Kurz und knapp wird alles angesprochen, was zur Heilung von Sexuellem Missbrauch dazugehört, ergänzt von Zitaten Betroffener. Das Buch enthält leider nichts Neues und wer "Trotz allem" von Bass und Davis gelesen hat, ist mit der darin enthaltenen Offenheit, Toleranz, Selbsthilfe und Ausführlichkeit weitaus besser bedient.
In "Nicht allein" von Christine Striebel hat mich vor allem der leicht moralisierende Unterton gestört. So hält sie es zum Beispiel für "auch in Ordnung", dass eine Betroffene dem Täter nicht verzeihen möchte und rät sehr dringlich dazu, der eigenen Mutter zu vergeben! Darüber hinaus empfiehlt sie das Familienstellen nach Hellinger und erwähnt nur beiläufig, dass es auch Kritik an seinem Weltbild und seiner Methode gäbe. Sie vergisst leider, dass Hellinger Menschen, die sexuellen Missbrauch erfahren haben, Sätze in den Mund legt, wie "ich habe es mit Liebe getan" und alle niederknien lässt - wer nicht will, wird schnell entlassen - eine Vorgehensweise also, die mehr anrichtet als nützt.
Einer betroffenen Frau würde ich nach dieser Lektüre zumindest nicht ungewarnt die Beratungspraxis der Autorin empfehlen, die nach einer Lehrerinnenkarriere nun als NLP-Beraterin wirkt. Es bleibt schließlich der Eindruck, Christine Striebel habe das Buch hauptsächlich zur eigenen Bearbeitung geschrieben.