Der Anfang des Buches ist anstrengend. Ein ewig langer Satz jagt den nächsten, und gehetzt von vielen gewollten Wiederholungen und Kommata hat der Leser wenig mehr Chancen, als das Buch augenblicklich aus der Hand zu legen oder sich von der Erzählung vereinnahmen zu lassen.
Unbändige Wut, Schuldgefühle, Schuldzuweisungen, nicht erlaubte Trauer, nicht geduldete emotionale Regungen, all das jagt einander und wechselt sich stellenweise noch im gleichen Satz ab.
Doch schon hier vermag man zwischen den Zeilen zu lesen, und je weiter die Handlung - oder besser Erzählung, denn an einer Handlung mitsamt rotem Faden fehlt es doch recht stark - voranschreitet, um so ruhiger wird auch die Sprache des Buches, um so mehr wird die starke Unruhe, die auch der Leser empfindet, zuerst von Betäubung, dann von einer letzten Wut, von Gleichgültigkeit und schließlich von einem Funken Hoffnung, der in der Akzeptanz der Dinge lauert, abgelöst.
Die Autorin durchlebt in diesem Buch und mit ihrer Protagonistin die üblichen Phasen einer Trauer, an deren Ende jedoch, wie man weiß, in der Regel eine Art Neuanfang steht. Es kann schlecht in Abrede gestellt werden, dass Justine Lévy dies in erster Linie zur autobiographischen Verarbeitung nutzt, doch auch, wenn man Buch und Autorin vieles nachsagen kann, so doch nicht, sie könne nicht schreiben.
Sicherlich verletzt sie nicht wenige Regeln des Handwerks und vernachlässigt den bereits erwähnten roten Faden einer Handlung sträflich, doch stattdessen schafft sie etwas, das nicht viele können: Sie erreicht das absolute Gefühl der Identifikation mit dem Leser, wühlt ihn auf und lässt ihn fühlen, wie Louise fühlt. Dies alles erreicht sie auch ohne großartige Szenen, in denen auf die Tränendrüse gedrückt wird und tatsächlich nimmt auch die Zeit des Entzuges selbst nur ein paar wenige Seiten des Buches in Anspruch. Dieses Buch hat es nicht nötig, zu solchen Mitteln zu greifen und muss sich lang nicht hinter anderen Romanen verstecken.
Ein empfehlenswerter, stark autobiographisch durchsetzter Roman, den man lesen kann, weil man einfach mitreden können will. Er empfiehlt sich aber ebenso, um an den starken Emotionen in diesem Buch und einer an sich traurig-tragischen Geschichte, die aber nicht mit den üblichen Mitteln dieses Stils arbeitet, teilzuhaben.