möglicherweise Außerirdischer Herkunft, landet Hausdorf nun in China, dem "chinesischen Rosswell". In der vom Autor beschriebenen Region sollen vor etwa 12000 Jahren Außerirdische gestrandet sein, die "Dropa". Diese Außerirdischen konnten ihre Raumschiffe nicht mehr flott machen und waren nun gezwungen, sich in dieser Gegend häuslich einzurichten. Ihre Geschichte verewigten sie, dem Autor zu Folge, in 716 Steinscheiben, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit irdischen Schallplatten aufgewiesen haben sollen. Es stellt sich die Frage, warum hochtechnologisierte Außerirdische ausgerechnet Steinscheiben als Datenträger verwendet haben sollen. Wie dem auch sei, auch hier ist der Autor einem Hoax aufgesessen, genauer gesagt einer Science Fiction Geschichte des Autors David Agamon. In dieser Geschichte geht es um das Volk der Dzopa. Witzigerweise hat Hausdorf sogar die Namen der fiktiven Forscher aus dem Roman als real existierende chinesische und russische Wissenschaftler in seinen Bestseller übernommen.
Zu guter Letzt berichtet Hausdorf von ägyptischen Hieroglyphen in Australien, in der Nähe von Sydney und ist auch hier wieder einem Scherz aufgesessen.
Resümee: Das Buch "Nicht von dieser Welt" ist eine seichte Lektüre für unkritische, mit abenteuerlichen Aussagen zu begeisternde Zeitgenossen. Für kritischere Gemüter oder einem Personenkreis mit entsprechendem Allgemeinwissen ist es eher nicht zu empfehlen. Hartwig Hausdorf hätte der Menschheit einen größeren Dienst erwiesen, wenn er auf der Jagd nach Scherzen nicht über 100.000km durch die Weltgeschichte geflogen wäre. Das Weltklima lässt grüßen.