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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 09.01.2001
Auch wenn Hustvedts Aufsatzsammlung auf den ersten Blick disparat wirkt, für Elke Schubert lässt sie sich problemlos auf einen Nenner bringen: ob die Autorin (bislang liegen zwei Romane von ihr auf Deutsch vor), die auch Literaturwissenschaftlerin ist, über Kafka, Jane Austen, Vermeers Bilder oder den Moralkodex an den amerikanischen Universitäten schreibt, stets eröffne sie mentale Räume, ein "Zwischenreich", so Schubert, das Leser oder Betrachter über das Gelesene oder Gesehene in ein Zwiegespräch mit sich selbst, die eigenen Erfahrungen und die eigene Geschichte verwickle. Ein solches Zwischenreich könne sie aber auch in der sogenannten "Antioch-Regelung" erkennen. Das College gestattet sexuelle Annäherung nur mit vorausgegangenem Einverständnis. Hustvedt, die ansonsten keine Verteidigerin politisch korrekter Maßnahmen sei, erläutert Schubert, könne darin auch neue Möglichkeiten zur Erkundung erotischer Wege entdecken. Ein Rest Geheimnis gehöre gewahrt, zitiert sie die Autorin, was nicht nur für die zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern auch für Literatur gelte: diese wiederum müsse auf Moral verzichten können. Ein aufmunternder Streifzug durch die Literatur, den Elke Schubert als literarische Reiseleiterin klug moderiert.
© Perlentaucher Medien GmbH
Auch wenn Hustvedts Aufsatzsammlung auf den ersten Blick disparat wirkt, für Elke Schubert lässt sie sich problemlos auf einen Nenner bringen: ob die Autorin (bislang liegen zwei Romane von ihr auf Deutsch vor), die auch Literaturwissenschaftlerin ist, über Kafka, Jane Austen, Vermeers Bilder oder den Moralkodex an den amerikanischen Universitäten schreibt, stets eröffne sie mentale Räume, ein "Zwischenreich", so Schubert, das Leser oder Betrachter über das Gelesene oder Gesehene in ein Zwiegespräch mit sich selbst, die eigenen Erfahrungen und die eigene Geschichte verwickle. Ein solches Zwischenreich könne sie aber auch in der sogenannten "Antioch-Regelung" erkennen. Das College gestattet sexuelle Annäherung nur mit vorausgegangenem Einverständnis. Hustvedt, die ansonsten keine Verteidigerin politisch korrekter Maßnahmen sei, erläutert Schubert, könne darin auch neue Möglichkeiten zur Erkundung erotischer Wege entdecken. Ein Rest Geheimnis gehöre gewahrt, zitiert sie die Autorin, was nicht nur für die zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern auch für Literatur gelte: diese wiederum müsse auf Moral verzichten können. Ein aufmunternder Streifzug durch die Literatur, den Elke Schubert als literarische Reiseleiterin klug moderiert.
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Kurzbeschreibung
In «Nicht hier, nicht dort» sind zum ersten Mal Siri Hustvedts essayistische Schriften versammelt. Der Titel ist programmatisch: Sie bezieht ihn auf ihre geographische Herkunft als zwischen den Kulturen aufgewachsene Tochter norwegischer Einwanderer und auf ihren künstlerischen Standpunkt als Beobachterin und Bewahrerin - die Fiktion gleichsam als Zwilling der Erinnerung, angesiedelt zwischen der realen Welt und der gedachten, gefühlten der Phantasie. Die Sprache als Mittlerin zwischen diesen Welten steht im Mittelpunkt von Hustvedts Betrachtungen zu Literatur und bildender Kunst: Sie erschließt, ob als Bildsprache des Malers oder als literarische des Schriftstellers, ein komplexes System von changierenden Zeichen und Symbolen, deren Struktur und Bedeutung in unserem Bewusstsein und zugleich außerhalb von uns angelegt sind. Siri Hustvedt unterscheidet, wie in ihren Romanen, nicht streng zwischen ihrer privaten Biographie und ihrem öffentlichen Werk. Im Werk schwingt stets ein Widerhall des Lebens mit. Deshalb ist dieses Buch ein Glücksfall. Es gibt Einblick in ihre Arbeit und in ihr Leben und unterhält zudem auf hohem Niveau.
Über den Autor
Siri Hustvedt wurde 1955 in Northfield, Minnesota, geboren. Sie studierte Literatur an der Columbia University und promovierte mit einer Arbeit über Charles Dickens. Sie lebt in Brooklyn und ist mit dem Schriftsteller Paul Auster verheiratet, mit dem sie eine Tochter hat. Bekannt wurde sie mit den Romanen Die unsichtbare Frau, Die Verzauberung der Lily Dahl und vor allem mit den internationalen Bestsellern Was ich liebte, Die Leiden eines Amerikaners und Die zitternde Frau.