Bei "Nicht alle Geister lieben mich" handelt es sich, um die langerwartete Fortsetzung von "Der Geist, der mich liebte", nach 4 Jahren Wartezeit hatte ich zumindest gar nicht mehr damit gerechnet, dass eine Fortsetzung überhaupt noch erscheint. Da ich "Der Geist, der mich liebte" seit dem damaligen Erscheinen nicht mehr gelesen hatte, war ich besorgt darüber, ob ich die Zusammenhänge in "Nicht alle Geister lieben mich" überhaupt verstehen würde, denn wenn ich ehrlich bin, konnte ich mich an den Inhalt vom Vorgänger gar nicht mehr wirklich erinnern. Meine Sorge war allerdings unbegründet, da gleich am Anfang die wichtigsten Ereignisse aus "Der Geist, der mich liebte" noch einmal zusammengefasst wurde und somit meiner Erinnerung auf die Sprünge geholfen wurde. Lediglich die Beziehung von Sam und Nicholas wurde nicht noch einmal aufgewärmt, sodass es denen, die den Vorgänger nicht gelesen haben, schwer fallen könnte, mit den beiden mitzufühlen.
Da es sich um einen Jugendroman handelt gibt es leider keine Liebesszene zwischen Nicholas und Sam, was mich persönlich doch etwas enttäuscht hat. Worauf habe ich denn bitte die ganzen Jahre gewartet, wenn nicht genau darauf? ;-) Insgesamt ist die Geschichte weit weniger romantisch als ich erwartet hatte, für meinen Geschmack gibt es sogar eindeutig zu wenig Romantik, besonders zwischen Nicholas und Sam. Okay, die beiden haben sich schon im Vorgänger verliebt, aber das ist für mich noch lange kein Grund, dass es kaum romantische Momente zwischen den beiden geben sollte. Sie versuchen lediglich mit ihren Problemen umzugehen, sodass die Romantik und Leidenschaft etwas untergeht. Dafür hatte ein anderes Pärchen wesentlich mehr "Glück" und durfte tatsächlich ein paar mehr oder weniger leidenschaftliche Momente miteinander teilen. Für mein Romantik verwöhntes Herz war das aber insgesamt zu wenig, allerdings wusste ich auch schon vorher, dass der Schwerpunkt des Romans nicht auf der Romantik liegen würde, dies war schließlich beim Vorgänger auch nicht anders. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. ;-)
Wie bei vielen anderen Jugendromanen taucht natürlich auch hier das Thema "Ich bin gut für dich, ich sollte mich von dir Fernhalten, um dir nicht zu schaden!" auf. Es ist nur logisch, dass Sam und Nicholas derartige Diskussionen führen, denn Nicholas kann ihr tatsächlich gefährlich werden, nur das er nicht wie ein Vampir nach ihrem Blut durstet, sondern nach ihrem Atem. Im Gegensatz zu einem Vampir kommt er allerdings nicht umhin von ihrem Atem kosten, da er nur so einen Körper bekommt, mit dem er Sam berühren kann bzw. sie ihn. Umso größer ist seine Gier gleich ihren ganzen Atmen zu nehmen, Sam also endgültig umzubringen und somit endlich wieder zu einem Menschen zu werden. Allein durch die Tatsache, dass Nicholas tatsächlich eine große Gefahr für Sam darstellen könnte, fand ich dieses Thema weit weniger nervig als in anderen Romanen. Außerdem ist die Beziehung von Sam und Nicholas auch in anderer Hinsicht komplizierter als die in irgendeiner beliebigen Vampir-Schmonzette, schließlich kann sie Nicholas normalerweise nicht berühren und nur nachts sehen und hören. Das wäre alles so perfekt für eine bittersüße Liebesgeschichte, aber wie schon oben erwähnt, der Schwerpunkt liegt nun einmal nicht auf der Liebesgeschichte. Hach, etwas mehr Romantik und die Geschichte wäre für mich fast perfekt, wären da nicht die kleinen charakterlichen Schwächen einiger Personen.
Sam versucht eine starke und selbstbewusste Frau zu sein, aber mir kam sie teilweise wie ein trotziger naiver Teenager vor und überhaupt nicht wie eine erwachsene Frau. Natürlich gab es auch Situationen in denen sie tatsächlich intelligent und selbstlos gehandelt hat, aber insgesamt fand ich ihren Charakter dann doch etwas zu schwach, besonders da es Charaktere gab, die wesentlich mehr Eindruck auf mich gemacht haben. Unter anderem Ed Travis der Sheriff von Cedars Creek, der für mich die eigentliche Hauptperson des Romans war, den ich unglaublich charmant und sympathisch fand. Meiner Meinung nach hätte die Geschichte durch ihn als Hauptperson deutlich an Stärke gewonnen. Auch Nicholas konnte mich überzeugen, er ist sympathisch, lieb und irgendwie auch süß, aber total blass. Er tritt kaum in Erscheinung (okay, die meiste Zeit ist er unsichtbar und dafür kann der Arme nun einmal nichts) und ist mir einfach viel selbstlos in seinem Charakter. Ein bisschen mehr Gefühlsregung hätte ich mir bei ihm schon gewünscht...
Wie alle Romane von Kate Logan, dem Pseudonym von Brigitte Melzer, ist auch "Nicht alle Geister lieben mich" flüssig, bildlich und spannend geschrieben. Die Handlung zieht sich nicht und wirkt auch nicht gehetzt, genau das richtige Erzähltempo für meinen Geschmack. Und nur dadurch, dass ich diesen Roman so zügig durchlesen konnte und er mich gefesselt hat, bekommt "Nicht alle Geister lieben mich" eine ingesamt positive Wertung. Die Geschichte war spannend, stellenweise auch gruselig und unheimlich, und es gab einige überraschende Wendungen. Besonders atmosphärisch war sie für mich einfach perfekt. Sehr schön fand ich außerdem, dass es zwischen den düsteren Szenen auch immer wieder amüsante Momente gab, die die Handlung aufgelockert haben.
Ich fand es schade, dass es keinen Epilog gab, da das Ende für meinen Geschmack eindeutig zu kurz war, es hätte auf romantischer Ebene durchaus noch etwas rausreißen können. Dafür gab es aber ein "Das Leben geht weiter...", indem in die Zukunft der wichtigsten Charaktere zusammengefasst wurde, eine Fortsetzung ist somit ausgeschlossen, was mich wirklich sehr beruhigt hat. Noch einmal vier Jahre warten hätte ich bestimmt nicht durchgehalten.
Fazit:
Ein spannender paranormaler Jugendroman, der durch seinen flüssigen Schreibstil zu überzeugen weiß, aber leider keine dominante Liebesgeschichte zu bieten hat. Für Fans von "Der Geist, der mich liebte" kann ich die Geschichte aber wirklich nur empfehlen, schließlich gab es auch im Vorgänger nicht allzu viel Romantik.
Mehr Rezensionen findet man auf meinem Blog (lucinaswelt.blogspot.com)