Aus der Amazon.de-Redaktion
Colin Ferrell spielt den gewieften und unausstehlichen PR-Mann Stu Shepard, der bei einem klingelnden Münzfernsprecher den Hörer abnimmt und von einem mysteriösen Heckenschützen (Kiefer Sutherland) mitgeteilt bekommt, dass ein Gewehr auf ihn gerichtet sei. Was Stu anfänglich für einen schlechten Witz hält, stellt sich bald als Racheakt des Schützen heraus, der mit den Liebeleien des verheirateten Stu nicht einverstanden ist. Es dauert nicht lange, und die Belagerung wird schnell zur Top-Fernsehunterhaltung.
Joel Schumachers energische Regiearbeit, bei der er einige zackige Schnitte und eine clevere Split-Screen-Technik einsetzt, lenkt den Zuschauer von der ungleichmäßigen und oft vorhersehbare Handlung ab. Es fällt dem Zuschauer nicht schwer, sich ein Dutzend Lösungen zur Abwendung dieser Krise auszudenken, aber durch die Erhöhung des Spannungseinsatzes sorgt Schumacher dafür, dass der Film niemals langweilig wird.
Colin Farrell liefert hier eine bezwingende Darbietung, die die ganze Skala der Gefühle von Wut über Angst bis hin zur Qual durchläuft, und bringt sogar noch eine billige Vergebungsszene zu Stande. Kiefer Sutherlands heisere Bösewichtstimme ist zwar nicht gerade der Stoff, aus dem Albträume sind, aber -- wie auch beim Rest des Films -- es könnte schlimmer sein. Als reiner Popcorn-Thriller trifft Phone Booth. Nicht auflegen! genau ins Schwarze. --Laura Bushell
Kurzbeschreibung
Movieman.de
Bild: In einer exquisiten Abtastung präsentiert sich dieser Fox-Titel. Die Tiefenschärfe ist von ungeheurer Detailtiefe (00:50:25, Totale, Feuerleiter an Wolkenkratzer). Bei absolut perfekter Farbtarierung und gloriosem Kontrast entwickelt das anamorphe Scope-Bild eine wunderbare Griffigkeit und Transparenz. Großflächige Bildveränderungen, wie der Zoom auf ein Gesicht bei 00.20.35, lassen für keine Sekunde auch nur einen Bartstoppel unscharf oder verwaschen wirken. Bestnote.
Ton: Die sehr authentisch klingende Kulisse vermittelt akustisch hautnahes New York-Feeling, die Musik ist so gemischt, dass der Zuhörer im Mittelpunkt des Sounds steht (00.45.40) und in der Originalversion sind alle Stimmen ausgezeichnet in die Ambienz integriert. --movieman.de
VideoMarkt
Video.de
Blickpunkt: Film
Ein Mann wird von einem unsichtbaren Scharfschützen in einer New Yorker Telefonzelle festgehalten - wenn er auflegt oder die Telefonzelle verlässt, muss er sterben. Don Simpson, Erfinder der High-Concept-Idee, ein Film sei nur dann verfilmenswert, wenn sich seine Handlung handschriftlich auf einer Streichholzschachtel zusammenfassen ließe, wäre stolz auf den alten Haudegen Larry Cohen gewesen. Der umtriebige Genre- und Exploitation-Experte - Regisseur von denkwürdigen Filmen wie 'Black Caesar' (1973), 'Die Wiege des Satans' (1978) oder 'Ambulance' (1990) - ging bereits seit Jahren mit seiner konstruierten Idee schwanger, immer wieder stand der Film kurz vor dem Dreh (u. a. mit der Kombination Michael Bay und Will Smith). Doch erst Schumachers unerschrockener Ansatz, die Story guerilla-style aus der Hüfte und vor allem preisgünstig und schnell zu schießen, bewirkte das grüne Licht von Fox.
Und so ist 'Nicht auflegen', eine moderne Variation des Stanwyck-Klassikers 'Du lebst noch 105 Minuten', in der (Film-)Theorie bisweilen deutlich spannender als in der Praxis auf der Leinwand. Denn natürlich gab sich der einstmalige Oberflächenkönig des aufgeblähten Mainstreamkinos (siehe 'Batman & Robin') nicht mit spartanischen Down-and-Dirty-Bildern des Big Apple zufrieden, sondern erzeugt im Zusammenprall von Dogma-Ansatz und High-Tech-Postproduktion (u. a. mit multiplen Splitscreens und mutigen Montagen) ein Spannungsfeld, das dem hektischen Treiben auf den Straßen New Yorks durchaus nahe kommt. So entwickelt sich die Intensität nicht nur aus dem sich zuspitzenden Fortlauf der Story, sondern auch durch das Rätseln über die Frage, ob es Schumacher gelingen wird, genügend filmische Ideen zu entwickeln, um den Thriller trotz einer einzigen Location über die volle Laufzeit hinweg aufregend und frisch wirken zu lassen.
Großes Gewicht ruht dabei auf den Schultern Colin Farrells, der Schumacher seinen Durchbruch (in 'Tigerland') zu verdanken hat und sich zuletzt in 'Minority Report' und 'The Recruit' als Rebell mit Potenzial empfahl. In 'Nicht auflegen!' steht er als hyperaktiver, selbstgefälliger Agent Stu, der per Handy immer fünf Deals gleichzeitig am Laufen hat und obendrein seine Frau mit einer Klientin betrügt, stets im Mittelpunkt. Letzteres Vergehen rückt ihn buchstäblich ins Visier eines unsichtbaren Scharfschützen (im Original gesprochen von Kiefer Sutherland), der mit dem Abschaum der Welt aufräumen will. Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen nimmt Stu einen Anruf in einer Telefonzelle entgegen - und steckt in der Falle. Was beginnt wie die Anfangssequenz von 'Scream', in der Drew Barrymore mit ihrem Killer telefoniert, entwickelt sich schnell zu einem Katz-und-Mausspiel, in das zunehmend mehr Personen involviert werden und Stu gezwungen wird, Abbitte für seine verkorkste Existenz leisten. Das ist vor allem Dank Farrells Leistung und Schumachers unablässigem Einfallsreichtum immer interessant, aber es bleibt eine etwas leere Fingerübung mit etwas zu deutlich geschwungenem Moralzeigefinger - nur dass man das bei dem vorgelegten Tempo erst nach dem Abspann realisiert. ts.