Es ist der englische Begriff "bittersweet", der meiner Meinung nach die Stimmung dieses Romans am besten trifft. Klar, David Nicholls beschreibt seine Szenen auch witzig-intelligent, erwischt den Zeitgeist hervorragend, dabei glücklicherweise jede Aufdringlichkeit vermeidend, und lässt seinen Leser hautnah zwei Jahrzehnte britischer Kultur (allein das ist schon eine enorme Leistung, mal so nebenbei) miterleben, ohne auch nur einen Moment von der Nähe zu seinen griffigen Charakteren zu lassen. Aber da ist ganz eindeutig eine schwer melancholische, eben bittersüße Note, die über den Worten schwebt und mir dann nach Beenden des Romans auch sehr nachgehangen hat.
Letzteres ist natürlich ein deutliches Pro für dieses Buch, denn nur die belanglosen sind schnell abgehakt. Diese Nachwirkung hat mich auch überrascht (nicht nur, weil ich eigentlich "nur" einen romantisch-witzigen Liebesroman erwartet hatte), denn während des Lesens hatte ich nicht gemerkt, wie sehr mir Nicholls' Protagonisten unter die Haut gegangen waren. Sind sie aber. Ihre Träume, Erwartungen, Enttäuschungen, Unzulänglichkeiten, Sehnsüchte. Ihre Glücksmomente und ihr Versagen, all das so unglaublich menschlich und niemals schwarzweiß.
Ich bin etwas zu jung, um mich mit der zeitlichen Einbettung des Romans 100% identifizieren zu können, aber mit Mitte 30 genau richtig alt, um diesen schmalen Grad zwischen dem, was man werden und erreichen wollte, und dem, was Wirklichkeit ist, teils schmerzhaft, teils humorvoll nachempfinden zu können. Autsch;-)
Also, insgesamt ein nachdenklicher, ehrlicher, sehr tragikomischer und schon auch britischer Roman über das Erwachsenwerden.