Keine Ahnung, ob es an dem doch ungewohnten und dadurch manchmal schwierigem, älterem Englisch lag oder sich mein Lesegeschmack in den letzten Jahren so sehr geändert hat, aber als ich vor vielleicht 7 Jahren eine deutsche Übersetzung gelesen hab, hat mir das Buch viel besser gefallen.
Die Handlung an sich ist immer noch nett, aber sehr vorhersehbar und auch an einigen Stellen konstruiert. So stirbt zum Beispiel einer der Bösewichte genau zum passenden Zeitpunkt um ein Unglück zu verhindern. Auch die Charaktere entwickeln sich leider überhaupt nicht. Die Bösewichte sind bis zum Schluss böse und der strahlende Held immer edel und gut und gewinnt zum Schluss natürlich seine Liebste, in deren Anblick er sich in der ersten Nanosekunde verliebt, in der er sie erblickt hat.
Aber trotzdem war es unterhaltsam, nicht falsch verstehen. Dickens hat eine ganz eigene, sehr scharfzüngige Art die Personen ' vor allem die bösen, unsympathischen ' zu beschreiben, welche mich sehr amüsiert hat. Und die bei den Beschreibungen der damaligen Zeit und verschiedenen Schauplätze sowie die durch die Lebensumstände der Protagonisten immer wieder durchklingende Sozialkritik, besonders an den ländlichen Schulen, war interessant.
Es gibt ungewöhnlich viele Figuren, aber alle bleiben recht flach, und bei manchen bin ich mir bis zum Schluss nicht klar geworden, welche Rolle sie eigentlich spielen beziehungsweise warum Dickens ihnen so viel Platz eingeräumt hat, wie zum Beispiel die Mantalinis oder Lillyvicks. So verlaufen ihre Nebenhandlungen auch irgendwie im Sande und kommen nicht zu einem wirklichen Schluss.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum ich mich mit dem Englisch in dem Roman so schwer getan hab. Klar, die Stellen im Yorkshire Dialekt waren mühsam und da hab ich auch nicht alles verstanden, aber so viele waren das nicht. Aber der andere Text in 'Hoch-Englisch' ist eigentlich meinem Eindruck nach nicht so unterschiedlich von neueren Texten und die les ich in Englisch problemlos (für irgendwas muss ja das Lesen von unzähligen englischen Fanfics gut sein). Aber warum auch immer, ich musste mich ungemein konzentrieren und hab daher auch immer nur ein paar Seiten auf einmal gelesen. Zum Glück sind die meisten Kapitel auch nur 10 bis 15 Seiten lang, was dann gut gepasst hat. Aber trotzdem viel es mir dadurch schwer mich zum Lesen motivieren und entsprechend lang und mit einigen Pausen hab ich an dem Buch rumgelesen.
Sehr zu empfehlen ist übrigens meiner Meinung nach
diese Verfilmung des Romans. Die Haupthandlung wurde gut beibehalten und die Handlungen um einige Nebenfiguren gekürzt, so dass die störenden Längen aus dem Buch wegfallen. Und nicht zu letzt ist Charlie Hunnam ('Sons of Anarchy') als Nicholas noch sehr schön anzusehen. Aber auch alle anderen Rollen sind sehr gut besetzt.