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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Gnädige Frau, darf ich Ihre linke Brust berühren?,
Von
Rezension bezieht sich auf: Nicht hier, nicht dort. Essays (Gebundene Ausgabe)
Wenn Romanciers Essays über das Schreiben verfassen, bieten sie ein wenig das Bild von Heiligen, die von guten Taten reden, anstatt sie zu tun. Siri Hustvedt, die zwar keine Heilige ist, aber auch schon Romane verfasst hat, veröffentlicht in dem vorliegenden Band eine Reihe von Gelegenheitsarbeiten, man könnte auch sagen: einen literarischen Gemischtwarenhandel, bei dem sich jeder aussuchen kann, was ihn interessiert. Das Buch enthält einen längeren literaturbiograhischen Essay, zwei Abhandlungen über die Malerei (einmal über Vermeers "Das Mädchen mit der Perlenkette" und über die Besonderheiten des Stilllebens), zwei Versuche über Bücher ( Fitzgeralds "Der große Gatsby", den die Autorin ein wenig sehr hoch hängt und Dickens "Unser gemeinsamer Freund") sowie ein "Plaidoyer über den Eros", der den Normalleser sicher am meisten interessieren dürfte, weil Siri Hustvedt als eine gestandene Frau innerhalb der reichlich verminten amerikanischen Feministenszene sich nicht scheut, auch mal eine Lanze für das "verschwommene Terrain" in der Liebe zu brechen.. Ein wenig indiskret fragt sie zum Beispiel, warum sie wohl ihren Mann ( den Schriftsteller Paul Auster ) nach 15 Jahre Ehe noch immer so liebt und gib die Antwort: weil sie noch immer "über einen Zaun klettern muss", wenn sie zu ihm will und weil auch dann noch ein Rest Distanz und Geheimnis bleibt. Hustvedt karikiert überaus treffend die feminokratischen Antinoch-Regeln, nach denen der Mann bei einem sich anbahndenen Intimverkehr immer erst die ausdrückliche Zustimmung der Frau einholen muss, wenn er seine erotischen Aktivitäen auf neue Körperzonen ausdehenen möchte ( "Gnädige Frau, darf ich jetzt ihre linke Brust berühren? Darf ich jetzt ihre rechte Brust berühren?"). Das ist nett und leicht, flott und lehrreich und wer dergleichen mag, ist mit dem vorliegenden Buch ganz gut bedient.
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