Der Mariannenplatz ist in Berlin. Und Mariannenplatz, die Band um den charismatischen und nicht immer einfachen Sänger Pete Schulz, sind aus Berlin. Die Texte sind auf Deutsch. Wie derzeit sehr viele Songs auf Deutsch gesungen werden. Es ist schön, nach den deutschen Hip Hop Zeiten auch wieder Rocksongs in der Muttersprache zu hören. Die Musik ist dynamisch und frisch und klingt nach Sturm und Drang von Zwanzigjährigen. Dennoch sind Mariannenplatz Mittdreißiger. Sie haben sich aber wohl vom Establishment ferngehalten, fühlen sich nicht wichtig und sind doch wichtig: Für die neue engagierte Musik auf deutsch, für die sich jetzt auch die Plattenfirmen interessieren. Die Auskopplung aus ihrem Debütalbum "Keine Zeichen" hatte in der Berliner Radiolandschaft vorab schon einen Achtungserfolg und ist in einer jener Nächte entstanden, in denen man durch die Berliner Klub- und Kneipenszene zieht ohne müde zuwerden, obwohl am Südstern schon die Sonne aufgeht. Man zieht noch einen durch und unterhält sich über den Irakkrieg, über Hartz IV und die Bonzen, um sogleich wieder festzustellen, dass einen das gar nicht wirklich angeht, man ist doch nicht wichtig. Aber die Musik auf deutsch machts möglich: wir können es hören und verstehen. Und mitsingen und über die Inhalte mitreden, eben ganze Nächte durch: "Schön' guten Morgen Berlin".
Karsten Heylandt-Rohde
Januar 2005